Marli Shamir

Unterschrift Marli Shamir (1919–2017) Fotografin
Unterschrift Marli Shamir (1919–2017) Fotografin

Marli Shamir, geboren als Miriam Marli (hebräisch שמיר, מרלי Shamir Marly; geboren 1919 in Berlin-Schöneberg; gestorben 26. Mai 2017 in Jerusalem), war eine deutsch-israelische Fotografin und Fotojournalistin. Bekannt wurde sie als Pionierin der Afrikafotografie, hier besonders durch ihre Arbeiten von 1966 bis 1973 in Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Gabun und Mali. Ihre Fotografien zeigen nicht nur die Bewohner und die Architektur der Sahelzone, sondern stellen sie künstlerisch dar. Als Spezialistin für Schwarz-Weiß-Fotografie hob sie die starken Unterschiede und Kontraste in Licht und Blickwinkeln hervor und stellte absichtlich dramatisch unterschiedliche Schattierungen, Texturen und Formen nebeneinander.

„Neben Lou Landauer gehören hierzu Ellen Auerbach, Marianne Breslauer, Liselotte Grschebina, Alice Hausdorff (1899–nach 1973), Charlotte Meyer und Gerda Meyer, Aenne Mosbacher (1888–1954) , Ricarda Schwerin (die nicht jüdisch war) und Marli Shamir. Sie stehen „exemplarisch für eine Generation deutsch-jüdischer Fotografinnen“, so die Autorin Anna Sophia Messner, die „aus dem Kanon der Fotografiegeschichte“ ausgeschlossen waren, obgleich sie „Teil der künstlerischen und emanzipatorischen Avantgarde-Bewegungen der Weimarer Republik, wie das Neue Sehen oder die Neue Frau, waren und diese maßgeblich geprägt haben“.“

– Ines Sonder: Rezensiert für H-Soz-Kult

Leben

Ausbildung

Werbeinserat Contempora

In den Jahren 1934 bis 1937 begann Miriam Marli eine Ausbildung an der Contempora Lehrateliers für neue Werkkunst in Berlin in der Emserstraße 44. Diese Schule eröffnete im Jahr 1933 und wurde von dem Architekten Prof. Fritz August Breuhaus de Groot (1883–1960) und dem Fotografen Erich Balg (1904–1977) gegründet. Hier unterrichtete De Groot unter anderem das Fach Raumkunst und Textilentwurf, Erich Balg unterrichtete im Fach Fotografie, Werbung und Reportage. Assistiert wurde er bei der Ausbildung der Schüler durch Lore Müller und Wolfgang Sievers. Ziel war, eine praxisnahe, atelierartige Ausbildung für angewandte Kunst und Gestaltung („neue Werkkunst“) anzubieten — also moderne, beruflich orientierte Gestaltungslehre statt rein akademischer Theorie. Die „Contempora“ wurde 1939 geschlossen.

Vorbereitung der Emigration

Nach ihrem Studium absolvierte sie eine Ausbildung in wissenschaftlicher Fotografie in Kopenhagen. Nach einer kurzen landwirtschaftlichen Ausbildung in Schweden emigrierte sie im Jahr 1938 nach Palästina, wo sie den ebenfalls jüdischen, deutschen Fotojournalisten Werner Braun kennenlernte. In ihren frühen Jahren in Palästina war sie Mitarbeiterin einer Arbeitsfirma in Nes Ziona und später im Kibbuz Dafna.

