Martin Pistorius (* 31. Dezember 1975) ist ein Südafrikaner, der am Locked-in-Syndrom litt und sieben Jahre lang nicht in der Lage war, sich zu bewegen oder zu kommunizieren.
Gemeinsam mit Megan Lloyd Davies schrieb er seine Autobiografie Ghost Boy, die 2011 veröffentlicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Pistorius bereits wieder eingeschränkte Kontrolle über Kopf und Arme erlangt, war jedoch weiterhin auf seinen Sprachcomputer angewiesen, um mit anderen zu kommunizieren. 2018 wurde bekannt gegeben, dass das Paar ein Kind erwartete, und Pistorius nahm am Rennrollstuhl-Sport teil.
Stand 2018 arbeitet Pistorius als freiberuflicher Webdesigner und Entwickler.
Während der späten 1980er Jahre lebte Martin Pistorius mit seinen Eltern in Südafrika, als er im Alter von 12 Jahren langsam Symptome entwickelte, u. a. auch der Verlust der Fähigkeit zur selbstständigen Bewegung. Ärzte waren nicht in der Lage, die genaue Erkrankung zu diagnostizieren, und gingen davon aus, dass es sich um eine kryptokokkale Meningitis sowie eine Gehirntuberkulose handelte.
Pistorius fiel schließlich in einen vegetativen Zustand, der vier Jahre andauerte. Während dieser Zeit teilten die Ärzte seinen Eltern mit, dass sie nicht erwarteten, dass Pistorius wieder aufwachen oder noch lange überleben würde.
Als er 12 Jahre alt war, begann er die willkürliche motorische Kontrolle zu verlieren und fiel schließlich für drei Jahre in einen vegetativen Zustand.
Ab dem Alter von 14 Jahren erhielt Pistorius einen Teil seiner täglichen Pflege tagsüber in einem Pflegeheim. Nachts wurde er hauptsächlich von seinem Vater Rodney betreut. Während dieser Zeit konnte Pistorius dennoch Gespräche seiner Angehörigen an seinem Krankenbett hören und verstehen, ohne dass dies bemerkt wurde. Nach seiner Genesung sprach er über wichtige weltpolitische Ereignisse – wie Nelson Mandelas Amtsantritt als Präsident, den Tod von Prinzessin Diana und die Terroranschläge am 11. September 2001, die während seiner Zeit der Kommunikationsunfähigkeit stattfanden.
Etwa mit 16 Jahren begann er wieder Bewusstsein zu entwickeln und erreichte im Alter von 19 Jahren vollständiges Bewusstsein, obwohl er weiterhin vollständig gelähmt war – mit Ausnahme seiner Augen. Er konnte nicht mit anderen Menschen kommunizieren, bis seine Therapeutin Virna van der Walt bemerkte, dass er seine Augen nutzen konnte, um auf ihre Worte zu reagieren. Sie schickte ihn im Alter von 25 Jahren zum Institut für Augmentative und Alternative Kommunikation an der Universität Pretoria zur Untersuchung, wo bestätigt wurde, dass er bei Bewusstsein war und seine Umgebung wahrnahm. Er konnte sich jedoch zunächst nicht an frühere Ereignisse erinnern, was er als „ein bisschen wie die Geburt eines Babys“ beschrieb.
Er lernte daraufhin, unterstützende und alternative Kommunikation (AAC) zu nutzen, um mit anderen zu kommunizieren. Er nutzte dafür auch einen Sprachcomputer.
Martin Pistorius lernte seine Frau Joanna, eine in Großbritannien lebende Frau, im Jahr 2008 kennen. Später Pistorius ebenfalls nach Großbritannien, wo sie 2009 heirateten.
Das Paar bekam im Dezember 2018 einen Sohn.
Im Jahr 2011 veröffentlichte Simon & Schuster Pistorius’ Autobiografie Ghost Boy, die er gemeinsam mit der Autorin Megan Lloyd Davies verfasste. Das Buch stieß auf eine positive Resonanz.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pistorius, Martin |
| KURZBESCHREIBUNG | Südafrikaner, der am Locked-in-Syndrom litt |
| GEBURTSDATUM | 31. Dezember 1975 |