Martina Hartmann

Martina Hartmann (2018)

Martina Hartmann, geborene Stratmann (* 18. September 1960 in Mülheim an der Ruhr) ist eine deutsche Historikerin. Hartmann war von März 2018 bis September 2026 Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica (MGH). Hartmann legte mehrere Editionen für die MGH vor. Sie trat auch als Verfasserin von Studieneinführungen und Überblicksdarstellungen zur mittelalterlichen Geschichte hervor.

Leben

Martina Hartmann legte 1980 das Abitur ab und studierte von 1980 bis 1986 Geschichte, Klassische Philologie und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Bonn; 1986 legte sie das erste Staatsexamen ab. Im Jahr 1989 wurde sie in mittelalterlicher Geschichte in Bonn bei Rudolf Schieffer mit einer Arbeit über Hinkmar von Reims promoviert. Von 1989 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Monumenta Germaniae Historica (MGH) in München und Redakteurin des Deutschen Archivs für Erforschung des Mittelalters.

Im Jahr 2001 erfolgte ihre Habilitation an der Universität Regensburg für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften mit einer Arbeit über Matthias Flacius Illyricus. Seit 2006 lehrte Hartmann als außerplanmäßige Professorin an der Universität Heidelberg; 2011 erfolgte die Umhabilitation an die Universität München. Im April 2012 wurde sie stellvertretende Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica. Hartmann ist seit dem Erscheinen des Heftes 69/1 (2013) Mitherausgeberin des Deutschen Archivs für Erforschung des Mittelalters.

Am 8. März 2018 wurde sie von der 130. Plenarversammlung der Zentraldirektion der MGH einstimmig zur Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica gewählt. Sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Accademia dei Lincei (socia straniera/auswärtiges Mitglied), der wissenschaftliche Kommission des Mittelalterzentrums der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der wissenschaftlichen Kommission der Pius-Stiftung für Papsturkunden bei der Göttinger Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2020 wurde sie außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Ihr wurde am 21. Oktober 2021 die Ehrendoktorwürde der Masaryk-Universität in Brünn verliehen.

Forschungsschwerpunkte

Hartmanns Forschungsschwerpunkte sind die Überlieferungsgeschichte lateinischer Texte des Mittelalters, die Geschichte des frühen und hohen Mittelalters, Gender Studies, Historische Hilfswissenschaften und die frühneuzeitliche Geschichtsschreibung. Zentraler Gegenstand ihrer Dissertation war die Neuedition von Hinkmars Schrift De ecclesiis et capellis (MGH, Fontes iuris Germanici antiqui in usum scholarum 14, 1990). Es handelt sich dabei um „ein im Auftrag Karls des Kahlen verfaßtes Rechtsgutachten zum Eigenkirchenwesen, das Hinkmar zum Anlaß nahm, seinen Mitbischöfen auch Grundlegendes über die rechte Verwaltung eines Bistums zu sagen“. Außerdem untersuchte sie für Reims die Verwaltung des Bistums und der Kirchenprovinz in der Zeit Hinkmar von Reims.

Die Zeit der Merowinger soll in einer 2003 veröffentlichten Abhandlung „Studienanfängern sowie historisch Interessierten in leicht lesbarer Form vermittelt werden“. Im Jahr 2004 veröffentlichte sie das Lehrbuch Mittelalterliche Geschichte studieren. Hartmann wollte ein Buch schreiben, das „vielen Studienanfängern von Nutzen ist“. Das Buch ist in fünf große Abschnitte aufgebaut: die Praxis des Geschichtsstudiums, Grundzüge der Epoche, Grundlagen des historischen Arbeitens, die Grund- oder Hilfswissenschaften und Wege der Forschung: Teildisziplinen und Nachbarwissenschaften.

Martina Hartmann als Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica an ihrem Arbeitsplatz.

