
Die Marxbrüder (auch Bruderschaft St. Marcus und Löwenberg, Meister des Langen Schwerts) waren die erste deutsche Fechtschule, deren Unterricht im Veranstalten öffentlicher Fechtvorstellungen bestand. Sie waren die erste kaiserlich privilegierte Fechtzunft des Heiligen Römischen Reiches. Der deutsche Kaiser Friedrich III. stellte den „deutschen Meistern des Schwerts“ zu Nürnberg am 10. August 1487 den ersten Privilegiumsbrief aus. In diesem ist nur von „Meistern des Schwerts“ die Rede, die Eigenbezeichnung, wie sie im älteren Meisterbuch der Marxbrüder im Stadtarchiv Frankfurt am Main zu finden ist, war „Brüderschaft unserer lieben Frauen der reinen Jungfrau Maria und des heiligen und gewaltsamen Himmelsfürsten Sanct-Marx“. Die Marxbrüder standen in Konkurrenz zu den Federfechtern, die sich einer Marxbrüder-Petition von 1576 zufolge einige Jahre zuvor aus der Bruderschaft selbst abgespalten hatten.
Über ihr kaiserliches Privileg besaßen die Marxbrüder zeitweise faktisch ein Monopol auf den Fechtunterricht im Reich; erst als die konkurrierenden Federfechter in Prag ein ähnliches Privileg erhielten, entstand ein Duopol. Die Bruderschaft war dezentral und teils demokratisch organisiert und über weite Teile des Reiches verbreitet. Zweimal jährlich traf man sich anlässlich der Frankfurter Messen. Mitglieder, die eine Prüfung bestanden, erhielten einen Meisterbrief des Langen Schwertes.
Nach 1614 wurden keine Fechtschulen der Marxbrüder mehr erwähnt. Das Prüfungsmonopol der Marxbrüder auf den Titel „Meister des Langen Schwerts“ blieb jedoch reichsweit bestehen, bis Kaiser Leopold I. den Federfechtern 1688 gestattete, ihre Meisterkandidaten in Prag auch ohne Anwesenheit eines Marxbruders selbst zu prüfen.
Der 2013 gegründete Verein Neue Marxbrüder zu Frankfurt am Main, welcher die Förderung und Verbreitung der Historischen Kampfkünste Europas als Sport und Brauchtum bezweckt, beruft sich explizit auf die Tradition der Marxbrüder.
Die Zunft erhielt ihre Privilegien von den Kaisern des Heiligen Römischen Reiches, beginnend mit Friedrich III. am 10. August 1487. Diese Privilegien wurden von den nachfolgenden Kaisern bis zu Leopold I. im Jahr 1670 mehrfach erneuert und erweitert; insgesamt sind elf kaiserliche Privilegien überliefert.
Als kaiserlich privilegierte Zunft führten die Marxbrüder ein vom Kaiser verliehenes Wappen.

Kaiser Karl V. verlieh der Bruderschaft am 13. Mai 1541 in Regensburg erstmals ein Wappen: einen schwarzen Schild mit einem goldenen Dreiberg, darauf ein aufrechter goldener geflügelter Markuslöwe mit Nimbus, der in der linken Pranke ein Schwert hält. Als Helmzier erscheint derselbe Löwe, als Schildhalter dienen zwei goldene Löwen; die Helmdecken sind schwarz-golden. Die Originalurkunde wird im Staatsarchiv Basel-Stadt verwahrt (Signatur PA 111 1).