Im Zweiten Weltkrieg

Von 1941 bis 1943 arbeitete sie als wissenschaftliche Fotografin mit eigenem Fotolabor am Weizmann-Institut in Rechovot. Im Jahr 1945 zog Miriam Marli mit ihrem ersten Ehemann Grisha Shapira nach Jerusalem und war dort neben Ephraim (1912–2001) und der in Deutschland geborenen Hannah Degani (geb. Shoyer) (1917–unbekannt), Mitbegründerin des Fotostudio „Photo-Prism“ (Fotoprisma) auf dem Zion-Platz, das sie bis 1949 leitete. Als Teil des Studios beschäftigte sich Miriam Marli auch mit kommerzieller Fotografie. Ihre Porträtfotografien waren weich und hatten einen romantischen Touch, der den meisten Porträtfotografien dieser Zeit fehlte. Wie viele Jerusalemer Fotografinnen und Fotografen dieser Zeit fotografierte sie ausgiebig in der Altstadt sowie auf ihren Reisen durch das Land. Abstrakte Fotografien waren ein zentrales Motiv in ihrem Werk, von Fotografien der Betonbarrieren im Palästinakrieg und der Mauern Jerusalems über abstrakte Fotografien von Diamanten, Felsen auf den Golanhöhen und im Sinai bis hin zu den architektonischen Formen des Obersten Gerichtshofs in Jerusalem.

Im Unabhängigkeitskrieg (1947–1949)

Während der Belagerung Jerusalems im Unabhängigkeitskrieg trat die zionistisch paramilitärischen Untergrundorganisation Palästinas Hagana mit dem Vorschlag an sie heran, in der Al-Harizi-Straße ein militärisches Fotolabor einzurichten, in dem später auch andere Jerusalemer Fotografen arbeiteten. Sie führte dieses erfolgreiche Geschäft mehrere Jahre lang, bevor sie 1954 Meir Shamir, einen ehemaligen israelischen Diplomaten und Botschafter, heiratete und den Namen Marli Shamir annahm. Während sie von 1966 bis 1973 mit ihrem Mann in Afrika lebte, schuf sie ihre bekannten Fotografien und Werke. Während ihres Aufenthalts in Mali lernte Shamir Pascal James Imperato kennen, einen Arzt und Historiker afrikanischer Kunst, mit dem sie an dem Artikel „Bokolanfini: Mud Cloth of the Bamana of Mali“ (African Arts, 1970) zusammenarbeitete.

Im Jahr 1976 stellte Marli Shamir ihre Arbeiten auch im Israel Museum in Jerusalem in der Ausstellung SAHEL aus, die die ländliche und städtische Architektur und die Menschen Malis darstellte. Die Ausstellung tourte noch im selben Jahr durch Europa.

Hommage an Mali

Gebäude der Altstadt von Djenné (Mali) Unesco Weltkulturerbe-Stätten

Während die meisten Ausstellungen von Marli Shamirs Arbeiten ihre Fotografien zeigten, die in Mali (insbesondere in Djenné) aufgenommen wurden, war sie daran interessiert, ihre Bilder aus der größeren Region auszustellen, da dies der Ausstellung wichtige Kontextinformationen liefern und ihr „eine warme Note“ verleihen würde. (Aus einem ihrer Briefe vom 13. Oktober 1998 an Professor Joseph Brunet-Jailly, Forschungsdirektor am Orstrom (Vereinigung, die sich mit dem Schutz und der Förderung des (archäologischen, architektonischen und kulturellen) Erbes der Stadt Djenné befasst)). Joseph Brunet-Jailly sah ihre Ausstellung und zeigte zutiefst beeindruckt Marli Shamirs Fotografien Albakaye Ousmane Kounta, dem Nationaldichter Malis. Die Bilder inspirierten Kounta zu Gedichten, die Marli Shamirs Fotografien begleiteten. Das daraus resultierende Buch Djenne-Ferey – La terre habitée (Frankreich: Grandvaux, 2005) spiegelt die Zusammenarbeit der beiden Künstler wider und ist eine Ehrerbietung an die Menschen in Mali und sein Erbe.