Im Jahr 2009 legte sie eine Abhandlung über die Königin im frühen Mittelalter vor. Bislang gab es zu diesem Thema keine zusammenhängende Darstellung. Hartmann wollte daher mit ihrer Darstellung eine „erste Bestandsaufnahme“ zum gegenwärtigen Forschungsstand über die Königinnen im frühen Mittelalter vorlegen. Die Arbeit widmet sich dem Zeitraum vom 5. bis zum 9. Jahrhundert und ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil (S. 5–137) konzentriert sich auf die Königinnen in den einzelnen Reichen. Der zweite systematisch-vergleichende Teil (S. 138–223) befasst sich mit der Stellung und den Aufgaben frühmittelalterlicher Königinnen. Behandelt werden „Eheschließung und Ehe“, „Hoftstaat der Königin und ihre Ausstattung“, „Politischer Einfluß“, „Königstöchter“, „Tod und Begräbnis“ sowie „Nachleben“.

Hartmann arbeitete an der Diplomata-Edition der Merowinger mit. Sie hat Flodoards Historia ecclesiae Remensis in den MGH ediert. Der entscheidende wissenschaftliche Fortschritt wird in Hartmanns Edition in einer wesentlich umfassenderen Kommentierung von Flodoards Arbeitsweise gegenüber der 1881 erschienenen Ausgabe von Johannes Heller und Georg Waitz gesehen. Sie legte 2012 nach Vorarbeiten von Heinz Zatschek und Timothy Reuter das Briefbuch Abt Wibalds von Stablo und Corvey in kritischer Edition vor. Die Edition der 451 erhaltenen Briefe besteht aus drei Teilbänden mit zusammen über 1000 Seiten. Das Editionsvorhaben hatte sie 2002 nach dem Tod Timothy Reuters übernommen und innerhalb von acht Jahren abgeschlossen. Es gilt als ein Beispiel für den zügigen Abschluss von größeren Editionsprojekten. Bereits ein Jahr vor der Veröffentlichung der Edition war bei den MGH ein Begleitband erschienen, der sich vor allem mit der Briefüberlieferung aus dem Umkreis Wibalds befasst. Darin wurden sieben vor Anlage des Briefbuches verfasste Wibald-Briefe (S. 29–44) und die sechs erhaltenen „Epistolae vagantes“ Corveyer Provenienz aus den Jahren 1146–1150 (S. 47–56) ediert. Nach Matthias Thumser wird die kritische Neuedition Hartmanns „in Zukunft zweifellos einen wichtigen Beitrag bei der Erforschung der Briefliteratur Deutschlands im 12. Jahrhundert leisten“.

Im Jahr 2012 veröffentlichte sie eine knappe Überblicksdarstellung zu den Merowingern. Im ersten Teil verfolgte sie die dynastische Geschichte von Childerich I. bis zu Childerich III. Der zweite Teil widmet sich Herrschaft, Gesellschaft und Kultur im merowingischen Frankenreich. Sie ist mit dem Historiker Wilfried Hartmann verheiratet. Mit ihrem Ehemann veröffentlichte sie 2014 ein Buch über Karl den Großen. In elf Kapiteln werden dabei die 101 wichtigsten Fragen zum Frankenherrscher und seiner Epoche beantwortet.

Hartmann war Mitherausgeberin eines 2021 veröffentlichten Tagungsbandes, der auf ein Symposium am 28. und 29. November 2019 in Rom zurückgeht. Die Beiträge gehen mit personen- und institutionengeschichtlichen Ansätzen erstmals den institutionellen Verstrickungen nach, die sich aus dem Zusammenschluss der Monumenta Germaniae Historica und dem Preußischen Historischen Institut in Rom zum ‚Reichsinstitut für ältere deutsche Geschichtskunde‘ ergaben. Das Werk bildet den ersten Band der hauseigenen Reihe Studien zur Geschichte der Mittelalterforschung, die sich in erster Linie mit der eigenen Geschichte beschäftigt. Der zweite 2023 veröffentlichte Band Zwischen Vaterlandsliebe und Ausgrenzung. Die jüdischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Monumenta Germaniae Historica widmete sich 28 Mitarbeiterporträts, die von 26 Autoren verfasst wurden. Hartmann veröffentlichte 2023 eine Darstellung zu Ottokar Menzel und seiner Frau Hildegund Menzel.

