Martin Kaul

Martin Kaul (2017)

Martin Kaul (* 1981 in Bangkok) ist ein deutscher Journalist und zusammen mit Tamina Kutscher geschäftsführender Vorstand der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen.

Werdegang

Kaul studierte Politik- und Kulturwissenschaften in Berlin und Istanbul.

Er arbeitete ab 2009 als Redakteur bei der Berliner Tageszeitung (taz), zunächst als Redakteur für außerparlamentarische Politik, seit 2017 als Reporter in der Chefredaktion. Nach zehnjähriger Tätigkeit bei der taz verkündete er im Juni 2019 seinen Wechsel zum Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Zuvor schrieb er als freier Journalist unter anderem für Spiegel Online, Financial Times Deutschland und dpa.

2011 veröffentlichte er gemeinsam mit Sebastian Heiser in der taz die „geheimen Papiere der Atomlobby“. Aus den bis dato unveröffentlichten Papieren der Kommunikationsagentur Deekeling Arndt Advisors ließ sich nachzeichnen, wie das Deutsche Atomforum versuchte, den von der rot-grünen Bundesregierung zuvor beschlossenen Atomausstieg rückgängig zu machen. Die Recherche belegte unter anderem, wie die Agentur bei dem Universitätsprofessor Joachim Schwalbach ein Gefälligkeitsgutachten im Wert von 135.000 Euro in Auftrag gab. Das Geschäft war über die Kommunikationsagentur von dessen Ehefrau eingefädelt worden.

2016 veröffentlichte er gemeinsam mit Sebastian Erb eine Recherche über die sogenannte Keylogger-Affäre um den früheren taz-Redakteur Sebastian Heiser. Dieser hatte über mindestens ein Jahr Passwörter und Daten von taz-Mitarbeitern entwendet und sich nach seiner Entdeckung ins Ausland abgesetzt. Erb und Kaul spürten Heiser Anfang 2016 in einem asiatischen Land auf, wo Heiser unter einer neuen Identität lebte.

Weitere Recherchen widmeten sich etwa den Missbrauchsvorwürfen gegen den Hacker, Journalisten und Wikileaks-Unterstützer Jacob Appelbaum, der BND-Affäre um den Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter oder dem sogenannten „Hannibal“-Komplex, einem Netzwerk aus teils rechtsextremen Mitgliedern mit Bezügen in Verfassungsschutzämter, Bundeswehr und Polizei.

Aufmerksamkeit erhielten Kauls Live-Reportagen via Twitter und Periscope. Im Herbst 2015 berichtete er vom Budapester Bahnhof Keleti. In der Nacht auf den 5. September 2015 begleitete Kaul den ersten Bus, der in Folge einer Abmachung zwischen den Regierungen in Ungarn, Österreich und Deutschland Flüchtlinge aus Ungarn an die österreichische Grenze brachte und damit zeitweise die sogenannte Dublin-Verordnung außer Kraft setzte. Im Juli 2017 berichtete er in Livestreams von den Protesten rund um den G20-Gipfel in Hamburg. Dabei wurde er von einem Vermummten niedergeschlagen.

Für die ARD recherchierte und veröffentlichte Kaul unter anderem TV-Dokumentationen und Doku-Podcasts wie die History-Doku Shlomo – Sehnsucht nach Rache. 2025 erschien mit Deep State: Vom Elitesoldaten zum Reichsbürger die erste Staffel der ARD-Podcast-Reihe Hateland. In dem Investigativpodcast begibt sich Kaul mit seinem Recherchehund Holly in die Welt der Reichsbürger rund um die sogenannte "Gruppe Reuß".

