Mathias Wirth (* 17. August 1984 in Köln) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Philosoph. Seit 2023 ist er ausserordentlicher Professor für Systematische Theologie/Ethik und Leiter der Abteilung Ethik und Diakoniewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Bern. Seit August 2024 ist er zugleich Direktor des dortigen Instituts für Systematische Theologie. Wirth ist geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Evangelische Ethik (ZEE).
Nach dem Abitur 2004 am Hansa-Gymnasium Köln studierte Wirth von 2004 bis 2009 katholische Theologie und Philosophie in Bonn und Rom. Er war Priesteramtskandidat, ehe er später zur evangelischen Kirche konvertierte. Das Studium schloss er mit dem 1. Theologischen Examen ab. Von 2011 bis 2012 war er als Lehrer für Philosophie und Religionslehre (Sekundarstufe I und II) sowie als Vertrauenslehrer am Gymnasium Josephinum in Bonn tätig.
Von 2012 bis 2017 arbeitete Wirth als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf bei Heinz-Peter Schmiedebach. 2014 wurde er an der Philosophischen Fakultät der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit einer fundamentalethischen Arbeit zur (Un)Tugend des Gehorsams bei Marco Hofheinz promoviert. Die Dissertation erschien 2016 unter dem Titel Distanz des Gehorsams bei Mohr Siebeck.
2015 bewilligte die Fritz Thyssen Stiftung ein Postdoc-Forschungsprojekt mit dem Titel Krankheit im Horizont der Sinnfrage. Ein Beitrag zur medizinischen Anthropologie und Ethik. 2016 setzte Wirth dieses Projekt als Fritz Thyssen Postdoc Fellow am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité fort. Im selben Jahr war er Visiting Research Associate am Centre for Humanities and Health des King’s College London bei Brian Hurwitz. Von 2017 bis 2018 forschte er als Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Yale Divinity School bei Jennifer A. Herdt.
Zum 1. August 2018 erhielt Wirth einen Ruf als Assistenzprofessor mit Tenure Track für Systematische Theologie/Ethik an die Universität Bern, wo er zugleich die Leitung der Abteilung Ethik und Diakoniewissenschaft übernahm. 2023 habilitierte er sich im Fach Systematische Theologie. Zum 1. August 2023 wurde er als ausserordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie/Ethik berufen und trat damit die Nachfolge von Torsten Meireis an. Seit August 2024 ist er Direktor des Instituts für Systematische Theologie der Universität Bern.
Einen Ruf auf eine W1-Professur für Ethik mit Schwerpunkt Technik- und Medizinethik an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock (Listenplatz 1) lehnte Wirth ab. In einem weiteren Berufungsverfahren auf eine W1-Professur für Medizinethik und Medical Humanities an der Charité Berlin stand er auf Listenplatz 2.
Von 2014 bis 2017 absolvierte Wirth sein Vikariat in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in Bremerhaven und legte das 2. Theologische Examen ab. 2019 wurde er in der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn ordiniert.
Wirths Arbeitsgebiete liegen im Schnittfeld von theologischer Ethik, Medizinethik, Sexualethik und systematischer Theologie. Zu seinen Schwerpunkten gehören:
Wirth tritt in seinen Veröffentlichungen wiederholt für eine kritische Bearbeitung von Gehorsams- und Autoritätsstrukturen ein, die er als Bedingungsfaktor sexualisierter Gewalt in kirchlichen Kontexten analysiert. Zusammen mit Isabelle Noth und Silvia Schroer gab er 2022 den Sammelband Sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kontexten heraus. Daneben hat Wirth zur theologischen Beurteilung von Triage-Entscheidungen während der COVID-19-Pandemie, zur ethischen Bewertung lebensverlängernder Verfahren im Transhumanismus sowie zur theologischen Anthropologie der Geschlechtervielfalt publiziert. In Beiträgen zur queeren Theologie hat er das Verhältnis von Althaus-Reids Befreiungstheologie und Queer Theology bearbeitet.
Wirth tritt regelmässig als Sachverständiger und Kommentator in deutschsprachigen Medien zu Fragen der Medizinethik, der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sowie zu kirchen- und religionsethischen Themen in Erscheinung. Im Schweizer Fernsehen war er im März 2022 Gast der Sendung Sternstunde Religion zum Thema Machtmissbrauch in den Kirchen. In der ARD-Tagesschau wurde er zur kirchlichen Beteiligung an der Hochzeit eines Bundesministers zitiert. Beiträge und Interviews erschienen u. a. im WDR, in der Frankfurter Rundschau, im Kölner Stadt-Anzeiger, in der Berner Zeitung, im Bund und auf watson.ch.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wirth, Mathias |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher evangelischer Theologe und Philosoph |
| GEBURTSDATUM | 17. August 1984 |
| GEBURTSORT | Köln |