Schriften (Auswahl)

Monographien

Herausgeberschaften

Editionen

Commons: Martina Hartmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Martina Hartmann: Monumenta Germaniae Historica. Bericht über das Jahr 2017/18. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 74 (2018), S. I–XIV, hier: S. I f.
  2. ↑ Martina Hartmann: Monumenta Germaniae Historica. Bericht über das Jahr 2022/23. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 79 (2023), S. I–XVIII, hier: S. II.
  3. ↑ Martina Stratmann: Hinkmar von Reims als Verwalter von Bistum und Kirchenprovinz. Sigmaringen 1991, S. 3.
  4. ↑ Vgl. dazu die Besprechungen von Laurent Morelle in: Bibliothèque de l’École des chartes 150 (1992), S. 370–373; Ingrid Baumgärtner in: Historisches Jahrbuch 112 (1992), S. 235–236; Ludovic Wankenne in: Revue Bénédictine 102 (1992), S. 235–236; Reinhold Kaiser in: Rheinische Vierteljahrsblätter 56 (1992), S. 368–370 (online); Gerhard Schmitz in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 78 (1992), S. 604–605; Olivier Guyotjeannin in: Francia 20 (1993), S. 277–278 (online).
  5. ↑ Martina Hartmann: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Darmstadt 2003, S. 11.
  6. ↑ Martina Hartmann: Mittelalterliche Geschichte studieren. Konstanz 2004, S. 8.
  7. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Amalie Fößel in: Historische Zeitschrift 293 (2011), S. 473–474.
  8. ↑ Martina Hartmann: Die Königin im frühen Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 2009, S. 4.
  9. ↑ Die Urkunden der Merowinger. Nach Vorarbeiten von Carlrichard Brühl (†) hrsg. von Theo Kölzer unter Mitwirkung von Martina Hartmann, Andrea Stieldorf, Teil 12, Hannover 2001.
  10. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Klaus van Eickels in: Historische Zeitschrift 275 (2002), S. 169–170.
  11. ↑ Vgl. dazu die Besprechungen von Tanja Broser in: H-Soz-Kult, 6. November 2013 (online); Matthias Thumser in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 122 (2014), S. 153–155 (online); Gerhard Lubich in: Historische Zeitschrift 300 (2015), S. 775–776.
  12. ↑ Claudia Zey: Wie ediert man historiografische Quellen des Mittelalters im 21. Jahrhundert? In: Olivier Canteaut, Rolf Große (Hrsg.): Pourquoi éditer des textes médiévaux au XXIe siècle? 8e rencontre de la Gallia Pontificia, organisée par l’École nationale des chartes, l’Institut historique allemand et les Monumenta Germaniae Historica. Paris, 17 mai 2013 (online).
  13. ↑ Vgl. dazu die Besprechungen von Gerhard Lubich in: Historische Zeitschrift 297 (2013), S. 173–175; Martin Wihoda in: sehepunkte 13 (2013), Nr. 11 [15. November 2013] (online); Matthias Thumser in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 122 (2014), S. 153–155 (online).
  14. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Matthias Thumser in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 122 (2014), S. 153–155, hier: S. 155 (online).
  15. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Klaus Oschema in: Das Mittelalter 20/1 (2015), S. 197–198.
  16. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Simon Groth in: Rheinische Vierteljahrsblätter 88 (2024), S. 350–352.
  17. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Karel Hruza in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 132 (2024), S. 221–223.
Personendaten
NAME Hartmann, Martina
ALTERNATIVNAMEN Stratmann, Martina
KURZBESCHREIBUNG deutsche Mittelalterhistorikerin
GEBURTSDATUM 18. September 1960
GEBURTSORT Mülheim an der Ruhr