Filme

Podcasts

Auszeichnungen und Nominierungen

Commons: Martin Kaul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. ↑ Reporter ohne Grenzen e. V.: Martin Kaul. Abgerufen am 18. September 2026.
  2. ↑ Linked In-Auskunft. Abgerufen am 9. November 2018.
  3. ↑ Martin Kaul wechselt von der „taz“ zum Rechercheverbund von NDR, WDR und „SZ“. In: turi2. Abgerufen am 25. Juni 2019 (deutsch).
  4. ↑ https://www.goethe.de/ins/br/de/sta/sal/res/kau.html
  5. ↑ S. Heiser: taz enthüllt: Die Geheimpapiere der Atomlobby. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Oktober 2011, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  6. ↑ M. Kaul: Interne Dokumente der Atomlobby: Professor Dankeschön. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Oktober 2011, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  7. ↑ Martin Kaul: Keylogger-Affäre in der taz: Dateiname LOG.TXT. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Juni 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  8. ↑ Anna Catherin Loll: Der Fall Jacob Appelbaum: Über Gerechtigkeit. In: Die Tageszeitung: taz. 10. Dezember 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  9. ↑ taz. die tageszeitung: Hannibals Schattenarmee -Schwerpunkt auf taz.de. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  10. ↑ Editorial: Journalismus per Livestream. In: journalist – das Medienmagazin. 24. Oktober 2018 (journalist-magazin.de [abgerufen am 8. November 2018]).
  11. ↑ Martin Kaul: Kommentar Flüchtlinge in Budapest: Schickt Sonderzüge, jetzt! In: Die Tageszeitung: taz. 2. September 2015, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  12. ↑ ZAPP – Das Medienmagazin. NDR, abgerufen am 9. August 2020.
  13. ↑ Journalisten beim G20-Gipfel – "Der hat mir einen auf die Zwölf gegeben". In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 7. November 2018]).
  14. ↑ WDR: Staffel 1 – Deep State – vom Elite-Soldaten zum Reichsbürger – Presselounge – WDR. 4. September 2025, abgerufen am 18. September 2026.
  15. ↑ imfernsehen GmbH & Co KG: Die Story im Ersten Staffel 11, Folge 39: Der Fall von Kabul – Chronik eines Desasters. 27. August 2022, abgerufen am 18. September 2026.
  16. ↑ Shlomo – Der Goldschmied und der Nazi – Staffel 1 der Serie – jetzt streamen! Abgerufen am 18. September 2026.
  17. ↑ Shlomo – Der Goldschmied und der Nazi. Abgerufen am 18. September 2026.
  18. ↑ Podcast: Deep State (1/7) – Sturm. Abgerufen am 18. September 2026.
  19. ↑ Martin Kaul: Bei den Fliehenden in Budapest: Über die Grenzen. In: Die Tageszeitung: taz. 7. September 2015, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. August 2020]).
  20. ↑ Die Nominierten des Reporterpreises 2015. In: Reporter-Forum. Abgerufen am 4. Dezember 2022 (Absatz auf der Mitte der Seite).
  21. ↑ Martin Kaul – medium magazin. Abgerufen am 9. August 2020 (deutsch).
  22. ↑ Journalistenpreis „Der Lange Atem“ 2017. Abgerufen am 7. November 2018.
  23. ↑ Journalist des Jahres 2017. (taz.de [abgerufen am 7. November 2018]).
  24. ↑ eVEWA 2.0 S37 by GRUEN Software AG: Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 7. November 2018. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  25. ↑ Reportage – medium magazin. Abgerufen am 13. Mai 2019 (deutsch).
  26. ↑ taz zweifach ausgezeichnet. Abgerufen am 6. August 2020 (deutsch).
  27. ↑ WDR Kommunikation, Sascha Woltersdorf: Die WDR-Journalistinnen und Journalisten des Jahres. 19. Dezember 2025, abgerufen am 18. September 2026.
  28. ↑ Deutscher Podcast Award 2026 – Alle Nominierten im Überblick. 28. April 2026, abgerufen am 18. September 2026.
  29. ↑ SHORTLIST 2026 – stern-Preis. 28. April 2026, abgerufen am 18. September 2026.
Personendaten
NAME Kaul, Martin
KURZBESCHREIBUNG deutscher Journalist
GEBURTSDATUM 1981
GEBURTSORT Bangkok