Marion Crane

Janet Leigh und Tony Curtis auf einer Filmpremiere.
Janet Leigh und Tony Curtis auf einer Filmpremiere.

Marion Crane (in der Romanvorlage Mary Crane; zeitweise unter dem Decknamen Marie Samuels) ist eine fiktive Figur aus Robert Blochs 1959 veröffentlichtem Roman Psycho. Bekannt wurde sie vor allem durch Janet Leighs Darstellung in Alfred Hitchcocks Verfilmung Psycho aus dem Jahr 1960. In der Neuverfilmung 1998 wurde die Rolle von Anne Heche und in der Fernsehserie Bates Motel (2017) in einer Gastrolle von Rihanna übernommen.

In Hitchcocks Film fungiert Marion zunächst als scheinbare Hauptfigur. Ihr überraschender Tod etwa zur Hälfte des Films bricht die bis dahin auf sie fokussierte Handlung ab und verlagert den Schwerpunkt auf Norman Bates. Die Ermordung Marions unter der Dusche entwickelte sich zu einer der bekanntesten Szenen der Filmgeschichte und gilt als wesentlicher Grund für die nachhaltige Wirkung von Psycho. Für ihre Darstellung gewann Leigh einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin und wurde in derselben Kategorie für einen Oscar nominiert.

Figur und Handlung

Roman und Verfilmung von 1960

In der Verfilmung lebt Marion Crane in Phoenix, Arizona, und arbeitet als Sekretärin in einem Immobilienbüro. Sie führt eine Beziehung mit dem geschiedenen Sam Loomis (John Gavin), dessen Schulden einer gemeinsamen Heirat im Weg stehen. Als ein Kunde ihres Arbeitgebers ein Haus für 40.000 US-Dollar in bar kauft, soll Marion das Geld zur Bank bringen. Stattdessen unterschlägt sie es und fährt in Richtung Fairvale, Kalifornien, wo Sam lebt.

Nachdem ein Polizist auf sie aufmerksam geworden ist, tauscht Marion ihr Auto gegen ein anderes. Während eines Unwetters verlässt sie die Hauptstraße und gelangt zum abgelegenen Bates Motel. Dort trägt sie sich unter dem Namen Marie Samuels ein und lernt den Besitzer Norman Bates (Anthony Perkins) kennen. Dieser lädt sie zum Abendessen ein. Zuvor hört Marion einen Streit zwischen Norman und seiner vermeintlichen Mutter.

Während des gemeinsamen Essens erzählt Norman von seinem Leben mit seiner psychisch kranken Mutter und davon, dass jeder Mensch in seiner eigenen „privaten Falle“ gefangen sei. Marion erkennt Parallelen zu ihrer eigenen Situation. Sie beschließt, nach Phoenix zurückzukehren, das Geld zurückzugeben und die Verantwortung für ihre Tat zu übernehmen.

Norman beobachtet Marion anschließend durch ein Loch in der Wand, während sie sich auszieht. Als sie später duscht, betritt eine vermeintlich ältere Frau das Badezimmer und ersticht sie. Norman entdeckt die Leiche und geht davon aus, dass seine Mutter den Mord begangen hat. Er beseitigt die Spuren, legt Marions Körper und ihre Sachen in den Kofferraum ihres Autos und versenkt es in einem Sumpf. Dabei bemerkt er nicht, dass sich auch das gestohlene Geld im Wagen befindet.

Im weiteren Verlauf suchen Marions Schwester Lila und Sam nach ihr. Schließlich wird enthüllt, dass Norman seine Mutter bereits Jahre zuvor ermordet hatte und zeitweise deren Persönlichkeit annimmt. In diesem Zustand hatte er auch Marion getötet.

Im Roman heißt die Figur Mary Crane. Während sie im Film durch mehrere Messerstiche getötet wird, wird sie in Blochs Vorlage enthauptet. Für die Verfilmung wurde der Vorname in Marion geändert. Als Grund wird angeführt, dass die Rechtsabteilung des Studios zwei tatsächlich in Phoenix lebende Personen namens Mary Crane ermittelt hatte.

Spätere Filme

Psycho II (1983) beginnt mit einer Rückblende auf Marions Ermordung. Ihre Schwester Lila versucht 22 Jahre später, die Entlassung Norman Bates’ aus einer psychiatrischen Einrichtung zu verhindern. Mit Mary Loomis führt der Film außerdem Lilas Tochter und damit Marions Nichte ein.

Auch in Psycho III (1986) wird Marion thematisch aufgegriffen. Die ehemalige Nonne Maureen Coyle erinnert Norman aufgrund ihres Aussehens und ihrer Initialen an sie und wird ausgerechnet in dem Motelzimmer untergebracht, in dem Marion ermordet wurde. In Psycho IV – The Beginning (1990) wird Marion lediglich als das Mädchen erwähnt, das Norman unter der Dusche getötet hatte.

