Martin Schongauer

Martin Schongauer, von Hans Burgkmair, um 1510. Links oben das Wappen der Familie Schongauer.

Martin Schongauer (* um 1445/1450 in Colmar, Elsass; † 2. Februar 1491 in Breisach am Rhein) war ein deutscher Kupferstecher und Maler.

Leben

Über Martin Schongauers Leben sind wenige Daten gesichert. Vermutlich wurde er um 1450 oder einige Jahre früher in Colmar geboren, wo sich sein Vater Caspar, ein Goldschmied aus Augsburg, gegen 1440 niedergelassen hatte. Die Familie bewohnte das Haus zur Geige, das Eckhaus der später bezeichneten Schongauer- und Schädelgasse. 1445 wurde Caspar Schongauer Mitglied des Stadtrates. Caspar Schongauers Söhne Georg und Paul wählten den Beruf des Goldschmieds wie de Vater, Ludwig und Martin wurden Maler. Die erste Lehrzeit verbrachte Martin wahrscheinlich in der väterlichen Werkstatt oder möglicherweise als Lehrling bei Caspar Isenmann. Anschließend dürfte er eine gewisse Zeit in der Werkstatt des Hans Pleydenwurff in Nürnberg gearbeitet haben, wo er eine frühe Auseinandersetzung mit der neuen naturalistischen Malweise der Ars nova der Niederländer (Jan van Eyck, Rogier van der Weyden) kennenlernte.

Heilige Familie, 1480–1490, Öl auf Buchenholz, 26,3 × 17,2 cm, Kunsthistorisches Museum Wien

Ab 1465 war Martin Schongauer für wenige Semester an der Leipziger Universität immatrikuliert. Spätestens um 1469/70 trat er die obligatorische Wanderschaft an; sie führte ihn nach Burgund und in die Niederlande: Sein Werk zeigt Einflüsse der Kunst Rogier van der Weydens, dessen Weltgerichtsaltar in Beaune er sicher gesehen hat, sowie von Dieric Bouts, der Kölner Malerschule um Stefan Lochner und der flämischen Schule um Jan van Eyck.

1470 soll sich Martin Schongauer in Colmar niedergelassen haben. Zu seinen Lebzeiten war er vor allem als Maler berühmt. Er gelangte offenbar zu einigem Wohlstand, war mehrfacher Hausbesitzer und blieb anscheinend unverheiratet.

Dass er anlässlich einer Reise nach Basel im Juni 1489 als „Bürger von Breisach“ bezeichnet wird, beweist, dass er zu dieser Zeit bereits wegen eines großen Auftrags für Wandmalereien im dortigen Münster nach Breisach umgezogen war.

Im Jahr 1492, kurz nach dem Tod Martins, empfingen seine Brüder den jungen Albrecht Dürer.

Zur Bedeutung

Vermutlich seiner delikaten Malerei wegen wurde Schongauer von seinen Zeitgenossen „Martin Schön“ oder „Hübsch Martin“ genannt. Erhalten haben sich von seinen Gemälden nur sehr wenige. Aus dem Jahr 1473 stammt sein malerisches Hauptwerk, die Madonna im Rosenhag (Dominikanerkirche Colmar), sein einziges (nicht eigenhändig) datiertes Gemälde, dessen ursprünglicher Standort nicht bekannt ist. Dieses Meisterwerk spätgotischer Madonnenbilder zeichnet sich durch große Klarheit in Komposition und Ausführung aus.

Außer einem Paar Altarflügel, gestiftet von dem Präzeptor Jean d’Orlier für das Antoniterkloster und -hospital in Isenheim (Colmar, Musée d’Unterlinden), dem von Werkstattmitarbeitern ausgeführten ehemaligen Hauptaltar der Dominikaner in Colmar (Colmar, Musée d’Unterlinden) sowie einigen kleineren Tafelbildern, die ebenfalls nicht alle eigenhändig ausgeführt sind, haben sich nur noch die Weltgerichts-Fresken an der inneren Westwand des Breisacher Münsters erhalten, die er möglicherweise wegen seines plötzlichen Todes nicht mehr selbst fertigstellen konnte.

