Marienlieder sind Gebete, Gesänge und Hymnen, die sich an die GottesmutterMaria richten, um Dank, Bitte, Verehrung oder Lobpreis zum Ausdruck zu bringen.
Marienlieder im engeren Sinn, also volkssprachliche, strophischeLieder, tauchen zunächst nicht als liturgische Gesänge auf, da die Liturgiesprache der katholischen Kirche jahrhundertelang Latein war, die Kirchen der Reformation andererseits die Heiligen- und Marienverehrung ablehnen. Vielmehr erscheinen Marienlieder zunächst häufig als Wallfahrtslieder oder als geistliche Volkslieder auf. Zum Teil sind es Übertragungen oder Paraphrasen lateinischer liturgischer Gesänge. Erwähnung finden sie in den Katholischen Hauspostillen. Das Gebet- und Gesangbuch Goldener Himmelsschlüssel des KapuzinersMartin von Cochem (1689) gilt als verbreitetes Buch mit Marienliedern.
Auch einige Advents- und Weihnachtslieder stellen Maria in den Mittelpunkt, insbesondere einige geistliche Wiegenlieder, die dem Brauch des Kindelwiegens entstammen oder dessen Idee aufgreifen.
Die ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum aufkommenden Maiandachten und die Marienfrömmigkeit durch neue Marienwallfahrtsorte (aber auch schon früher z.B. wie in Schlesien) wie Lourdes und Fátima führten zum Entstehen neuer Marienlieder.
Auch im Bereich des Neues Geistlichen Lieds spielen Marienlieder weiterhin eine Rolle und spiegeln häufig ein gewandeltes Marienverständnis in jüngerer Zeit wieder.
D. v. Huebner: Vokalmusik. In: Remigius Bäumer, Leo Scheffczyk (Hrsg.): Marienlexikon. Band 6 (Scherer-Zyprese / Nachträge). Eos, St. Ottilien 1994, ISBN 3-88096-891-8, S. 651–663 (Digitalisat)
S. Hornsteiner: Volkslieder. In: Remigius Bäumer, Leo Scheffczyk (Hrsg.): Marienlexikon. Band 6 (Scherer-Zyprese / Nachträge). Eos, St. Ottilien 1994, ISBN 3-88096-891-8, S. 665–667 (Digitalisat)
Hermann Kurzke: Notizen zum Marienlied. In: Teresa Berger, Albert Gerhards (Hrsg.): Liturgie und Frauenfrage. Ein Beitrag zur Frauenforschung aus liturgiewissenschaftlicher Sicht (= Pietas liturgica. 7). EOS, St. Ottilien 1990, ISBN 3-88096-287-1, S. 307–318, hier S. 315–318.
Hermann Kurzke, Christiane Schäfer: Tradition als Mischprozess. Marienlieder im Spiegel der Gesangbuchgeschichte. In: Herder-Korrespondenz, Band 62 (2008), 11, S. 578–582 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑L. M. Herrán: Lyrik. In: Remigius Bäumer, Leo Scheffczyk (Hrsg.): Marienlexikon. Band 4 (Lajtha-Orangenbaum). Eos, St. Ottilien 1992, ISBN 3-88096-891-8, S. 197–216 (Digitalisat).