Marisa Diena

Marisa Diena, 1940–1945

Marisa Diena (geboren 29. September 1916 in Turin, Kgr. Italien; gestorben 8. Mai 2013 in Italien) war eine jüdische italienische Politikerin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg. Sie gehörte der Brigate Garibaldi an, der kommunistischen Partisanen-Widerstandsorganisation und operierte im Berggebiet von Torre Pellice.

Leben

Diena wurde als Tochter der jüdischen Eltern Giorgina und Mario Diena mitten im Ersten Weltkrieg geboren. Die Familie gehörte zur Mittelschicht; ihr Vater war Drucker in einer Fabrik in Turin, musste jedoch wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten einige Zeit im Gefängnis verbringen. Sie hatte zwei jüngere Brüder, Giorgio und Franco.

Im März 1919, als Diena drei Jahre alt war, gründete Benito Mussolini offiziell seine faschistische Bewegung. Im Oktober 1922 fand der Marsch auf Rom statt, die faschistische Bewegung übernahm die Kontrolle über die italienische Regierung. Diena wuchs vollständig in einem faschistisch regierten Staat auf und wurde ermutigt, den Faschismus zu leben.

In der Zeit nach Juni 1940, als Mussolini Frankreich und England den Krieg erklärte, zog die Familie nach Rom. Nach dem Sturz Mussolinis 1943 kehrte sie nach Turin zurück. Die Übernahme der Macht in Italien durch die Deutschen und die Errichtung der Italienischen Sozialrepublik führte auch zu stärkerer Verfolgung der Juden.

Die schon bestehende Untergrundopposition gegen den Faschismus ging zu einem direkten, offenen und bewaffneten Widerstand gegen die Nazis über. Wenige Tage nach der Besetzung Turins durch die Nazis verließ Diena die Stadt, um sich den Widerstandskämpfern in den Bergen von Torre Pellice anzuschließen. Sie schloss sich der 4. Garibaldi-Brigade an, einer kommunistischen Partisanengruppe unter der Führung von Pompeo Colajanni. Die Einheit gründete lokale Komitees in der Region der Waldensertäler, um Streiks zu organisieren und Lebensmittelrationen zu verteilen. Die Brigate Garibaldi bildeten von 1943 bis 1945 die größte Dachorganisation kommunistischer Partisanengruppen. Auch Dienas Brüder Franco und Giorgio waren Teil der Partisanen.

Als Frau, die zudem dem Äußeren nach als „arisch“ durchging, konnte Diena unbemerkt und ohne von den Nazi-Truppen kontrolliert zu werden, reisen. Während dieser Zeit trat sie unter dem Namen „Mara“ auf und besorgte sich gefälschte Ausweispapiere für ihre Tätigkeiten. Da sie sich auch am Tag frei bewegen konnte, fungierte Diena zunächst als Kurierin und Botenfrau; sie fuhr mit dem Fahrrad von Haus zu Haus, um Nachrichten und Informationen zu verbreiten. Die von ihr gesammelten Informationen wurden anschließend an den Brigadekommandeur weitergeleitet. Außerdem übernahm sie die Rolle einer Ausbilderin, indem sie andere Frauen aus der Umgebung unterwies und ihnen beibrachte, sich am Widerstandskampf zu beteiligen. Diena wurde 1944 zur stellvertretenden Kommandantin des Nachrichtendienstes ihrer Brigade befördert. Im selben Jahr, am 26. September 1944, wurde Dienas 19-jähriger Bruder Franco bei einem Gefecht in den Bergen erschossen. 1945 gab es 300.000 Partisanen in Norditalien, die sich im Comitato di Liberazione Nazionale zusammengeschlossen hatten und offen gegen die Deutschen vorgingen. Dienas Brigade befreite Turin am 25. April 1945.

Diena blieb auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Politik ihres Landes aktiv und engagierte sich weiterhin in der Partito Comunista Italiano (PCI). 1949 trat sie als Lehrerin in die nationale Frauenschule der PCI ein, kehrte 1953 nach Turin zurück und wurde Vorsitzende des kommunistischen Regionalkomitees des Piemont. 1957 beendete sie ihr offizielles Engagement in der Partei und wurde 1958 Lehrerin an einer Mittelschule.

1970 veröffentlichte sie eine Autobiografie mit dem Titel Guerriglia e autogoverno: Brigate Garibaldi nel Piemonte occidentale 1943–1945 und engagierte sich bis zu ihrem Lebensende weiterhin in der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia. Im April 1998 nahm sie im Rahmen des Oral-History-Projekt der USC Shoah Foundation ein Zeitzeugeninterview auf.

Diena starb 2013 in Italien.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Marisa Diena. In: Holocaust Encyclopedia. United States Holocaust Memorial Museum, 2012, abgerufen am 26. September 2026.
  2. 1 2 Caroline Moorehead: A House in the Mountains: The Women Who Liberated Italy from Fascism. Penguin Random House, New York City 2019, ISBN 978-0-06-268637-4.
  3. 1 2 3 4 Anna Gasco: La guerra alla guerra. Storie di donne a Torino e in Piemonte tra il 1940 e il 1945 (con DVD). Biblioteca Nazionale Di Napoli, 7. Januar 2016, abgerufen am 26. September 2026.
  4. ↑ Shana Penn: Jewish Women Partisans. In: The Shalvi/Hyman Encyclopedia of Jewish Women. Jewish Women’s Archive, 23. Juni 2021, abgerufen am 25. September 2026.
  5. 1 2 Marisa Diena und Eleonora Bisotti (Interviewerin): Marisa Diena, 41822. Visual History Archive, USC Shoah Foundation, 30. April 1998, abgerufen am 26. September 2026.
  6. 1 2 Marisa Diena. In: Partisans & Countries. Jewish Partisan Education Foundation, abgerufen am 26. September 2026.
  7. ↑ Marisa Diena: Guerriglia e autogoverno: Brigate Garibaldi nel Piemonte occidentale 1943–1945. Guanda, Parm 1970.
Personendaten
NAME Diena, Marisa
KURZBESCHREIBUNG jüdische italienische Politikerin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg
GEBURTSDATUM 29. September 1916
GEBURTSORT Turin, Königreich Italien
STERBEDATUM 8. Mai 2013
STERBEORT Italien