Nicht nur wegen der technischen und künstlerischen Qualität seiner Kupferstiche, die die Möglichkeiten dieser Technik zur Vollendung bringen, gilt Schongauer als einer der bedeutendsten Graphiker vor Albrecht Dürer, den er entscheidend beeinflusste. Im Ganzen verläuft die stilistische Entwicklung von breit erzählendem Detailreichtum zu größerer, ernsterer und repräsentativerer Form. Wohl als erster stellte er Druckgraphik in größerer Zahl her und betrieb ihre kommerzielle Verbreitung.

Die Versuchung des Hl. Antonius, ca. 1470–1475

Die Auseinandersetzung mit Schongauers Die Versuchung des Heiligen Antonius stand am Beginn des künstlerischen Schaffens Michelangelos.

Als erster Stecher hat er seine Werke signiert: Alle 116 erhaltenen Blätter tragen seine Initialen zu Seiten eines Kreuzes mit einem halbmondförmigen Häkchen.

Ecce Homo

Werke (Auswahl)

Gemälde

Kupferstiche


Ehrungen

Büste Schongauers in der Ruhmeshalle, München
Weihnachtsmarken der Deutschen Bundespost von 1991 zum 500. Todestag von Schongauer
Statue zu Ehren von Martin Schongauer von Frédéric Auguste Bartholdi (1860) in Colmar

Eine Büste mit Schongauers Abbild fand Aufstellung in der Ruhmeshalle in München. Der Erschaffer der Freiheitsstatue in New York, Auguste Bartholdi, hat 1863 das Monument à Martin Schongauer erschaffen, das heute im Musée Unterlinden in Colmar an Schongauer erinnert.

Namensgeber

Nach Martin Schongauer ist das Martin-Schongauer-Gymnasium in Breisach benannt. Straßen und Wege, die nach Martin Schongauer benannt sind, gibt es in Frankenthal, Gundelfingen, Kevelaer, Kösching, Bielefeld, Neuenburg, Rottenburg, Schongau, Bad Windsheim, Filderstadt, Karlsruhe, Berlin-Mahlsdorf, München und Niederkrüchten.

Literatur

Commons: Martin Schongauer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Martin Schawe: Alte Pinakothek. Hrsg.: Bayerische Staatsgemäldesammlung. 2. Auflage. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7757-3904-7, S. 99.
  2. ↑ Zur Familie vgl. Stephan Kemperdick: Schongauer. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 23. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 465 (deutsche-biographie.de).
  3. ↑ Baum 1948, S. 10.
  4. ↑ Blum 1958, S. 12.
  5. ↑ Christian Heck: Die Madonna im Rosenhag. SAEP, Colmar 1990, DNB 942337158.
  6. ↑ Gebhard Klein: Martin Schongauer und das „Jüngste Gericht“ im Breisacher St. Stephansmünster, S. 27.
  7. ↑ Karl Möseneder: Der junge Michelangelo und Schongauer. In: Joachim Poeschke (Hrsg.): Italienische Frührenaissance und nordeuropäisches Spätmittelalter. Hirmer, München 1993, ISBN 3-7774-6020-6, S. 259–278.
  8. ↑ Verzeichniss der seltenen Kunst-Sammlungen. (Deckblatt: Verzeichniss über das v. Derschauische Kunstkabinett zu Nürnberg.). Nürnberg 1825, I. Abt., S. 3 f.
  9. ↑ Christian Heck: Die Madonna im Rosenhag. ANG/Imprimerie BEAU’LIEU, Oullins, S. 2,6.
  10. ↑ P. De Paepe, S. 98
  11. ↑ P. De Paepe, S. 100
  12. ↑ Martina Padberg: Alte & Neue Pinakothek München. Könemann, Köln 2020, ISBN 978-2-8099-1852-6, S. 67.
  13. ↑ Hans-Joachim Raupp: Haushalt und Familie in der deutschen und niederländischen Kunst des 15. und frühen 16. Jahrhundert. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 245–268, hier: S. 250.
  14. ↑ Webseite zur Namensgebung der Schongauerstraße auf stadtgeschichte-muenchen.de
Personendaten
NAME Schongauer, Martin
KURZBESCHREIBUNG deutscher Maler und Kupferstecher
GEBURTSDATUM um 1445 oder 1450
GEBURTSORT Colmar
STERBEDATUM 2. Februar 1491
STERBEORT Breisach