Maria Jarema

Maria Jarema (1963)

Maria Jarema (* 24. November 1908 in Staryj Sambir, Galizien; † 1. November 1958 in Krakau, Polen) war eine polnische Malerin, Bildhauerin und Bühnenbildnerin. Sie war Mitglied der ersten Grupa Krakowska, die von linken Studenten der Akademie gegründet wurde, um die moderne Kunst in der Zwischenkriegszeit zu fördern. 1957 gründete sie zusammen mit Tadeusz Kantor die zweite Krakauer Gruppe, ein zentrales Zentrum der Avantgarde im kommunistischen Polen.

Leben und Werk

Abstrakte Komposition. (1956). Nationalmuseum in Stettin
Komposition (Gips), in Signals Magazine (1933–1939)

Maria Jarema war die Tochter der Pianistin Maria Stefania (geb. Śmigielska), einer Schülerin von Karol Mikuli am Lemberger Konservatorium, und des Rechtsanwalts Józef Jarema. Sie hatte sechs Brüder und eine Zwillingsschwester und besuchte die Mädchenschule Maria Konopnicka in Sambor. Von 1929 bis 1935 studierte sie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau bei Xawery Dunikowski. Bereits während ihres Studiums war sie Mitbegründerin und Mitglied der Grupa Krakowska.

Grupa Krakowska

Im Oktober 1933 nahm Jarema an einer Kunstausstellung im Hauptquartier der Gesellschaft der Freunde der Schönen Künste (Towarzystwo Przyjaciół Sztuk Pięknych) in Lemberg teil. Zwölf Studenten der Akademie der Bildenden Künste in Krakau traten dort unter dem Namen der Künstlergruppe Grupa Krakowska auf. Leon Chwistek, Maler und Mathematikprofessor an der Jan-Kazimierz-Universität in Lemberg, übernahm die Schirmherrschaft über die Ausstellung. Es war die erste von drei Gemeinschaftsausstellungen der Grupa Krakowska. Zwei weitere fanden 1934 und 1935 in Krakau statt. Die Gruppe lehnte die Radikalisierung politischer Einstellungen und das Erstarken nationalistischer Bewegungen ab, die in den 1930er Jahren deutlich sichtbar waren, und sympathisierte mit den protestierenden Arbeitern. Sie entwickelten nie ein gemeinsames künstlerisches Programm, teilten aber den Wunsch nach Modernität. Sie organisierten Vorträge und Diskussionen und nahmen an Demonstrationen teil. Die Krakauer Gruppe bestand bis 1937, als ihre Mitglieder unter dem Vorwand ausstehender Beiträge aus dem Polnischen Künstlerverband ausgeschlossen wurden.

Cricot

Von 1934 bs 1939 arbeitete sie als Bühnenbildnerin, Kostümbildnerin und Schauspielerin mit dem Künstlertheater Cricot zusammen, das von ihrem Bruder Józef Jarema, gegründet worden war. Der experimentelle Charakter des Cricot zeigte sich in seinem Repertoire, Bühnenbild, Kostümen und der Interaktion der Schauspieler mit dem Publikum. Jarema wirkte an den Vorbereitungen für eine der ersten Aufführungen von Cricot mit. Sie unterstützte Henryk Wiciński beim Entwurf der Kostüme, deren Formen denen ihrer avantgardistischen Skulpturen ähnelten. Sie entwarf nicht nur Kostüme und Bühnenbilder, sondern stand auch selbst auf der Bühne.

Von 1956 bis 1958 arbeitete sie mit dem Cricot II Theater zusammen und entwarf unter anderem die Kostüme für Tintenfisch und Cyrk. Im Cricot und Cricot II trat sie gelegentlich auch als Schauspielerin auf. 1949 nahm sie am Wettbewerb für das Bühnenbild des Balletts Swantewit teil und gewann einen Preis, ihre Entwürfe wurden jedoch nicht realisiert.

Malerin und Bildhauerin

1937 erhielt sie ein Kunststipendium des Polnischen Künstler- und Designerverbands (ZPAP) in Krakau für einen dreimonatigen Aufenthalt in Paris. Zusammen mit Erna Rosenstein, Sasha Blonder, Berta Grunberg und der Kunsthistorikerin Helen Blum reiste sie im Herbst 1937 nach Paris.

Während der Besatzungszeit arbeitete sie als Garderobenassistentin im Künstlercafé Kawiarnia Plastyków (ZPAP). Nach der Schließung des Cafés durch die deutschen Behörden arbeitete sie in der Puppenwerkstatt des Zentralen Wohlfahrtsrates. Die Puppen wurden aus einfachen Materialien wie Lumpen und Draht gefertigt. Nur wenige von ihnen sind erhalten geblieben. 1943 brachte sie ihren Sohn Aleksander zur Welt, der aus ihrer Ehe mit dem Schriftsteller Kornel Filipowicz stammte. Im April 1944 wurde ihr Ehemann in Konzentrationslager deportiert, zuerst nach Groß-Rosen, dann nach Sachsenhausen-Oranienburg.

Nach dem Krieg gab sie die Bildhauerei auf und widmete sich der Malerei. Im Mai 1947 reiste sie mit einem vom Ministerium für Kultur und Kunst finanzierten Stipendium für drei Monate nach Paris. Ende Juli reiste sie auf Einladung ihres Bruders Joseph, der sich nach dem Krieg in Italien niedergelassen hatte, nach Rom.