Zeit in Straßburg

Von 1977 bis 1981 lebte Marli Shamir in Straßburg, wo sie mit einem kanadischen Forscher zusammenarbeitete, um den neuen Architekturstil in Mali zu untersuchen. Dieses Werk befindet sich heute im Dokumentationszentrum in Straßburg. Nachdem sie Anfang der 1990er Jahre einige Jahre in Paris gelebt hatte, um sich mit neuen Techniken der Farbfotografie vertraut zu machen, kehrte sie mit ihrem Mann nach Israel zurück. Marli Shamir fotografierte bis spät in ihr Leben hinein weiterhin lokale urbane Szenen in ihrer Nachbarschaft Baka.

Ausstellung im Volksgerichtshof der Nationalsozialisten

Im ehemaligen Volksgerichtshof der Nationalsozialisten in Berlin, fand im Dezember 2002 im Rahmen der jüdischen Kulturtage die erste Ausstellung statt, bei der 33 Fotos zu sehen waren, die Marli Shamir vom Supreme Court of Israel in Jerusalem aufgenommen hat. Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich die 83-Jährige umtriebige Künstlerin erfreut, ihre Ausstellung, die schon in Asien, Südamerika, den USA und Afrika zu sehen war, jetzt auch in der alten Heimat Berlin zeigen zu können. Im Jahr 2000 war sie das erste Mal seit 1938 wieder in Berlin und das Haus ihrer Kindheit in der Schöneberger Hauptstraße stand unverändert.

Marli (Miriam) Shamir starb am 26. Mai 2017 im Alter von 98 Jahren in Jerusalem und wurde im Kibbuz Givat HaShlosha beigesetzt.

Einzelausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Eigene Werke, Publikationen

Literatur

Commons: Marli Shamir – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Eden Orelove: Pioneering Women Photographers in Africa: Marli Shamir. Smithsonian Collections Blog, 2. Juli 2019, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  2. ↑ Ines Sonder: Rezension zu: Messner, Anna Sophia: Palästina/Israel im Blick. Bildgeographien deutsch-jüdischer Fotografinnen nach 1933. Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5205-6, in: H-Soz-Kult, 15.12.2023 (Memento vom 11. Dezember 2025 im Internet Archive)
  3. ↑ Beate Schmeichel-Falkenberg, Ursula Hudson-Wiedenmann: Grenzen Überschreiten Frauen, Kunst und Exil. Königshausen & Neumann, 2005, ISBN 3-8260-3147-4, S. 82 (google.de).
  4. ↑ Nadav Man: Jerusalem and Israel 1930's Behind the lens of Hannah and Efraim Degani (englisch). In: Arab-Palestinian and Israel Conflict. arabpalestinianisraelconflict.blogspot.com, 2009, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  5. 1 2 3 4 Shamir Marli 2017–1919 (hebräisch). In: Fotografen. Das Zentrum für Dokumentation und Erforschung lokaler Fotografie Das Haus der Fotografie – המרכז לתיעוד ומחקר של צילום מקומי בית הצילום hope.eretzmuseum.org.il, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  6. ↑ Joseph BRUNET-JAILLY (1939). In: Einzelakte (aktualisiert 2007) (französisch). anciens-orstom-ird.fr, 2007, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  7. ↑ Berlin:Aus dem Schatten. In: Kunst Berlin Ausstellung im Rahmen der jüdischen Kulturtage. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  8. ↑ Marli Shamir. informazions center of israel art-מרכז המידע לאמנות ישראלית (hebräisch), abgerufen am 1. Oktober 2025.
  9. ↑ Marli Shamir Back to the artist's page (englisch). information center for israeli art, abgerufen am 2. Oktober 2025.
Personendaten
NAME Shamir, Marli
ALTERNATIVNAMEN Šamiyr, Marliy; Miriam, Marli
KURZBESCHREIBUNG deutsch-israelische Fotografin und Fotojournalistin
GEBURTSDATUM 1919
GEBURTSORT Berlin-Schöneberg
STERBEDATUM 26. Mai 2017
STERBEORT Jerusalem