Martin Pusch ist ein deutscher Gewässerökologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin. Er ist ein Experte zur Ökologie, Bewertung und Bewirtschaftung von Fließgewässern und Flussauen mit häufigen Stellungnahmen in Medien.
Pusch studierte Biologie an der Universität Ulm und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und promovierte dort 1993 bei Jürgen Schwoerbel am Limnologischen Institut an der Universität Konstanz zu den organischen Stoffumsetzungen im hyporheischen Interstitial eines Mittelgebirgsbaches. 2012 habilitierte er sich im Fachgebiet Limnologie an der Universität Potsdam. Am IGB leitet er die Forschungsgruppe „Funktionelle Ökologie und Management von Flüssen und Seeufern“. Als Beiratsmitglied unterstützt außerdem er außerdem das Projekt „Gewässerperlen“ des WWF Deutschland sowie die Stiftung „Blue Rivers“.
Grundlagen und Anwendungen der Ökologie von Flüssen, Seen und Auen, darunter:
Martin Pusch hat zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte u. a. zu Seen, zu Spree, Elbe, Donau und Oder initiiert oder als Teilprojektleiter mit bearbeitet. Ein wichtiges Forschungsfeld von Pusch ist der River Ecosystem Service Index (RESI), ein integrativer Bewertungsansatz für die Ökosystemleistungen von Flüssen und Auen. Der RESI wurde von ihm federführend im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Programms „ReWaM“ entwickelt und dient dazu, Leistungen wie Hochwasserregulation, Nährstoffrückhalt, Habitatbereitstellung und kulturelle Funktionen systematisch zu erfassen und vergleichbar zu machen. Ziel ist es, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen in der Gewässerbewirtschaftung zusammenzuführen und Entscheidungsprozesse in Planung und Management zu unterstützen.
Pusch tritt regelmäßig als Experte in überregionalen Medien und in Fachbeiträgen auf, in denen er zu Fragestellungen der Gewässerökologie und des Gewässerschutzes Stellung bezieht. So gab er mehrfach Einschätzungen zum Salzgehalt der Oder und das dadurch im August 2022 verursachte Fischsterben, zu den ökologischen Folgen hydrologischer Extremereignisse (Hochwasser und Niedrigwasser) im Kontext des Klimawandels, zu naturbasierten Ansätzen für integrativen Hochwasser- und Gewässerschutz, zu gewässerökologischen Fragestellungen wie Flusswasser-Nutzung für Wärmepumpen und Klima-Risiken, sowie zur Beeinträchtigung von Fließgewässern hinsichtlich ihres Sedimenthaushalts und anderer Auswirkungen von Groß- und Kleinwasserkraftwerken.
Zur Entschärfung von Zielkonflikten zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz initiierte Pusch 2021 ein wissenschaftliches Memorandum „Energiewende nicht auf Kosten der aquatischen Biodiversität“, das von 65 Fachwissenschaftlern aus 30 wissenschaftlichen Institutionen unterzeichnet wurde, und empfiehlt, die Förderung von ineffizienten Kleinwasserkraftwerken aus EEG- oder Steuermitteln wegen ihrer erheblichen und nicht ausgleichbaren Umweltschäden zu beenden.
Im Zusammenhang mit umwelt- und wasserrechtlichen Fragen rund um die Tesla-Gigafactory in Grünheide (Brandenburg) äußerte Pusch sich mehrfach zu möglichen Risiken für Grund-, Oberflächen- und Trinkwasser sowie zu den Herausforderungen beim Wassermanagement in der Region in Deutschlandfunk, Focus Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel und Stern.
Pusch steht auch im „Leibniz-Expertenservice“ zum Thema Anpassungsstrategien an den Klimawandel zur Verfügung. Als Sachverständiger im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages wurde er zu Herausforderungen und Lösungsansätzen hinsichtlich der zu erwartenden Verringerung der Wasserführung der Spree gehört, deren Auswirkungen er bereits 1995–2000 untersucht hatte. Daraufhin hatte Pusch dann erstmals darauf hingewiesen, dass die Spree im Jahr 2003 sogar stellenweise rückwärts floss, was dann in jüngerer Zeit während der Sommermonate von Trockenjahren regelmäßig auftrat. In einer Anhörung der Enquetekommission III „Wasser in Zeiten der Klimakrise“ des Landtags Nordrhein-Westfalen erläuterte Pusch die Auswirkungen klimabedingter Trockenperioden und Extremwetterereignisse auf die ökologische Resilienz und Biodiversität von Fließgewässern und Auen.
Als Co-Herausgeber und Autor von Büchern und Buchkapiteln:
Hinzu kommen Beiträge Puschs in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, Büchern und Konferenz-Abstract-Bänden zu Themen der Gewässerökologie, Fließgewässerbewertung, Ökosystemleistungen und Hydrodynamik (über 190 Beiträge laut Zitationsdienst Google Scholar). Von Pusch initiierte Kurzfilme stellen in der Reihe „Potenziale im Fluss“ die Ökosystemleistungen der Lahn, der Isar und der Elbe dar.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pusch, Martin |
| ALTERNATIVNAMEN | Pusch, Martin T. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Limnologe |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |