Markus Frenzel

Markus Frenzel, 2021

Markus Frenzel (* 11. August 1976 in Ochsenfurt, Unterfranken) ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Seit April 2022 ist Frenzel Redakteur bei RTL Deutschland.

Leben

Bereits als Schüler schrieb Frenzel für die Würzburger Lokalzeitung „Main-Post“. Nach dem Abitur leistete er seinen Wehrdienst als Redakteur von „Bundeswehr Aktuell“ im Bundesministerium der Verteidigung auf der Bonner Hardthöhe ab. Anschließend studierte er Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, in Aix-en-Provence und am Institut d’études politiques de Paris und schloss mit dem deutschen und dem französischen Diplom ab.

Nach dem Studium arbeitete er als Reporter im SWR Studio Mainz. 2004 und 2005 volontierte er bei der Deutschen Welle in Bonn und Berlin, bevor er als Reporter im Hauptstadtstudio von DW-TV begann. 2008 wechselte er als Redakteur zum ARD-Magazin FAKT (Mitteldeutscher Rundfunk) nach Leipzig. Seit 2022 arbeitet Frenzel als Investigativreporter für RTL und stern.

Enthüllungen

2008 deckte der Investigativjournalist auf, dass in den Kellern deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen noch immer Dutzende Schädel und menschliche Überreste aus der einstigen Kolonie Deutsch-Südwest (heute Namibia) lagern. Im Archiv der Freiburger Universität fand Frenzel ein knappes Dutzend Schädel, in der Berliner Charité 47, zum Großteil aus der Zeit des Völkermords an den Herero und Nama (1904 – 1908). Daraufhin richtete die Berliner Universitätsklinik das Projekt "Charité Human Remains Project" ein, welches die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 300.000 Euro förderte. Im September 2011 wurden 20 der gefundenen Schädel in einem offiziellen Akt der Bundesregierung an Namibia zurückgegeben wurden.

Auf großes Interesse in der Öffentlichkeit stießen die Recherchen zum Präsidenten der kongolesischen Huturebellen (FDLR) Ignace Murwanashyaka, der über viele Jahre aus Mannheim einen Vernichtungskrieg im Ost-Kongo gelenkt hat. In einem ARD-Interview mit Frenzel gab der gebürtige Ruander im Oktober 2008 seine Verantwortung für die Verbrechen der Rebellen zu. Der Generalbundesanwalt ermittelte gegen den Hutu-Politiker und ließ ihn schließlich festnehmen. Das Fernsehinterview war zentraler Bestandteil der Anklage im Prozess gegen den Rebellenchef, an dessen Ende Murwanashyaka zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde. Für die Recherchen erhielt Frenzel den Marler Fernsehpreis für Menschenrechte von amnesty international, in dem Buch Leichen im Keller – Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstützt wird die Recherche nachgezeichnet. „Der Beitrag öffnet uns die Augen dafür, dass Menschenrechtsverletzungen in Afrika und andernorts oft mehr mit uns zu tun haben, als wir ahnen“, schrieb 2011 die Jury des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises.

In einer mehrmonatigen Recherche leuchtete Frenzel gemeinsam mit dem Der Tagesspiegel-Redakteur Michael Schmidt die persönlichen Hintergründe der militärischen Spitze des Bundesministeriums der Verteidigung aus. Die Afghanistan-Connection erfuhr ein großes Medienecho. Hochrangige Quellen im Militär beschrieben ein old-boys-Netzwerk von Afghanistan-Veteranen um die Ministerin Ursula von der Leyen, das im Hintergrund die Strippen in der Bundeswehr-Spitze zog.

2015 ließ der Investigativjournalist zusammen mit einem Team der Rechercheplattform correctiv ein Netz von Wilderern und Hehlern auffliegen, „das jährlich zehntausende Tiere illegal fängt und verkauft“. In der ARD-Doku „Die Tierdiebe“ beschrieben die Journalisten wie die Kriminellen damit in Deutschland ein Geschäft mit Wildtieren aufgebaut haben, das „so lukrativ wie der Handel mit Elfenbein“ sei. Aufgrund der Recherchen wurde der Kopf der Bande festgenommen.