Bates Motel

In der fünften und letzten Staffel der Fernsehserie Bates Motel wurde Marion von Rihanna dargestellt. Die Serie verlegt die Handlung in die Gegenwart und verändert das bekannte Schicksal der Figur grundlegend.

Marion führt darin eine Beziehung mit Sam Loomis, ohne zu wissen, dass dieser verheiratet ist. Nachdem Norman ihr von Sams Ehe erzählt hat, stellt sie ihren Geliebten zur Rede und kehrt anschließend ins Bates Motel zurück. Norman fürchtet, seine „Mutter“-Persönlichkeit könne Marion töten, und drängt sie zur Abreise. Marion verlässt daraufhin den Ort mit dem zuvor unterschlagenen Geld.

Die bekannte Duschszene wird dabei bewusst aufgegriffen, jedoch umgekehrt: Marion überlebt und verlässt das Motel. Stattdessen erscheint Sam später dort und wird von Norman unter der Dusche erstochen.

Dramaturgische Funktion und Wirkung

Die Verfilmung von 1960 konzentriert sich in ihrer ersten Hälfte weitgehend auf Marion. Die Zuschauer begleiten ihre Beziehung zu Sam, den Diebstahl, ihre Flucht und ihre zunehmende Angst aufzufliegen. Mit ihrem Tod wird diese Erzählung abrupt beendet. Die Filmwissenschaftlerin Linda Williams sah darin einen entscheidenden Bruch mit den Erwartungen des klassischen Erzählkinos: Mit Marions Ermordung verliere das Publikum auch die Figur, deren Perspektive es bis dahin gefolgt war.

Hitchcock verstärkte diesen Effekt durch seine ungewöhnliche Vermarktung des Films. Zuschauern wurde nach Beginn einer Vorstellung kein Einlass mehr gewährt, sodass die Handlung von Anfang an gesehen werden musste und die Überraschung von Marions Tod nicht durch einen verspäteten Einstieg verloren ging. Nach Williams trug diese Strategie langfristig auch zur Veränderung der damaligen Kino- und Vorführgewohnheiten bei.

Marions Tod gilt als eine der berühmtesten Filmszenen überhaupt. Janet Leigh wurde durch ihre Darstellung zudem zu einer der bekanntesten frühen Vertreterinnen des später als „Scream Queen“ bezeichneten Rollentypus. Ihre Ermordung unter der Dusche blieb die Rolle, mit der sie am stärksten verbunden wurde.

Der Erfolg der Darstellung spiegelte sich auch in den Auszeichnungen wider. Leigh gewann 1961 den Golden Globe als beste Nebendarstellerin und erhielt eine Oscar-Nominierung in derselben Kategorie.

Anne Heche übernahm die Rolle in Gus Van Sants weitgehend einstellungsgetreuer Neuverfilmung von 1998. Ihre Interpretation wurde unterschiedlich aufgenommen. Roger Ebert kritisierte, Heches Marion fehle die körperliche Präsenz und distanzierte Berechnung, die Leigh in die ursprüngliche Darstellung eingebracht habe.

Die Fernsehserie Bates Motel nutzte die Bekanntheit der Figur dagegen bewusst, um die Erwartungen des Publikums zu unterlaufen. Rihanna durchläuft zunächst mehrere aus dem Film bekannte Situationen, entgeht jedoch Marions ursprünglichem Schicksal. Die berühmte Duschszene führt stattdessen zum Tod von Sam Loomis’.

Auftritte

Romane

Filme

Fernsehen

Comics

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Linda Williams: Learning to scream: Linda Williams on Psycho. In: Sight and Sound. British Film Institute, 18. März 2025, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  2. 1 2 Janet Leigh. In: Golden Globes. Abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  3. 1 2 The 33rd Academy Awards – 1961. In: Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 Psycho. In: AFI Catalog. American Film Institute, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  5. ↑ Dan Webster: With A Hitch: Psycho’s horrifying success. In: The Spokesman-Review. 13. Juni 2025, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  6. ↑ Psycho II. In: AFI Catalog. American Film Institute, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  7. ↑ Psycho III. In: AFI Catalog. American Film Institute, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  8. 1 2 Laura Bradley: How Rihanna’s Bates Motel Appearance Turned Psycho on Its Head. In: Vanity Fair. 28. März 2017, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  9. ↑ Victoria Edel: From Janet Leigh to Keke Palmer: 20 of the Most Iconic Scream Queens. In: People. 31. Oktober 2024, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  10. ↑ Roger Ebert: Psycho. In: RogerEbert.com. 6. Dezember 1998, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  11. ↑ Innovation. In: Grand Comics Database. Abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).