Martin Selber

Martin Selber

Martin Selber (eigentlich: Martin Merbt; * 27. Februar 1924 in Dresden; † 3. März 2006 in Domersleben) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben

Martin Selber wuchs seit 1928 in Berlin auf und besuchte dort die Volksschule und dann die Kant-Oberschule, die er mit der Mittleren Reife 1940 verließ. Als Sohn eines Angestellten erlernte Selber zunächst den Beruf eines Buchhalters und wurde Stadtinspektor. 1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war als Nachrichtensoldat in Polen, Frankreich, an der Ostfront und als Sanitäter in Breslau. Nach dem Fall der Festung 1945 kam er in sowjetische Kriegsgefangenschaft in den Donbass.

Nach der Entlassung Ende 1945 ließ er sich in Domersleben bei Magdeburg nieder und wurde zunächst Landarbeiter, dann Angestellter und schließlich Sekretär der regionalen Bauernhilfe. Außerdem wurde er Schauspielschüler und betätigte sich als Musiker.

Ab 1953 lebte er als freier Schriftsteller in der DDR. Seit 1956 war er Mitglied des Schriftstellerverbandes und betreute Zirkel schreibender Arbeiter. Von 1971 bis 1988 war er im Bezirk Magdeburg Vorsitzender des Schriftstellerverbandes. Nach 1989 schrieb er humoristische Geschichten in Magdeburger Mundart und im ostfälischen Bördeplatt für die regionale Presse und den Schwejk-Roman Die Abenteuer des braven Bürgers Drente.

Selber veröffentlichte über 50 Romane, Erzählungen und Fachbücher in einer Gesamtauflage von 3,5 Millionen Exemplaren. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt, u. a. ins Finnische, Ungarische und Dänische. Schon vor der Wende dienten seine bei Rowohlt veröffentlichten Jugendbücher Geheimkurier A und Faustrecht in Niedersachsen und Schleswig-Holstein als Schulliteratur. Bei Funkamateuren und Elektrobastlern sind seine kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Sachbücher – wie z. B. Mit Spulen, Draht und Morsetaste – geschätzt.

Martin Selber beschäftigte sich seit frühester Jugend mit der Faszination des drahtlosen Funk(en)s. So war es für ihn in den fünfziger Jahren nur folgerichtig, mit der Nachkriegsjugend diese Faszination zu teilen. Er organisierte im Klubhaus eines Nachbardorfes eine „Arbeitsgemeinschaft der Jungen Funker“. Seine Erlebnisse hieraus münden in drei Kinder-Technikbüchern. Die Technik leicht verständlich dargestellt, in kleinen Geschichten verpackt, worin sich viele der jugendlichen Leser selbst wiederfinden können.

Kinder-Technikbücher von Martin Selber / Titelbilder der Trilogie

1953 das erste Buch Mit Spulen, Draht und Morsetaste und 1956 das zweite Mit Radio, Röhren und Lautsprecher (überarbeitete Auflagen folgen unter neuem Titel Mit Radio, Röhren und Transistoren). Das 1959 erschienene dritte Buch Mit Logbuch, Call und Funkstation war für viele spätere Funkamateure der DDR der Einstieg zum Amateurfunk. Beschrieb es doch die Faszination, die die weltweite Kommunikation Gleichgesinnter mit einfachsten technischen Mitteln und gemeinsamer Sprache ausübt. Der in dem Zusammenhang oft kommunizierte „HF-Bazillus“ breitete sich aus und die Zahl von Amateurfunk-Klubstationen in der DDR nahm stetig zu. Merbts Kinderbücher hatten ihren Anteil daran. Martin Merbt selbst absolvierte im gleichen Jahr noch erfolgreich seine Prüfung zur Sendegenehmigung. Zunächst war er mit dem Klubstations-Rufzeichen DM3KFG (später DM3WG, Y45ZG) zu hören. Ab 1960 erhielt er das private Rufzeichen DM2APG. Seine besonders gestaltete QSL-Karte war weltweit bekannt und wies ihn als Schriftsteller aus.

QSL-Karte, von Martin Selber DM2APG an Uwe Hansen DM3XVD

Martin Selber gilt als Heimatschriftsteller, obwohl er besonders zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit viele historische Abenteuerromane verfasste, die in aller Welt spielten. Sein Roman … und das Eis bleibt stumm ist die erste literarische Darstellung der Franklin-Expedition (1845).

Mit der regionalen Bindung vieler späterer Werke zeigte Selber, wie überregionale Ereignisse ihren Niederschlag in kleinsten Dörfern finden, welche dann als Spiegel der europäischen Geschichte dienen können.

Sein Roman Gnostika, der die menschliche Seite der Enteignung der Bauern auf dem Lande zeigt, ohne die Entwicklung der Landwirtschaft in der DDR selbst in Frage zu stellen, ist sein Alterswerk, ein Bildungsroman und ein Lebensresümee. Das Druckgenehmigungsverfahren verhinderte das Erscheinen des Romans zu DDR-Zeiten.

Wie viele seiner Kollegen stand auch Martin Selber unter permanenter Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit. Seine BStU-Akte umfasst über 4.500 Seiten.

Das Dorf Domersleben in der Magdeburger Börde ernannte ihn zu seinem Ehrenbürger. 2010 wurde eine Straße in Domersleben, jetzt Ortsteil der Stadt Wanzleben-Börde, in „Martin-Selber-Straße“ umbenannt. 2013 gab sich die Domersleber Grundschule den Namen „Grundschule Martin Selber“.

Werke (Auswahl)

Beiträge in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen, Mitwirkung an Ensembleprogrammen und Festspielen, Karnevalsbeiträge für das Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR, Leipzig. Kurzbeiträge für Mundartsendungen des Mitteldeutschen Rundfunks MDR I.

Drei Manuskripte liegen noch vor:

Quellen

Commons: Martin Selber – Sammlung von Bildern