Mary Beth Edelson (* 6. Februar 1933 in East Chicago; † 20. April 2021 in Ocean Grove) war eine amerikanische Künstlerin, die besonders für ihre Installationen, Performances und Fotografien bekannt war. Sie stand als Pionierin 20 Jahre an der Spitze der feministischen Kunstbewegung und setzte sich dafür ein, dass mehr Werke von Künstlerinnen in den Museen ausgestellt werden. Mary Beth Edelson gilt als Gründerin sowohl der 1976 gestarteten feministischen Gruppe „Heresies Collective“ als auch des in den 1980er Jahren gegründeten Kunstkollektivs „Guerilla Girls“, das für seine Anzeigen bekannt war, die die Diskriminierung von Frauen in der Kunst zeigten und in Museen Performances mit Gorillamasken aufführten.
Mary Beth wurde als Tochter von Mary Lou Johnson, die in der lokalen Initiative „Essen auf Rädern“ aktiv war, und dem Arzt Albert Melvin geboren. Bereits im Alter von acht Jahren zeigte sie Interesse an Kunst. Noch während ihrer Schulzeit belegte sie 1945 Samstagskurse am Art Institute of Chicago und ging 1951, nachdem sie kurzzeitig einer zeitgenössischen Tanzgruppe beigetreten war, an die DePauw University in Greencastle (Indiana), um Kunst zu studieren. Nach einem Bachelor im Jahre 1955 setzte sie ihr Studium 1958 an der New York University fort, schloss ihre Ausbildung 1959 mit einem Master ab und unterrichtete danach für kurze Zeit am Montclair State College in New Jersey. Mary Beth Edelson wurde in der Bürgerrechtsbewegung sowie in der Frauenbewegung aktiv. Am 5. Juni 1959 heiratete sie den Rechtsanwalt Jerome M. Strauss in New York. Aus Enttäuschung über die mangelnden beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten von Frauen in Montclair zog das Paar nach Indianapolis, wo die Künstlerin die Talbot Street Art Gallery eröffnete und Präsidentin der „1444 Gallery“ wurde.
Die erste Ehe der Künstlerin endete 1964 erbittert, als ihr Ex-Mann das Sorgerecht für die 1962 geborene gemeinsame Tochter Lynn erhielt. 1964 kam ihr Sohn David zur Welt. Im Jahre 1965 heiratete sie Alfred H. Edelson, den Leiter Schreibwarenfirma Rytex Co. und Nominierungskandidat für die Demokraten im Kongress der Vereinigten Staaten. Neben dem 1966 geborenen gemeinsamen Sohn Nicholas zog das Paar auch den verwaisten Sohn von Alfred Edelsons Bruder Jerry groß. In den 60er-Jahren malte Mary Beth Edelson vorwiegend von Matisse beeinflusste häusliche Szenen mit Müttern und Kindern sowie Blumenmotive. Schockiert über das sexistische Verhalten, das ihr unter Gleichaltrigen begegnete, hielt sie 1968 ihre erste feministische Rede im Herron Art Museum.
Mary Beth Edelson gründete eine lokale Kunstvereinigung, die „Professional Artists“ in Indiana. Im Jahre 1969 zog das Paar nach Washington, D.C., wo sie an der University of Washington einen Lehrstuhl erhielt und ihre Werke regelmäßig in der Henri Gallery ausstellte.
1972 organisierte Mary Beth Edelson die erste nationale „Conference for Women in the Visual Arts“ in der Corcoran Gallery of Art, welche als ein Meilenstein feministischer Kunst galt. Die Künstlerin ließ sich zwischen 1972 und 1975 auf schamanistische Praktiken und spirituelle Rituale ein. Dabei bezog sie Bilder von Göttinnen bei der Bearbeitung ihrer Schwarz-Weiß Fotografien ein, die ihre Performance-Kunst häufig begleitete. Diese Rituale können in drei Kategorien unterteilt werden: 1. Private Performances, die sie alleine an verlassenen Orten durchführte und mit einer durch einen Timer gesteuerte Kamera aufzeichnete, 2. Rituale mit Freunden und Familie, die nicht aufgezeichnet wurden und 3. öffentliche Rituale, die sowohl ausgewählte Teilnehmer einschlossen als auch ein Publikum, das den Kunstakt bezeugen konnte und manchmal auch aufgezeichnet wurden.
1973 organisierte Edelson ein siebenwöchiges Seminar über Feminismus für das Smithsonian American Art Museum in Washington. 1975 zog Mary Beth Edelson, inzwischen wieder geschieden, mit ihrem neuen Partner, dem Künstler Robert Stackhouse, nach New York, trat der A.I.R. Gallery in der Wooster Street, der ersten feministischen Kunstgalerie in den USA bei und bezog ein Atelier, das einen Block von dieser entfernt lag. Sie blieb Mitglied bis 1985. Edelson war zudem Gründerin der „Heresies Magazine Collective“ (1976 bis 1989). 1991 war sie bei der Gestaltung der Women's Action Coalition (WAC) aktiv. 1996 engagierte sich Mary Beth Edelson in einer Gruppe zum Thema Title IX, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Museen einsetze.
2018 archivierte das „Feminist Institute“ Edelsons Atelier in SoHo mit über 25.000 Fotografien, Protestplakaten, Wandcollagen, Korrespondenz, Kunstwerken und anderen Ephemera digital.
Die Fotos, die Mary Beth Edelson für verschiedene Projekte verwendete, waren in ihrer persönlichen Sammlung von Bildern verfügbar, die sie von feministischen Veranstaltungen und Künstlerinnen gemacht hatte, die in der feministischen Kunst aktiv waren. Ihr umfangreiches Archiv an Fotografien, die im Laufe der Jahre entstanden sind, wird als die vielleicht umfangreichste und beste visuelle Dokumentation der feministischen Kunstbewegung der 1970er Jahre gesehen, die es gibt. Viele dieser Fotografien wurden für verschiedene Forschungsprojekte und Veröffentlichungen von Historikern verwendet, die die zuvor unsichtbaren Fotografien freilegten und sie gleichzeitig für eine Vielzahl von Medien adaptierten. Zusätzlich zu den zahlreichen Fotos, die Edelson im Laufe ihrer jahrzehntelangen Teilnahme an feministischen Veranstaltungen gemacht hatte, sammelte sie auch Flugblätter, Broschüren und andere Dokumentationen. Die Fales Library and Special Collections der New York University bewahren diese Dokumente und Edelsons Archive für zukünftige Forschungen auf.
Nathalie Ernoult beschrieb Edelsons Kunst folgendermaßen:
“In search of the lost histories of women, her photography draws on a diverse iconography spanning from Celtic myths to European Art History, Hollywood films, shamanic rituals, and religious spirituality.”
Die Kunsthistorikerin Lucy Lippard schrieb über Mary Beth Edelson:
“Like the great goddess to whom she has dedicated her art, she has (at least) two aspects – political rage and life-giving affirmation.”
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Edelson, Mary Beth |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 6. Februar 1933 |
| GEBURTSORT | East Chicago |
| STERBEDATUM | 20. April 2021 |
| STERBEORT | Ocean Grove |