Marie Kamhuber

Marie (Maria) Kamhuber geborene Marchhardt oder Marchart (* 21. Juli 1893 in Weitersfeld; † 11. Jänner 1973 in Wien) war eine österreichische kommunistische Widerstandskämpferin und Mitglied der Anti-Hitler-Bewegung Österreichs.

Leben

Marchhardt wuchs in einer kinderreichen Bauernfamilie auf. Ihr Vater starb 1911, ihr einziger Bruder Karl war Soldat im Ersten Weltkrieg und verstarb kurz nach seiner Rückkehr aus dem Krieg. Nach dem Besuch der Volksschule zog sie mit zwei Schwestern nach Wien. Dort arbeitete sie zunächst als Stubenmädchen und lernte den SDAP-Funktionär August Kamhuber kennen, den sie 1920 heiratete. Kamhuber wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), zunächst als Sektions-Vertrauensmännin und als zweite Obmännin und war später Mitglied des Parteivorstandes von Hernals. Sie besuchte die Rednerschule und die Arbeiterhochschule. Zwischen 1927 und 1932 trat sie bei Parteiveranstaltungen als Rednerin auf, so 1929 mit dem späteren Bundespräsidenten Adolf Schärf im Arbeiterheim in Wien-Hernals oder mit dem Kommunalpolitiker Anton Jenschik. Ihre Themen waren dabei unter anderem „Die Bedeutung der Organisation für die Frau“, „Frauenleben und Politik“ oder „Arbeiterschaft und Kapitalismus“.

Nach den Februarkämpfen 1934 und dem SDAP-Verbot war sie bei den illegalen Revolutionären Sozialisten weiterhin für die Sozialdemokratie aktiv, verteilte illegale Zeitungen und unterstützte Festgenommene und deren Familien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 setzte das Ehepaar die Widerstandsaktivitäten im kommunistischen Umfeld fort. 1942 kam es über den Kommunisten Johann Rothfuhs in Kontakt zum slowenischen KP-Funktionär Karl Hudomalj, der in Wien eine Widerstandsgruppe aufbauen wollte und sich zeitweise in der Wohnung des Ehepaares Kamhuber versteckte. Im November 1942 gründete das Paar zusammen mit Hudomalj und Karl Suchanek das „Initiativkomitee der Anti-Hitler-Bewegung Österreichs“, aus dem die Anti-Hitler-Bewegung Österreichs entstand. Kamhuber arbeitete an der illegal herausgegebenen Zeitschrift Die Wahrheit mit, vermittelte den Kontakt zu Alfred Migsch und stellte ihre Wohnung als Treffpunkt zur Verfügung.

Am 27. November 1943 wurde sie zusammen mit ihrem Ehemann und anderen Mitgliedern der Anti-Hitler-Bewegung Österreichs Johann Hobl, Marie und Gustav Schwella, Karl Rimmer und August Zwickl von der Gestapo verhaftet. Bis Oktober 1944 blieb sie in Untersuchungshaft in der Roßauer Lände, wurde anschließend in „Schutzhaft“ genommen und am 8. Oktober 1944 in das KZ Ravensbrück deportiert. Dort musste sie Zwangsarbeit als Wäscheverwahrerin im Krankenblock leisten. Ihr Ehemann wurde in das KZ Mauthausen deportiert.

Am 20. Juli 1945 kehrte sie nach Wien zurück. Ihr Ehemann überlebte das KZ Mauthausen und kehrte ebenfalls nach Wien zurück. Kamhuber wurde Frauenleiterin in der Bezirksorganisation Hernals der KPÖ und engagierte sich in der Bezirksgruppe Hernals des KZ-Verbandes sowie in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. Sie verstarb 1973 im Altersheim Wien-Lainz.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Hans Schafranek: Frauen im Widerstandsnetzwerk um Karl Hudomalj. Die »Anti-Hitler-Bewegung Österreichs« 1942–1944. In: www.kommunismusgeschichte.de. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  2. ↑ Kamhuber August. In: DÖW. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  3. ↑ Kamhuber Maria. In: DÖW. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  4. ↑ Marie Kamhuber im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
Personendaten
NAME Kamhuber, Marie
ALTERNATIVNAMEN Kamhuber, Maria; Marchhardt, Marie (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG österreichische kommunistische Widerstandskämpferin
GEBURTSDATUM 21. Juli 1893
GEBURTSORT Weitersfeld
STERBEDATUM 11. Januar 1973
STERBEORT Wien