Marius Roustan

Gemälde, Roustan mit offenem Hemdkragen und Hausmantel, ernst blickend, Hintergrund grau, Pastelltöne
Marius Roustan, Gemälde von Lucien-Victor Guirand de Scévola

Marius Roustan, auch Mario Roustan genannt, (geboren am 20. Februar 1870 in Sète; gestorben am 3. Februar 1942 in Paris) war ein französischer Politiker der Dritten Republik.

Leben

Marius Roustan stammte aus einfachen Verhältnissen. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst als Rhetorik-Lehrer in Saint-Étienne und wechselte dann nach Lyon. Dort lernte er Édouard Herriot kennen, der höhere Klassen unterrichtete und dieser ernannte ihn 1905 zu seinem Stellvertreter, als er Bürgermeister dieser Stadt wurde.

Im Gegensatz zu Herriot verfolgte Roustan aber weiterhin eine akademische Karriere. Er lehrte Rhetorik am Lycée Ampère in Lyon, am Lycée Condorcet in Paris und am Lycée Pasteur in Neuilly-sur-Seine. 1907 wurde er Doktor der Literaturwissenschaften mit seiner Dissertation „Les philosophes et la Société française au XVIIIe siècle“, die von der Académie française mit dem Prix Montyon ausgezeichnet wurde. In der Folge trat er als Autor zahlreicher Werke vornehmlich für den Schulgebrauch hervor.

Während des Ersten Weltkriegs stieg er wieder in die Politik ein; Herriot berief ihn 1916 als Kabinettschef in sein Ministerium; ab 1917 übte er diese Funktion bei Louis Lafferre aus. 1919 wurde er zum Generalrat des Hérault gewählt und zog kurz darauf in den Senat ein, dem er bis 1940 angehörte. Ab 1929 war er auch Maire von Usclas-d’Hérault.

1921 brachte er einen Gesetzentwurf ein, der als Roustan-Gesetz bekannt wurde. Das Gesetz erleichterte es, Beamte, die nicht aus der Gegend stammten, aber zum Beispiel durch Heirat besonders mit dieser Gegend verbunden waren, dorthin zu versetzen.

1926 berief ihn Aristide Briand als Sous-secrétaire d’État für Häfen, Marine und Fischerei in sein Kabinett. 1930 war er als Sous-secrétaire d’État unter Émile Chautemps im Arbeitsministerium für Hygienemaßnahmen zuständig. 1931/32 bekleidete er in aufeinanderfolgenden, von Pierre Laval und André Tardieu geführten Regierungen das Amt eines Ministers für öffentlichen Unterricht und Kunst. Dasselbe Amt übte er unter Fernand Bouisson und Pierre Laval von 1935 bis 1936 aus; kurz unterbrochen durch eine zehntägige Tätigkeit als Minister für die Handelsmarine.

Roustan gehörte den Radicaux indépendants an. Er stimmte am 10. Juli 1940 für die diktatorischen Vollmachten für Philippe Pétain.

Er wurde als Ritter der Ehrenlegion und – wie alle Marineminister – mit dem Ordre du Mérite maritime ausgezeichnet.

Werke

Marius Rostan hat eine Vielzahl von Werken verfasst, die häufig für den Schulunterricht gedacht waren. Erwähnt sei, aus deutschsprachiger Sicht, Hitler éducateur. Racisme ou démocratie. Dressage ou liberté ! (Hitler als Erzieher. Rassismus oder Demokratie. Dressur oder Freiheit!), das 1935 im Verlag F. Nathan erschien. Neben der Bibliothèque nationale de France (siehe Weblink) bietet auch Guy Caplat eine Übersicht.

Commons: Marius Roustan – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. ↑ Jean Jolly erwähnt im Dictionnaire, die Betroffenen würden als roustaniens oder roustaniennes bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. ↑ Guirand de Scévola, Lucien Victor. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag); abgerufen am 12. Oktober 2026.
  2. 1 2 Les temps Modernes. In: Usclas d’Hérault. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (französisch).
  3. 1 2 3 4 5 Jean Jolly: Dictionnaire des parlementaires français (1889–1940). PUF, 1960 (senat.fr).
  4. ↑ Marius ROUSTAN. In: Académie française. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (französisch).
  5. ↑ Loi du 30 décembre 1921 rapprochant les fonctionnaires qui, étrangers au département, sont unis par le mariage, soit à des fonctionnaires du département, soit à des personnes qui y ont fixé leur résidence. In: Légifrance. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (französisch).
  6. ↑ Roustan. In: Base Léonore. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (französisch).
  7. ↑ ROUSTAN Marius François Pierre, dit Mario. In: Persée. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (französisch).
VorgängerAmtNachfolger

Camille Chautemps
selbst
selbst
selbst
André Mallarmé
Philippe Marcombes
Bildungsminister
27.01. 1931 – 13.06. 1931
13.06. 1931 – 12.01. 1932
14.01. 1932 – 06.02. 1932
20.02. 1932 – 03.06. 1932
01.06. 1935 – 04.06. 1935
17.06. 1935 – 22.01. 1936

selbst
selbst
selbst
Anatole de Monzie
Philippe Marcombes
Henri Guernut

William Bertrand
Minister für die Handelsmarine
07.06. 1935 – 17.06. 1935

William Bertrand

Etienne Foulquier
Maire von Usclas-d’Hérault
1929 – 1942

Séraphin Pascal
Personendaten
NAME Roustan, Marius
ALTERNATIVNAMEN Roustan, Mario
KURZBESCHREIBUNG französischer Politiker
GEBURTSDATUM 20. Februar 1870
GEBURTSORT Sète
STERBEDATUM 3. Februar 1942
STERBEORT Montpellier