Marianne Rein

Marianne Dora Rein (* 2. Januar 1911 in Genua; † zwischen 27. November 1941 und 26. März 1942) war eine deutsche Lyrikerin.

Leben

Marianne Rein war jüdischer Herkunft. Sie kam 1911 in Genua zur Welt, wo ihr Vater als Kaufmann tätig war. Als Deutsche wurde die Familie im Ersten Weltkrieg aus Italien ausgewiesen. Sie zog nach Lugano; dort starb 1917 der Vater. Mutter und Tochter zogen daraufhin nach Würzburg, wo die Familie der Mutter lebte. Marianne wuchs gutbürgerlich auf. Bereits als Schülerin interessierte sie sich für Literatur und erwarb sich nach und nach eine weite Belesenheit. Eine Berufsausbildung hatte sie nicht. Ernsthaft selbst zu schreiben, begann sie erst Mitte der 1930er Jahre, was freilich bedeutete, dass für sie als Jüdin die Veröffentlichungsmöglichkeiten von Anfang an sehr einschränkt waren. 1937/8 veröffentlichte sie einige Gedichte und Prosatexte im Israelitischen Familienblatt, im Morgen und der Central-Verein-Zeitung, bis diese Zeitschriften nach dem Novemberpogrom 1938 verboten wurden.

Eine freundschaftliche Bekanntschaft mit der Autorin und Journalistin Mala Laaser (1911–1953), die damals eng mit Jakob Picard (1883–1967) liiert war, vermittelte 1938 den Kontakt mit dem renommierten Schriftsteller Jakob Picard, der Arbeiten von Rein kannte und ihr einen Band seiner Gedichte hatte zukommen lassen. Zwischen Picard und der viel jüngeren Autorin entwickelte sich ein Briefwechsel, zunächst reserviert, dann zu den Vornamen und schließlich zu einem vertrauten Du wechselnd. Die zunehmende Intensität der Korrespondenz ging von Marianne aus, die sich mehr und mehr in den fast dreißig Jahre älteren Picard verliebte, der ihr zum „Briefpapiertraumgeschöpf“ wurde. Auch Picard kam ihr offensichtlich nach und nach näher, er schrieb ihr vermehrt und sie tauschten Photographien aus. Der Briefwechsel wurde in den Worten Reins mehr und mehr zum ‚Liebesgespräch‘. Bedeutsam war es vor allem für Rein, dass sie ihre Arbeiten Picard vorlegen und sich mit ihm über sie austauschen konnte. In seinem Nachlass hat sich das meiste, was wir heute von ihrem Schaffen kennen, erhalten. Kaum begreiflich bleibt es, dass sich die in Würzburg lebende Marianne Rein und Jakob Picard, der zu dieser Zeit in Berlin wohnte, nie persönlich begegneten, nur einmal ein nicht recht geglücktes Telefongespräch führten. Ein Grund dafür mag beider Verarmung durch die nationalsozialistische Ausgrenzung und Verfolgung der Juden gewesen sein. Eine Rolle spielten womöglich auch Picards Auswanderungspläne. Marianne wünschte ihm dazu allen Erfolg, wenngleich sie die Lösung ihrer Beziehung befürchtete, die dann auch einsetzte, als Picard im Oktober 1941 über die Sowjetunion in die USA emigrieren konnte und ihre Briefe immer länger unbeantwortet blieben.

Stolperstein vor Ludwigstraße 29, Würzburg

Auch Marianne Rein bemühte sich nach dem Novemberpogrom 1938 um eine Auswanderung nach England oder die USA, aber es gelang ihr nicht, für sich und ihre Mutter, bei der sie lebte, die notwendigen Bürgschaften zu erhalten. Beide, die bald gezwungen waren, in einem sogenanntes ‚Judenhaus‘ Unterkunft zu finden, wurden mit der ersten Würzburger Judendeportation am 27. November 1941 nach Riga verschleppt. Wie und wann sie umkamen oder ermordet wurden, ob im Ghetto Riga oder an einem anderen Ort im besetzten Lettland, ist nicht bekannt.

Erst lange nach ihrem Tod wurde Marianne Rein wiederentdeckt. Rosa Grimm veröffentlicht eine Ausgabe der Werke, vor allem ihre Lyrik, die bei Lesungen neben der von Gertrud Kolmar und Nelly Sachs vorgetragen wurde, sowie den Briefwechsel mit Jakob Picard, der als Zeitzeugnis und wichtigstes biographische Dokument bedeutsam ist.

Seit 2012 ist in Würzburg eine Straße durch das Sanderglacis nach Marianne Rein benannt.

Literatur / Quellen