Marlene Haring

Marlene Haring (* 9. Juni 1978 in Wien) ist eine österreichische Künstlerin. Sie arbeitet mit Performance, Fotografie, Video und Installation. Im Jahr 2026 war sie mit der Arbeit Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald in der Albertina-Ausstellung Care Matters vertreten.

Leben

Haring besuchte das Wiener Musikgymnasium, machte später in England die Matura und absolvierte 1997/1998 einen Grundkurs am Chelsea College of Art and Design in London. Anschließend studierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Peter Kogler Computer- und Videokunst und schloss das Studium im Juni 2005 ab. Von 1998 bis 2003 arbeitete sie mit Catrin Bolt unter dem Namen halt + boring zusammen.

Im Jahr 2003 erhielten Bolt und Haring ein MAK-Schindler-Stipendium für Los Angeles. 2005 wurde Haring mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis ausgezeichnet. 2010 erhielt sie den Wilfried-Skreiner-Preis für innovative zeitgenössische Kunst der Neuen Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Harings aktionistisches Auftreten „eine Weiterentwicklung der österreichischen Tradition des Wiener Aktionismus aus einer jungen postfeministischen Sichtweise“ darstelle.

Wirken

Haring beschäftigt sich vor allem mit Körperkunst (Performances, Happenings, Interaktionen im öffentlichen Raum). Zudem schafft sie Fotografien, Videos, Zeichnungen und Installationen. Sie thematisiert bei ihren Aktionen Fragen nach Sex und Gender, sozialer Nähe und Distanz sowie Körper und Geist. Auf ironische, subversive Art setzt sie sich mit Strategien und Reglements des Kunstbetriebes und der Agitation der Frau auseinander.

Eine Arbeit des Duos halt + boring in Salzburg bestand 2003 darin, das Ausstellungsbudget für Callboys zu verwenden, die sexuellen Interaktionen zu filmen und die Aufnahmen als zehn Videos zu präsentieren. Damit lösten die Künstlerinnen Kontroversen über Prostitution, Feminismus und Political Correctness aus. Für Sotheby’s Artist Quarterly entwickelten sie eine Kriminalszene aus Blutspritzern und Glasscherben, die Besucher für echte Unordnung hielten.

Wiederholt arbeitete Haring in ironischer Bezugnahme auf ihren Nachnamen mit dem Material Haar. So trat sie bei ihrer Diplomprüfung Marlene Haarig oder In meiner Badewanne bin ich Kapitän (2005) als ganzkörperbehaarte Blondine auf. Bei ihrer Installation Wegen Schambehaarung geschlossen (2009) am Eingangsportal der Secession versperrte eine hervorquellende Haarmasse den Zutritt ins Gebäude.

Bei der Performance Einlaßpolitik, oder ich beiße die Hand, die mich füttert zur Eröffnung der 6. Berlin Biennale 2010 bestanden die Security-Kräfte am Eingang aus einer künstlerischen Inszenierung von Haring. Auf 33 männliche Besucher wurden jeweils nur 12 weibliche eingelassen, wodurch es zu einer stetig zunehmenden Frauenschlange kam und die Einlasspolitik kurzfristig immer wieder auf „Women only“ geändert werden musste. In der Passagegalerie des Wiener Künstlerhauses zeigte Haring 2009 mit Photoboothautograph eine Installation aus 36 Monitoren, deren Videos ihr eigenes Bild in wechselnden Mimik- und Bewegungsmomenten vervielfachten. Im selben Jahr verlegte sie beim Festival der Regionen ihren Aufenthaltsort in ein Stadtrandlokal von Linz Süd. Ebenfalls 2009 bespielte sie die Factory der Kunsthalle Krems mit einer aus sechs großen Schirmen und Projektoren bestehenden Videoinstallation über Selbstdarstellung und Selbstdefinition im Internetzeitalter. Im Jahr 2026 war sie in der Albertina-Ausstellung Care Matters mit Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald vertreten; die dort gezeigten Fotografien zeigen eine Küche, aus deren Schränken und Laden Spaghetti hervorquellen.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Gunda Achleitner: Haring, Marlene. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 69, De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-598-23036-3, S. 339.
  2. 1 2 3 4 Marlene Haring, Videokunst. In: Ö1. 27. April 2017, abgerufen am 8. April 2026.
  3. 1 2 Eine Woche Wirklichkeit. In: Monopol. 14. Juni 2010, abgerufen am 8. April 2026.
  4. 1 2 in passing 5: Marlene Haring - Photoboothautograph, Anna Artaker - Plakatwand: Mediale Wirklichkeiten. In: artmagazine. 8. April 2009, abgerufen am 8. April 2026.
  5. 1 2 3 Ausstellung in Albertina Wien über Care: Sie schrubbten sich in den kunsthistorischen Kanon hinein. In: taz. 8. April 2026, abgerufen am 8. April 2026.
  6. 1 2 Künstlerinnen in Nahaufnahme: Marlene Haring. In: FM4. 16. September 2013, abgerufen am 8. April 2026.
  7. ↑ MAK-Schindler Stipendien vergeben. In: artmagazine. 7. Mai 2003, abgerufen am 8. April 2026.
  8. ↑ Wilfried-Skreiner-Preis an Marlene Haring. In: Der Standard. 15. Dezember 2010. Abgerufen am 19. April 2026.
  9. ↑ Junge Kunst bei Sotheby's. In: Die Presse. 13. Dezember 2014, abgerufen am 8. April 2026.
  10. ↑ Linz im Normalzustand. In: artmagazine. 22. Mai 2009, abgerufen am 8. April 2026.
  11. ↑ Kunstmeile Krems: Die große Abwesende. In: Die Presse. 15. Mai 2018, abgerufen am 8. April 2026.