Markus Brann

Markus Brann
Grab von Markus Brann auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Breslau

Markus Brann (Marcus Brann, Markus Mordechai / Mordechaj Brann; geboren am 9. Juli 1849 in Rawitsch, Posen; gestorben am 26. September 1920 in Breslau) war jüdischer Geschichtsforscher, Bibliograph und Rabbiner. Als Historiker arbeitete er vor allem zur Geschichte der Juden in Schlesien. Er war Dozent am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau.

Leben und Werk

Markus Brann wurde als Sohn des Rabbiners und Talmudisten Salomon Brann (1814–1903) sowie der Dorothea Brann, geborene Silberberg, geboren. Er studierte jüdische Theologie und Geschichte an der Universität Breslau, wo er 1873 auch zum Dr. phil. promoviert wurde; gleichzeitig war er am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau eingeschrieben. Dort zählten Heinrich Graetz und Zacharias Frankel zu seinen Lehrern.

1875 erwarb Brann das Rabbinerdiplom. Anschließend wurde er zunächst unter Manuel Joël stellvertretender Rabbiner an der Neuen Synagoge in Breslau. 1883 übernahm er als Direktor das Auerbachsche Waisenhaus in Berlin. 1885 wurde er auf eine Rabbinerstelle in Pless berufen, wo er bis 1891 amtierte.

1891 trat er die Nachfolge von Heinrich Graetz am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau an und behielt diese Position bis zu seinem Tode bei. Sein Lehrstuhl umfasste Bibelexegese, jüdische Geschichte und Pädagogik. Zugleich verwaltete er die Bibliothek des Seminars. 1914 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

Neben seiner Tätigkeit für das Seminar wirkte er in zahlreichen Vorständen und Ausschüssen mit, so in der 1902 gegründeten Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, des Esra-Vereins, der Alliance Israélite Universelle und des Reichsverbands der jüdischen Lehrervereine. Zudem war Brann Vorsitzender des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur in Breslau, des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen (sowie 1876 Mitbegründer von dessen Unterstützungskasse) und Schulinspektor der Industrieschule für israelitische Mädchen.

Branns über Graetz hinausgehende Leistung liegt darin begründet, dass er das in öffentlichen und jüdischen Archiven schlummernde Material erstmals der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen suchte (wenn auch der groß angelegte Versuch der Errichtung eines Gesamtarchivs der deutschen Juden später zum Scheitern verurteilt war). Brann gehörte 1878 zu den Begründern des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. Auch unterstützte er die Gründung einer jüdischen Volkshochschule in Breslau; neben seiner Lehrtätigkeit, deren Pflichten er mit Hingabe erfüllte, entfaltete er eine intensive wissenschaftliche Tätigkeit. Er zählte zum Mitarbeiterkreis der wichtigsten Fachzeitschriften für die Geschichte der Juden in Deutschland.

Gemeinsam mit David Kaufmann (seit 1892, nach dessen Tod 1899 als alleiniger Redakteur) gab er eine neue Folge der 1851 von Zacharias Frankel begründeten und von Graetz 1887 eingestellten Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (MGWJ) heraus.

An der von einem Kreis von Schülern veranstalteten Neuausgabe der Geschichte der Juden von Heinrich Graetz beteiligte Brann sich durch die Bearbeitung der Bände 2, 3, 10 und 11. Stärkere Eingriffe nahm er dabei vor allem bei dem abschließenden, der Neuzeit gewidmeten elften Band des monumentalen Werkes vor, indem er – hierin durch entsprechende Äußerungen Graetz’ für eine Neubearbeitung gedeckt – die in der Erstauflage vorgetragene scharfe Kritik des Autors an antisemitischen Tendenzen im Deutschland des 19. Jahrhunderts weitgehend strich oder abschwächte.

Weithin bekannt wurde Branns Name durch eine Überblicksdarstellung zur Geschichte der Juden und ihrer Litteratur (Geschichte der Juden und ihrer Litteratur Für Schule und Haus bearbeitet. 1. Theil: Von der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluss des Talmuds, Breslau 1893 / 2. Theil: Vom Abschluss des Talmuds bis zur Gegenwart, Breslau 1895). Das Werk wurde noch vor 1914 mehrfach neu aufgelegt und erreichte eine große Leserschaft. Später veröffentlichte Brann auf der Grundlage dieses Buches weitere Abrisse zur jüdischen Geschichte und zur Literaturgeschichte, die gleichfalls eine erhebliche Verbreitung fanden und in mehreren Auflagen erschienen (Ein kurzer Gang durch die jüdische Geschichte. Herausgegeben vom Verein für jüdische Geschichte und Litteratur zu Breslau, Leipzig 1907; Ein kurzer Gang durch die jüdische Literatur. Zweite verbesserte Auflage, Wien / Berlin 1918; mehrere Neuauflagen).

Schriften

Bücher (als Verfasser)

Aufsätze (Auswahl)

Als Herausgeber

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ismar Elbogen: Marcus Brann. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 64 (1920), S. 241–249. Web-Ressource.
  2. ↑ Professor Dr. M. Brann. (Zu seinem Dozentenjubiläum.) In: Freie Jüdische Lehrerstimme Jg. 5, Nr. 9–10, 15. November 1916, S. 138 f. (Web-Ressource).
Personendaten
NAME Brann, Markus
ALTERNATIVNAMEN Brann, Marcus; Mordechai, Markus; Brann, Mordechaj
KURZBESCHREIBUNG jüdischer Historiker und Gelehrter
GEBURTSDATUM 9. Juli 1849
GEBURTSORT Rawitsch, Posen
STERBEDATUM 26. September 1920
STERBEORT Breslau