
Martinus Gosia (* um 1100 in Bologna; † um 1167) war ein italienischer Jurist, Rechtsprofessor in Bologna und bedeutender Vertreter der Schule der Glossatoren. Aufgrund seiner fundierten Rechtskenntnisse erhielt er den Beinamen Copia legum (Fülle der Gesetze). Neben Bulgarus, Hugo de Porta Ravennate und Jacobus de Boragine war er einer der Vier Doktoren von Bologna (lateinisch Quatuor Doctores), die zur ersten Generation von Schülern des Irnerius von Bologna gehörten.
Obwohl Bulgarus und Martinus gegensätzliche Ansätze bei der Glossenbildung verfolgten, blieben beide Methoden bis zur Abfassung der Glosa ordinari in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Gebrauch.
Während Bulgarus Texte zumeist wörtlich auslegte und das ius strictum bevorzugte, wandte Martinus häufig den Grundsatz der Gerechtigkeit (lateinisch aequitas) an und neigte somit eher zu einer freien Auslegung der Quellen. Die Schule des Bulgarus – nostri doctores (deutsch unsere Doktoren) – behielt in Bologna weiterhin die Oberhand, während die Anhänger des Martinus, die als Gosiani bekannt wurden, vor allem außerhalb von Bologna anzutreffen waren, insbesondere in Südfrankreich, wo sie das Studium des römischen Rechts beeinflussten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gosia, Martinus |
| ALTERNATIVNAMEN | Copia legum |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Glossator |
| GEBURTSDATUM | um 1100 |
| GEBURTSORT | Bologna |
| STERBEDATUM | um 1167 |
| STERBEORT | Bologna |