Mary Dann

Mary Dann (links) mit ihrer Schwester Carrie Dann auf ihrer Familienranch in Crescent Valley, Nevada, USA (Sommer 1992)

Mary Dann (* 1. Januar 1923 im Eureka County, Nevada; † 22. April 2005 in Crescent Valley, Nevada) war eine US-amerikanische Rancherin der Western Shoshone und Aktivistin für indigene Landrechte und Umweltschutz. Gemeinsam mit ihrer Schwester Carrie Dann kämpfte sie jahrzehntelang gegen die Kontrolle der US-Bundesregierung über Gebiete, die sie als angestammtes Land der Western Shoshone betrachteten, und engagierte sich gegen Goldbergbau und Atombombenversuche im Shoshone-Gebiet, darunter auf der Nevada Test Site. 1993 erhielten Mary und Carrie Dann gemeinsam den Right Livelihood Award „für beispielhaften Mut und Beharrlichkeit bei der Verteidigung des Rechts indigener Menschen auf ihr Land“.

Leben und Ranch

Mary Dann wuchs auf der Familienranch im Crescent Valley im Norden Nevadas auf; ihr Vater Dewey Dann hatte dort in den 1920er Jahren ein Anwesen erworben, auf dem die Familie seitdem Viehzucht betrieb. Mary und Carrie erbten Ende der 1950er Jahre von ihrer Großmutter Pferde und Rinder und ließen sie auch außerhalb der Ranch weiden, ohne eine Genehmigung des Bureau of Land Management (BLM) zu beantragen, weil sie das Gebiet aufgrund des Vertrags von Ruby Valley als Land der Western Shoshone ansahen. Ein Porträt der Los Angeles Times beschrieb 1985 das weitgehend selbstversorgende Ranchleben der Schwestern mit Viehzucht, Gartenbau, dem Sammeln von Kräutern und Pinienkernen sowie Jagd und Fischfang.

Landrechtskonflikt und Aktivismus

Im Zentrum des Konflikts stand der Vertrag von Ruby Valley von 1863, der unter anderem die Durchreise durch das Gebiet sowie Eisenbahnbau und Bergbau durch US-Bürger regelte, ohne das Land ausdrücklich an die Vereinigten Staaten abzutreten. Die Indian Claims Commission erklärte 1962 die ursprünglichen Landrechte der Western Shoshone infolge der schrittweisen Ansiedlung Nichtindigener und weiterer Inanspruchnahme des Landes für erloschen und sprach ihnen später mehr als 26 Millionen US-Dollar Entschädigung zu; nach Bestätigung des Schiedsspruchs wurde die Summe 1979 in einen staatlichen Treuhandfonds eingezahlt.

Nachdem ein Mitarbeiter des BLM Mary Dann 1973 wegen der Beweidung angesprochen hatte, verklagte die Behörde die Schwestern 1974 wegen unerlaubter Nutzung von Bundesland und nicht entrichteter Weidegebühren; der Rechtsstreit gelangte schließlich bis vor den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Der Supreme Court entschied 1985, dass die Hinterlegung der Entschädigung in dem Treuhandkonto als „Zahlung“ im Sinne des Indian Claims Commission Act galt, obwohl die Western Shoshone das Geld nicht tatsächlich angenommen hatten; damit galten die vom Verfahren vor der Indian Claims Commission erfassten Ansprüche gegenüber den Vereinigten Staaten als abgegolten. Die Schwestern setzten die Beweidung ohne Bundesgenehmigung fort; 1992 beschlagnahmte und verkaufte das BLM mehr als 250 ihrer Pferde.

Innerhalb der Western Shoshone blieb der Umgang mit der Entschädigung umstritten, weil viele Stammesangehörige eine Auszahlung befürworteten, während die Dann-Schwestern darin eine Gefährdung weitergehender Landansprüche sahen. Die Schwestern trugen ihren Fall außerdem vor die Vereinten Nationen und die Interamerikanische Menschenrechtskommission und verbanden ihre Landrechtskampagne mit ihrer Kritik an Goldbergbau und Atomtests im Gebiet der Western Shoshone. Der Right Livelihood Award von 1993 verlieh ihrem Einsatz zusätzliche internationale Sichtbarkeit.

Mary Dann starb am 22. April 2005 nach einem Unfall mit einem Geländefahrzeug, als sie auf der Ranch einen Zaun reparierte.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Steven Newcomb: A Farewell Tribute to Mary Dann. In: ICT. 19. Mai 2005, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Mary and Carrie Dann of the Western Shoshone Nation. In: Right Livelihood. Abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 Michelle Nijhuis: Land or money? In: High Country News. 5. August 2002, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 Ronald B. Taylor: Western Shoshones Lay Claim to 24 Million Acres: Indian Sisters Spur Land Rights Battle. In: Los Angeles Times. 24. März 1985, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  5. 1 2 United States v. Dann, 470 U.S. 39 (1985). In: Legal Information Institute, Cornell Law School. 20. Februar 1985, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  6. 1 2 Tom Gardner: Shoshone land activist Mary Dann dies. In: The Spokesman-Review. 24. April 2005, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Tom Gorman: Land Battle Splits Shoshone Nation. In: Los Angeles Times. 22. Juli 2002, abgerufen am 1. Oktober 2026 (englisch).