In der Nachkriegszeit wandte sich Jarema endgültig der Malerei zu. Sie verwendete vorwiegend Öl- und Temperafarben in kräftigen, leuchtenden Tönen. Die Gemälde dieser Zeit sind nicht gänzlich abstrakt, sondern tragen oft Titel mit Bezug zur Realität, lösen sich aber zunehmend von der Figuration. In ihren geometrischen, kompakten Formen lassen sich Anklänge an den Kubismus erkennen.

1956 vertrat sie gemeinsam mit Jan Cybis Polen bei der Prix-Guggenheim-Ausstellung im Musée National d’Art Moderne in Paris. Ende des Jahres stellte sie ihre Werke mit Tadeusz Kantor im Salon Po Prostu in Warschau aus. Zusammen mit Tadeusz Kantor und Kazimierz Mikulski repräsentierte sie die Krakauer Künstlergemeinschaft auf der Internationalen Ausstellung in München.

Im Herbst 1957 stellte sie auf der zweiten Ausstellung moderner Kunst in Warschau aus, wo sie eine Auszeichnung erhielt. Außerdem wurde ihr für ihre künstlerischen Leistungen der Kunstpreis der Stadt Krakau verliehen. Ende 1957 reiste sie erneut nach Paris, um dort ein Stipendium zu erhalten und sich wegen ihrer Leukämie behandeln zu lassen.

Jarema starb 1958 in Krakau im Alter von 49 Jahren an den Folgen der Leukämie.

Ihre Werke repräsentierten Polen 1958 auf der Biennale in Venedig und nach ihrem Tod 1961 auf der Biennale für Moderne Kunst in São Paulo. Sie wurde in Venedig mit dem Preis der Polnisch-Italienischen Gesellschaft Francesco Nullo ausgezeichnet.

In Krakau stehen zwei von ihr entworfenen Denkmäler, eine Straße trägt ihren Namen und eines ihrer abstrakten Gemälde ziert die Fassade eines Wohnblocks.

An der Fassade eines Wohnblocks in der Jaremy-Straße 1–15 in Krakau befindet sich ein großformatiges Wandgemälde, das eine Reproduktion eines Fragments eines Gemäldes von Maria Jarema aus der Serie Penetrationen von 1956 darstellt. Das Wandgemälde wurde 2008 auf Initiative des Nationalmuseums in Krakau im Rahmen des Projekts Straßen zur Kunst anlässlich des 100. Geburtstags und des 50. Todestages von Maria Jarema enthüllt

Das Muzeum Sztuki in Łódź widmet ihr 2026 die Ausstellung Maria Jarema. Cracked modernism, und das Lenbachhaus München zeigt vom 27. Oktober 2026 bis 25. April 2027 erstmals eine große monografische Ausstellung in Deutschland.

Auszeichnungen und Ehrungenn (Auswahl)

Informationstafel zur Komposition „Hommage a Maria Jarema – Kraków Jaremance“ vor der Galerie Bunkier Sztuki in Krakau (2025)

Literatur

Commons: Maria Jarema – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Open Art Munich – Maria Jarema. In: Open Art Munich. Abgerufen am 29. September 2026 (deutsch).
  2. ↑ Maria Jarema Cracked modernism. Abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Maria Jarema. In: AWARE Women artists / Femmes artistes. Abgerufen am 29. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Encyklopedia teatru polskiego: Maria Jarema. Abgerufen am 29. September 2026 (polnisch).
  5. ↑ Maria Jarema. Abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  6. ↑ Contemporary Lynx Team: Maria Jarema Revisited at the Museum of Modern Art in Warsaw | Contemporary Lynx - magazine on art & visual culture. Abgerufen am 29. September 2026 (britisches Englisch).
  7. ↑ Viktoria Großmann: Immer noch wütend: Werke der polnischen Künstlerin Maria Jarema bald in München. 20. Mai 2026, abgerufen am 29. September 2026.
  8. ↑ Viktoria Großmann: Immer noch wütend: Werke der polnischen Künstlerin Maria Jarema bald in München. 20. Mai 2026, abgerufen am 29. September 2026.
  9. ↑ Maria Jarema. Abgerufen am 29. September 2026.
  10. ↑ Maria Jarema Cracked modernism. Abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  11. ↑ Maria Jarema | Centrum Rzeźby Polskiej w Orońsku. Abgerufen am 29. September 2026.
  12. ↑ Jarema Maria. Abgerufen am 29. September 2026.
  13. ↑ Anna Piątkowska: Kraków. Na Plantach stanęła nowa rzeźba. Ma przypominać o wybitnej krakowskiej artystce. 10. November 2022, abgerufen am 29. September 2026 (polnisch).
  14. ↑ Wyborcza.pl. Abgerufen am 29. September 2026.
Personendaten
NAME Jarema, Maria
KURZBESCHREIBUNG polnische Malerin, Bildhauerin und Bühnenbildnerin
GEBURTSDATUM 24. November 1908
GEBURTSORT Staryj Sambir, Galizien
STERBEDATUM 1. November 1958
STERBEORT Krakau, Polen