Mehr als ein Jahrhundert später gewährte Kaiser Leopold I. der Zunft am 20. März 1670 in Wien eine Wappenmehrung. Die Urkunde wurde von Leopold I. selbst sowie vom Reichsvizekanzler Leopold Wilhelm Graf von Königsegg unterzeichnet. Das nun geviertelte Wappen zeigt in den Feldern 1 und 4 den goldenen Markuslöwen auf dem Dreiberg, der sich mit der linken Pranke auf eine weißgestreifte Marmorsäule stützt, in den Feldern 2 und 3 auf blauem Grund sechs kreuzweise angeordnete Turnierlanzen mit einer mittigen Stange und rotem, mit einem goldenen Kreuz belegten Wimpel; in der Mitte reichen sich zwei aus Wolken hervortretende, rot gekleidete Arme die Hände und halten gemeinsam ein geflügeltes Schwert. Die Helmdecken sind links rot-silbern, rechts golden-schwarz. Als Helmzier dient erneut der geflügelte Markuslöwe. Die Marmorsäule gilt als Anspielung auf die Säulen des Herkules Karls V. (Wahlspruch Plus Ultra) und als Sinnbild der Beständigkeit.
Der umfangreichste Bestand an Marxbrüder-Dokumenten befindet sich im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Signaturen H.18.02 und H.18.03). Die Wappenmehrung Leopolds I. von 1670 – ein samtgebundenes Heft aus zehn Pergamentblättern mit anhängendem großem Kaisersiegel in einer Holzkapsel, in das die Urkunde von 1541 inseriert ist – wird dort unter der Signatur H.18.03 Nr. 32 verwahrt. Die Urkunde wurde 2026 digitalisiert und erstmals systematisch analysiert; ihre Überlieferungsgeschichte lässt sich über Inventare von 1788 und 1863 nachvollziehen. Ein weiteres bedeutendes Konvolut, das auch ein Konzept der Mehrung von 1670 enthält, liegt im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (RHR Grat Feud Conf. 48-3-1).
Entgegen dem verbreiteten Bild vom adligen Fechter bestand die Bruderschaft nach Auswertung überlieferter Chroniken fast ausschließlich aus wohlhabenden Handwerkern; Angehörige des Adels und des Ritterstandes waren laut einer Chronik von 1576 ausdrücklich ausgenommen. Die größte Berufsgruppe unter den Mitgliedern stellten die Kürschner, gefolgt von Bäckern und dem textilverarbeitenden Gewerbe. Als Gründe hierfür gelten der berufsbedingte Umgang mit scharfen Werkzeugen sowie die für teure Fechtwaffen nötige Kaufkraft dieser wohlhabenden Handwerke. Das Mitgliedernetz reichte weit über Frankfurt hinaus und umfasste Fechter aus dem gesamten Reich, aus Österreich, der Schweiz, dem Elsass, den Niederlanden und womöglich aus Dänemark; als weitere Fechtzentren traten besonders Nürnberg und Breslau hervor.
Die Bruderschaft war stark genossenschaftlich nach dem Vorbild einer Handwerkszunft organisiert, mit Vorschriften zur Aufteilung des Schulgeldes, verbindlichen Meisterprüfungen und geregelten Wahlen der Hauptmänner. Während der Frankfurter Herbstmesse wurden die Hauptmänner für jeweils zwei Jahre gewählt. In Frankfurt bestand eine enge Bindung an das Liebfrauenstift, wo Messen für verstorbene Marxbrüder gelesen und Begräbnisse aus der gemeinsamen Kasse mitfinanziert wurden; auch zum Dominikanerkloster bestanden seit etwa 1525 Verbindungen. Die Meisterprüfung erfolgte in einem öffentlichen Kampf gegen bereits bestehende Meister; erst danach wurde der Titel „Meister des Langen Schwerts“ verliehen. Bevorzugte Waffe war das Langschwert; in späteren Fechtordnungen wurden auch Dusack, halbe Stange und Hellebarde zugelassen. Die öffentlichen „Fechtschulen“ waren keine Gebäude, sondern temporäre, an zentralen Plätzen abgehaltene Unterhaltungsveranstaltungen, die häufig mit Hochzeiten oder Schützenfesten verbunden waren. In verwandtem sozialen Milieu pflegten mehrere Handwerke – etwa die Schuhmacher – zudem choreografierte Schwert- und Messertänze.