Mario Roques

Mario Louis Guillaume Roques (* 1. Juli 1875 in Callao, Peru; † 8. März 1961 in Paris) war ein französischer Romanist, Mediävist und Albanologe. Er lehrte parallel an der École pratique des hautes études (Fachgebiet romanische Philologie), der École nationale des langues orientales (Rumänisch und Albanisch), der Universität Paris (Institut für rumänische Philologie) sowie am Collège de France (Geschichte des französischen Wortschatzes).

Leben

Roques wurde in Peru geboren, wo sein Vater als französischer Vizekonsul stationiert war, wuchs aber in Paris auf. Nach dem Schulbesuch am Lycée Henri IV bestand er 1894 die Aufnahmeprüfung für die École normale supérieure, wo er sich zunächst auf Geschichte und dann auf Philologie spezialisierte. Er studierte an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Paris (Sorbonne) bei Joseph Bédier und Ferdinand Brunot und am Fachgebiet romanische Philologie der École pratique des hautes études (EPHE) bei Gaston Paris und Antoine Thomas, ferner war er Gasthörer bei Paul Meyer an der École nationale des chartes. An Fremdsprachen studierte er Spanisch, Rumänisch und Albanisch. 1897 bestand er die Agrégation (Staatsprüfung für das höhere Lehramt) im Fach Grammatik als landesweit Drittbester seines Jahrgangs. Danach war er bis 1900 Stipendiat der Fondation Thiers, 1900 schloss er das Rumänisch-Diplom der École nationale des langues orientales (Langues O) und 1903 das Diplom der EPHE ab.

Bereits ab 1901 vertrat Roques als Lehrbeauftragter für französische Grammatik und Sprachgeschichte an der École normale supérieure sowie für Vulgärlatein an der EPHE seinen akademischen Lehrer Antoine Thomas. Nach dem Tod Gaston Paris’ wurde er 1903 zum Maître de conférences, zwei Jahre darauf zum stellvertretenden Directeur d’études und 1916 zum Direktor des Fachgebiets romanische Philologie an der EPHE ernannt. Ab 1925 war er Sekretär und – als Nachfolger Antoine Meillets – von 1936 bis 1961 Vorsitzender der historisch-philologischen Abteilung (IV. Sektion) der EPHE. In der École nationale des langues orientales (Langues O) vertrat er ab 1907 Émile Picot für das Rumänische, lehrte ab 1919 als Professor für Albanisch und wurde er 1936 ihr Leiter (Administrateur). An der Sorbonne übernahm er 1912 die Leitung des Institut de philologie roumaine.

Im Ersten Weltkrieg diente Roques zunächst als Geschützführer, stieg dann zum Leutnant auf und wurde aufgrund seiner Sprachkenntnisse während der letzten beiden Kriegsjahre mit einer Aufklärungsmission nach Serbien und Rumänien entsandt. Das Collège de France kürte ihn 1937 als Nachfolger von Joseph Bédier zum Professor, dort nannte er seinen Lehrstuhl „Histoire du vocabulaire français“. Roques hatte die Vision eines Inventaire général de la langue française (allgemeinen Bestands der französischen Sprache), dessen Materialien in den späteren Trésor de la langue française von Paul Imbs eingeflossen sind.

Mario Roques gehörte ab 1933 der Académie des inscriptions et belles-lettres an und ab 1946 als auswärtiges Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique. 1955 wurde er auswärtiges Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei. Er war ab 1911 Herausgeber der von ihm begründeten Reihe Les Classiques Français du Moyen Âge. Von 1911 bis 1961 gab er als Nachfolger von Paul Meyer die Zeitschrift Romania heraus. Zu seinen Schülern gehörte wahrscheinlich die Historikerin Mathilde Laigle.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Félix Lecoy: Mario Roques (1875-1961). In: Annuaires de l'École pratique des hautes études, 1961, S. 13–18.
  2. 1 2 Christophe Charle, Eva Telkès: Roques (Mario, Louis, Guillaume). In: Les professeurs du Collège de France – Dictionnaire biographique 1901-1939. Publications de l'Institut national de recherche pédagogique, 1988, S. 219–222.
  3. ↑ Inventaire des archives de la recherche, École pratique des hautes études.
  4. ↑ I Lincei del passato: Mario Roques. Accademia Nazionale dei Lincei, abgerufen am 25. September 2026 (italienisch).
  5. ↑ Margarete Zimmermann: Sages et prudentes mainagieres in Christine de Pizans »Livre des Trois Vertus« (1405). In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 193–206, hier: S. 193, Anm. 1.
Personendaten
NAME Roques, Mario
ALTERNATIVNAMEN Roques, Mario Louis Guillaume
KURZBESCHREIBUNG französischer Romanist, Mediävist, Albanist und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 1. Juli 1875
GEBURTSORT Callao
STERBEDATUM 8. März 1961
STERBEORT Paris