Nachdem Frenzel im Magazin stern Missstände im Landesfunkhaus des NDR in Kiel enthüllt hatte, zog sich Ende August 2022 die dreiköpfige Führungsriege um Direktor Volker Thormählen zurück. Zuvor hatte der Business Insider ein internes Papier des Senders veröffentlicht, in dem von einem „Klima der Angst“ und einem „politischen Filter“ die Rede war.

Zu den Anschlägen auf die Nord Stream-Pipelines recherchierte Frenzel mit Journalistenkollegen aus Dänemark und Frankreich vor Ort auf der Ostsee. Das Team veröffentlichte erstmals Aufnahmen von der gesprengten Nord Stream 2-Röhre. In Reaktion auf die Recherchen ließ der russische Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen. Im Herbst 2024 enthüllte Markus Frenzel in seinem Buch „China Leaks“ eine geheime Liste von Kontakten in Deutschland der kommunistischen Abteilung für Einheitsfrontarbeit. Die Veröffentlichung beruhte auf einer Kooperation von 21 Journalisten aus zehn Ländern, die zusammen das vertrauliche Netzwerk recherchierten. Demnach führt die Einheitsfront 47 Namen in Deutschland, insgesamt standen auf der Liste mehrere hundert Namen. Aus exilchinesischen Kreisen wurde die Veröffentlichung hart kritisiert und dem Autor wurde vorgeworfen, er würde den „Hass auf China schüren“. In einer undercover-Recherche für RTL infiltrierte der Investigativjournalist das „Königreich Deutschland“ und wies der Reichsbürger-Gruppe um Peter Fitzek rassistisches und rechtsextremes Gedankengut nach. Auch wegen der Investigativ-Doku wurde das Team von „stern investigativ“ auf Platz 2 zu den Journalisten des Jahres 2024 gewählt.

Im Frühjahr 2025 enttarnte das stern-Investigativ-Team um Frenzel und seiner Kollegin Angelique Geray eine gewaltbereite Terrorgruppe von rechtsextremen Teenagern. Wegen ihrer Recherchen konnten ein bereits begangener Brandanschlag aufgedeckt und ein Mordanschlag auf ein Flüchtlingsheim verhindert werden. Aufgrund der stern/RTL-Recherchen ermittelte der Generalbundesanwalt gegen die Nazi-Gruppierung „Letzte Verteidigungswelle“, woraufhin es zu mehreren Verhaftungen kam.

Frenzel und seinen RTL-Kollegen schlichen sich über ein Jahr in Strukturen des russischen Geheimdiensts ein. In der Doku „Putins Wegwerfagenten – die billigen Vollstrecker“ deckte das SternInvestigativ-Team auf, wie im Auftrag Moskaus low-level-Agenten auch in Deutschland angeworben werden und wie das System funktioniert. Erstmals sprach in dem Film der deutsche Rüstungsmanager Stefan Thumann, der offenbar auf einer Mordliste des russischen Geheimdienst steht. Frenzels Recherchen zeigten erstmalig, dass mit dem hochtoxischen Nowitschok vergiftet werden sollte, das auch für den Kreml-Kritiker Nawalny verwendet wurde.

Gesellschaftlicher Einsatz

Von 2011 bis 2013 gehörte Frenzel dem Vorstand des Journalistenvereins Netzwerk Recherche an und koordinierte als eines von sechs gewählten Mitgliedern den Aufbau von regionalen Strukturen des Journalistennetzwerks in Ostdeutschland. Seit 2019 setzt sich Markus Frenzel im Vorstand des Vereins Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer für den Wiederaufbau des von den Nationalsozialisten zerstörten Gotteshauses ein.

