Mathis Nitschke (* 4. Juni 1973 in München) ist ein deutscher Komponist, Sounddesigner, Klangregisseur, Regisseur und Musikproduzent. Seine Arbeiten umfassen Oper und Musiktheater, Schauspiel-, Film- und Hörspielmusik sowie ortsspezifische und interaktive Klangarbeiten. In mehreren Projekten verbindet er Musiktheater mit räumlichem Audio, mobilen Medien und digitalen Technologien.

Nitschke studierte zunächst klassische Gitarre und Bildende Kunst und anschließend Komposition am Königlichen Konservatorium Den Haag bei Gilius van Bergeijk, Richard Ayres und Clarence Barlow, wo er sein Kompositionsstudium abschloss. Von 2005 bis 2007 absolvierte er an der European Graduate School in Saas-Fee ein Postgraduiertenstudium in Medien und Kommunikation. Dort besuchte er unter anderem Seminare bei Heiner Goebbels, Jean-Luc Nancy, Michel Houellebecq, DJ Spooky, Mike Figgis, Peter Greenaway und den Brothers Quay.
Neben eigenen Musiktheaterarbeiten arbeitet Nitschke seit den 1990er Jahren als Komponist und Sounddesigner für Schauspiel, Film und zeitgenössische Musik. Für Michel Houellebecqs Regiedebüt La Possibilité d’une Île komponierte und produzierte er 2008 die Musik für Orchester, Chor, Solisten und Band. Mit dem Regisseur Luk Perceval arbeitete er unter anderem an Kleiner Mann, was nun? an den Münchner Kammerspielen. Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Annette Kurz konzipierte und baute Nitschke für die Inszenierung ein vier Meter hohes Orchestrion, das seine Musik wiedergab.
2012 entstand in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Jonas Lüscher und dem Regisseur Urs Schönebaum die Oper JETZT, die an der Opéra National de Montpellier uraufgeführt wurde. JETZT wurde 2013 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt für die „Uraufführung des Jahres“ nominiert.
2014 folgte in Montpellier HAPPY HAPPY, ein „operatic song-cycle with party“ für Sopran, Chor, Kammerorchester und Elektronik.
Ab 2015 verlagerte Nitschke einen Teil seiner Musiktheaterarbeit in den öffentlichen Raum. VIOLA (2015) wurde in einer Apotheke in München-Pasing realisiert.
Mit Unterstützung eines Projektstipendiums der Landeshauptstadt München entwickelte er 2016 VERGEHEN, einen positionsabhängigen Hörspaziergang entlang der Münchner Isar. Smartphone, GPS und binaurales Audio bezogen die Bewegung des Publikums in den Ablauf der Arbeit ein. In der Kritikerumfrage der Zeitschrift Die Deutsche Bühne wurde VERGEHEN 2017 als bester Beitrag in der Kategorie Bühne/Raum/Kostüm nominiert.
Im Oktober 2017 wurde MAYA uraufgeführt, eine Mixed-Reality-Techno-Oper in der Ruine des ehemaligen Heizkraftwerks München-Aubing. Die Produktion verband Live-Musik und Performance mit Augmented Reality, digitaler Kunst und einer Smartphone-Anwendung, über die sich das Publikum durch eine zusätzliche digitale Ebene der realen Umgebung bewegte.
Mit Lure (2020) beschäftigte sich Nitschke mit musikalischen und theatralen Formen der Interaktion mit lernenden Computersystemen.
2022 entstand in Zusammenarbeit mit den Münchner Philharmonikern die App Die Planeten. Auf Grundlage einer Aufnahme von Gustav Holsts Orchestersuite Die Planeten können Nutzer sich mit Smartphone und Kopfhörern durch ein binaural gerendertes, räumlich aufgelöstes Klangfeld bewegen. Nitschke verantwortete die künstlerische Gesamtleitung, Dramaturgie, das Sounddesign und die Mischung.
Daneben arbeitet Nitschke als Klangregisseur und Live-Elektroniker, unter anderem bei Aufführungen zeitgenössischer Musik. Er war beispielsweise in der Reihe musica viva des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks tätig.
Seit den 2020er Jahren entstanden mehrere internationale Kooperationen in Oper, Musiktheater und bildender Kunst. Für Doppelgänger (2023), eine Inszenierung von Claus Guth nach Franz Schuberts Schwanengesang mit Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch an der Park Avenue Armory in New York, komponierte Nitschke zusätzliche Musik und Klangkompositionen. Die Produktion wurde unter anderem in der New York Times und der Financial Times besprochen.
2024 gestaltete Nitschke das Sounddesign für Taryn Simons Klanginstallation Start Again The Lament in den Cisternerne in Kopenhagen. Im selben Jahr war er für das Sounddesign von Samson verantwortlich, einer freien Neuschöpfung von Claus Guth und Raphaël Pichon nach dem verlorenen Opernprojekt von Jean-Philippe Rameau und Voltaire, die beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt wurde.
2025 gestaltete er das Sounddesign für Mozarts Don Giovanni beim Festival d’Aix-en-Provence in der Regie von Robert Icke und unter der musikalischen Leitung von Simon Rattle.
2026 wurde am Theater Bielefeld Kassandra nach Christa Wolf uraufgeführt, eine spartenübergreifende Produktion in der Regie von Nadja Loschky. Die Musik komponierte Nitschke gemeinsam mit Stefan Behrisch.
Nitschkes Arbeiten an der Schnittstelle von Musiktheater, öffentlichem Raum und digitalen Medien wurden auch theaterwissenschaftlich rezipiert. Der Theaterwissenschaftler David Roesner veröffentlichte 2018 in der Fachzeitschrift Theatre and Performance Design das Gespräch „Found and framed. A conversation with composer and designer Mathis Nitschke“. Im Zentrum des Beitrags stehen VIOLA, VERGEHEN und MAYA sowie Fragen nach Oper, Raum, Gestaltung und Zusammenarbeit.
Die Uraufführung von Kassandra wurde 2026 unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in Die Deutsche Bühne besprochen. Die FAZ bezeichnete die Produktion als neue Form des Musiktheaters; Die Deutsche Bühne hob die Balance von Musik, Chor und Schauspiel hervor.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nitschke, Mathis |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist, Sounddesigner, Klangregisseur, Regisseur und Musikproduzent |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1973 |
| GEBURTSORT | München |