Mares Schultz

Mares Schultz (geboren 21. Oktober 1920 in Hamburg als Theresia Maria Schultz; gestorben 15. März 2013 in Stuttgart) war eine deutsche Malerin, Grafikerin und Illustratorin. Sie galt als die „Grand Dame“ des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs.

Leben

Die Eltern von Mares Schultz waren der U-Boot-Ingenieur und Schiffsbauer Heinrich Schultz und Gerta Schultz geborene Niemer. Gerta Schultz und ihre Schwester Clara Niemer waren beide künstlerisch begabt. Clara Niemer hatte die kunstgewerbliche Abteilung der Staatlichen Schule für Frauenberufe in Hamburg gegründet. Sie führte ihre Nichte frühzeitig über einen spielerischen Unterricht an die Kunst heran. In ihrer Jugendzeit prägten die Jugendstil-Ausstattungen in ihrer Hamburger Heimat und im Haus ihrer Großeltern in Münster sowie Gemälde der Rheinischen Expressionisten der Düsseldorfer Schule in der elterlichen Wohnung ihren Kunstgeschmack.

Heinrich Schultz starb bereits 1930. Mares Schultzes Bruder wanderte 1936 nach Brasilien aus. Nach dem Ende ihrer Schulzeit absolvierte Mares Schultz 1937/38 einen einjährigen Arbeitsdienst in Mecklenburg. Danach zog sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Bonn und begann eine Ausbildung als Illustratorin an der Meisterschule des Deutschen Handwerks in Köln. 1940 studierte sie für ein Semester an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo Schultz sich bei Herbert Boeckl und Christian Ludwig Maier in der Zeichnung weiterbildete.

Nach Ende der Ausbildung 1942 zog Schultz mit ihrer Mutter nach München, wo sie ein Studium bei Hermann Kaspar an der Akademie der bildenden Künste begann. Bis zur Zerstörung der Akademie bei einem Bombenangriff 1944 war sie seine Meisterschülerin. Dann flüchteten Mares und Gerta Schultz nach Meersburg, wo sie im Sommerhaus Clara Niemers lebten. Dort lernte Schultz Elisabeth Erdmann-Macke kennen, die Witwe August Mackes, wodurch Schultz sein Werk kennenlernte.

Nach Kriegsende gründete Schultz eine Puppenbühne (Meersburger Schaukästchen), für die sie die Stücke schrieb und die Puppen selbst herstellte. Daneben unterrichtete sie Malen und übernahm Porträtaufträge. Zudem arbeitete sie und arbeitete für die „Schwäbische Zeitung“ als Illustratorin. Nachdem 1948 Marlise Klock ihre Schülerin wurde, freundete sie sich mit deren Familie an. Das bewog sie, nach Stuttgart zu ziehen, wo sie sich dem Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs anschloss. 1951 zog sie in das Atelierhaus des Bundes in der Eugenstraße 17, wo sie bis 1969 lebte. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, übte sie eine Nebentätigkeit als Postfacharbeiterin aus. Von 1952 bis 1955 arbeitete sie als Grafic artist für die US-Armee in der Karlskaserne in Ludwigsburg. In den folgenden Jahren reiste sie zu Studienzwecken nach Nordafrika und mehrfach nach Brasilien.

Von 1969 bis 1976 lebte Schultz in Münster/Westfalen, danach zog sie nach Stuttgart zurück. Bereits seit 1972 hatte sie wieder eine Atelierwohnung in der Eugenstraße 17, in der sie bis 2011 lebte. Schultz unterrichtete in der Erwachsenenbildung und gab Privatunterricht. 1997 schuf sie im öffentlichen Auftrag das farbige Glasfenster Ein Vogel baut sein Nest für St. Nikolas in Unterheinriet. Nach 60 Jahren Mitgliedschaft galt Schultz als „Grande Dame“ des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs.

Werk

Mares Schultz fand ihre Motive im Alltag der Stadt. In der Komposition ihrer Werke treten die Figuren zueinander in Beziehung. Schultz fokussierte auf den Moment der Begegnung und hob die Blicke hervor.

Die im Film Die Sünderin von 1950 gezeigte Zeichnung Todesengel stammte von Mares Schultz.

Mares Schultz’ Werk befindet sich im Besitz der Kirchengemeinde Manosque, Provence, Frankreich, der Galerie der Stadt Stuttgart, den Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen, der Staatsgalerie Stuttgart und in der Kunstsammlung der Landesgirokasse Stuttgart.

Ehrungen

Mitgliedschaften

Ausstellungen (Auswahl)

Edith Neumann hat die Ausstellungen Mares Schultz’ bis 1999 zusammengestellt:

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Traueranzeigen von Mares Schultz. In: stuttgart-gedenkt.de. 27. März 2013, abgerufen am 28. Januar 2021 (deutsch).
  2. 1 2 Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 228–240, 228.
  3. 1 2 Netzwerkerinnen der Moderne | arsmondo. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Januar 2021; abgerufen am 6. Februar 2021 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. ↑ Robin Szuttor: Das Leben ist bunt. Die 86-jährige Malerin Mares Schultz. In: Stuttgarter Zeitung. 26. Juli 2007.
  5. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 228–240, 228, 342.
  6. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 228–240, 228-229.
  7. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 228–240, 229-230.
  8. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/II). Band II. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 136–139.
  9. ↑ Rainer Vogt: Liebevoller Blick auf Stuttgart. Mares Schultz ist 90 - und das Atelierhaus bietet ein Bildpanorama. In: Stuttgarter Nachrichten. 30. Oktober 2010.
  10. ↑ Malerin und Lehrerin. Nachrufe. In: Stuttgarter Zeitung. 23. März 2013.
  11. ↑ Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart. Band 81/I). Band I. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4, S. 228–240, 232.
  12. ↑ Kanzlei Königstraße in Stuttgart: Vernissage und Hommage an die Stuttgarter Künstlerin Mares Schultz zu ihrem 90. Geburtstag | Kanzlei Königstraße in Stuttgart - Ihr Partner für alle Rechtsbereiche! 16. Oktober 2010, abgerufen am 6. Februar 2021 (deutsch).
  13. ↑ Seherlebnisse - Retrospektive MARES SCHULTZ. In: BBK/W. 19. April 2016, abgerufen am 6. Februar 2021 (deutsch).
Personendaten
NAME Schultz, Mares
ALTERNATIVNAMEN Schultz, Theresia Maria
KURZBESCHREIBUNG deutsche Malerin, Grafikerin und Illustratorin
GEBURTSDATUM 21. Oktober 1920
GEBURTSORT Hamburg
STERBEDATUM 15. März 2013
STERBEORT Stuttgart