Auszeichnungen und Stipendien

Nominierungen

Werke (Auswahl)

TV-Beiträge

Bücher

Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ LinkedIn-Profil. In: LinkedIn. Abgerufen am 29. August 2022.
  2. ↑ Kurzbiografie beim Deutschen Taschenbuchverlag
  3. ↑ https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/berliner-charite-schaedel-aus-der-kolonialzeit-gehen-an-namibia-zurueck-a-788674.html
  4. ↑ https://correctiv.org/aktuelles/tierdiebe/2015/07/17/die-tierdiebe/
  5. ↑ https://www.stern.de/kultur/tv/nach-stern-enthuellung--leiter-des-ndr-landesstudios-in-kiel-lassen-aemter-ruhen-32682778.html
  6. ↑ https://www.businessinsider.de/wirtschaft/politischer-filter-klima-der-angst-ndr-redakteure-erheben-laut-vertraulichem-untersuchungsbericht-schwere-vorwuerfe-gegen-senderleitung-b/
  7. ↑ https://plus.rtl.de/video-tv/filme/die-nord-stream-story-979948
  8. ↑ https://webtv.un.org/en/asset/k1a/k1ak39clov
  9. ↑ https://www.chbeck.de/frenzel-chinaleaks/product/37000395
  10. ↑ https://table.media/china/interview/frenzel-das-ist-ein-altbekanntes-totschlagargument-um-die-recherchen-zu-diskreditierten
  11. ↑ https://www.stern.de/gesellschaft/reichsbuerger-dokumentation--wie-nah-sind-sie-der-afd--34600160.html
  12. ↑ https://www.mediummagazin.de/die-journalistinnen-und-journalisten-des-jahres-alle-preistraegerinnen/
  13. ↑ https://media.rtl.com/meldung/Nach-RTL-stern-Enthuellungen-Mutmasslich-rechtsextreme-Terrorzelle-Letzte-Verteidigungswelle-zerschlagen-Fuenf-Festnahmen/
  14. ↑ https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/Pressemitteilung-vom-28-05-2025.html
  15. ↑ https://www.stern.de/politik/stefan-thumann--wollte-putin-ihn-toeten-lassen--jetzt-spricht-er-38089182.html
  16. ↑ https://www.aufbruch-am-ufer.berlin/ueber-uns/
  17. ↑ medium magazin (@mediummagazin) auf X. In: X (formerly Twitter). 18. Dezember 2024 (x.com [abgerufen am 29. Juli 2026]).
  18. ↑ Über ein halbes Jahr haben wir mit einem großen Team von stern investigativ zu Rechtsextremismus an deutschen Schulen recherchiert. Im Rahmen meines Investigativ-Fellowships von Netzwerk Recherche… | Karim Natour. Abgerufen am 29. Juli 2026.
  19. ↑ Schockierende Berichterstattung, dtv magazin, 06/2011 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  20. ↑ Der Deutsche Fernsehpreis: Nominierungen. In: Deutscher Fernsehpreis 2026. Abgerufen am 29. Juli 2026.
  21. ↑ Nominiertenliste 2026 - stern-Preis. 4. Mai 2026, abgerufen am 29. Juli 2026.
  22. ↑ Die Tierdiebe, MDR 2015.
  23. ↑ Die Rückkehr der Toten, MDR 2016
  24. ↑ Markus Frenzel, Angelique Geray und Tim Kickbusch: Undercover bei jungen Neonazis – die Doku in voller Länge. In: sterb. stern, 29. April 2025, abgerufen am 29. Juli 2026 (deutsch).
  25. ↑ stern: Inside Reichsbürger: Wie nah sind sie der AfD und US-Verschwörern? In: stern. stern, 13. Mai 2024, abgerufen am 29. Juli 2026 (deutsch).
  26. ↑ TTT-Beitrag zu Frenzels Buch "Leichen im Keller", ARD 2011, gesendet am 8. Mai 2011
  27. ↑ SWP-aktuell vom August 2001
Personendaten
NAME Frenzel, Markus
KURZBESCHREIBUNG deutscher Journalist und Buchautor
GEBURTSDATUM 11. August 1976
GEBURTSORT Ochsenfurt