Max Gary

Max Gary als Corpsstudent 1885

Louis Wilhelm Richard Max Gary (* 15. August 1859 in Erfurt; † 9. April 1923 in Berlin) war ein deutscher Baustoffingenieur.

Familie

Der Vater von Max Gary war der 1824 geborene Kaufmann Fritz Gary, der nach erster beruflicher Stellung in Odessa seit 1850 in Erfurt tätig war und später Prokurist des dortigen Großhandelshauses Joh. Anton Lucius wurde. Seine Mutter war die 1836 geborene Catharine Emilie Gary, geb. Bahlsen. Seine Großeltern waren der Kaufmann Jacob Gary in Schwabach und Marie Magdalene Kunigunde Gary, geb. Grimm, sowie der Juwelier Heinrich Ludwig Bahlsen und Leopoldine Luise Bahlsen, geb. Lucius.

Max Gary heiratete am 30. März 1890 Leopoldine Bahlsen, Tochter des Berliner Kaufmanns Julius Bahlsen. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, Fritz Gary, * 25. Mai 1892, Leutnant der Reserve und Kaufmann, Käte Gary, * 7. Juli 1895, verheiratet mit dem Syndikus Dr. Meissinger, und Hildegard Gary, * 4. Oktober 1896.

Leben

Grabstätte Max Gary auf dem St.-Annen-Kirchhof in Berlin-Dahlem

Nach dem Abitur an der Erfurter Realschule arbeitete Gary zunächst praktisch als Zimmermann und Kunstschreiner in Erfurt. Vom Wintersemester 1881/82 bis zum Wintersemester 1884/85 studierte er Bauingenieurwesen und Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg, wo er 1881 im Corps Saxonia-Berlin aktiv wurde.

Nach dem Studium war er zunächst als Assistent an der Königlichen Prüfstation für Baumaterialien und in der Folge als technischer Aufsichtsbeamter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und als Schriftleiter der Thonindustrie-Zeitung tätig. Nach dem Tod des bisherigen Leiters Emil Paul Böhme Anfang 1895 wurde er zum Leiter der Königlichen Prüfungsstation für Baumaterialien berufen. Bereits wenige Wochen später ging diese am 1. April 1895 als Abteilung, die Gary weiterhin leitete, in der Königlich mechanisch-technischen Versuchsanstalt auf. 1902 erfolgte seine Ernennung zum Professor. Die Versuchsanstalt wiederum wurde 1904 dem Königlichen Materialprüfungsamt angegliedert (Vorgänger der heutigen Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung). Gary blieb weiterhin Abteilungsleiter, wobei die Abteilung nun Baumaterialprüfung hieß.

1906 erhielt er in Deutschland ein Patent auf einen „Feuerschutzvorhang aus unverbrennlichem durch Stäbe versteiftem Gewebe für Maueröffnungen“.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Baustoffkunde im Allgemeinen und speziell zu Mörtel und Beton verschafften Gary internationales Ansehen. Er war Mitglied im technischen Ausschuss des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen und im Verein Deutscher Ingenieure.

Nach seinem Tod wurde Heinrich Burchartz zu seinem Nachfolger ernannt. Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen St.-Annen-Kirchhof in Dahlem.

Villenkolonie Dahlem

Von 1902 bis 1903 ließ sich Gary vom Architekten Felix Lindhorst unmittelbar in Nachbarschaft der Materialprüfungsanstalt in der Potsdamer Chaussee 97 (heute Unter den Eichen 91) eine Villa errichten. Gary war einer der ersten Bewohner der Villenkolonie in Dahlem und in zahlreichen örtlichen Vereinigungen und Vertretungen engagiert. So war er Vorsitzender der Freien Vereinigung Dahlemer Villenbesitzer und Mitglied der Gutsvertretung der Domäne Dahlem. Die Villa Gary hat sich erhalten und steht heute unter Denkmalschutz.

Ehrungen und Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Carl Weigandt: Geschichte des Corps Saxonia-Berlin zu Aachen 1867–1967. Aachen 1968, S. 16.
  2. ↑ Königliche Prüfstation für Baumaterialien. In: Centralblatt der Bauverwaltung. 3A, 1895, S. 36 (zlb.de).
  3. ↑ Amtliche Mittheilungen. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 4, 1895, S. 37 (zlb.de).
  4. ↑ Amtliche Mittheilungen. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 45, 1902, S. 273 (zlb.de).
  5. ↑ In Deutschland erteilte Patente. In: Architekten- u(nd) Baumeister-Zeitung. Illustrirte Zeitschrift für das gesammte Bauwesen und den baugeschäftlichen und Verkehr (…) / Architekten- u(nd) Baumeister-Zeitung. Illustrierte Zeitschrift für das gesam(m)te Bauwesen, den baugeschäftlichen u(nd) Realitäten-Verkehr/Realitätenverkehr (…), 13. Mai 1906, S. 5 (online bei ANNO).
  6. ↑ Vom Materialprüfungsamt. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 52, 1924, S. 484 (zlb.de).
  7. ↑ Evangelischer St. Annen-Kirchhof. (Memento vom 12. Oktober 2016 im Webarchiv archive.today; PDF)
  8. ↑ Villa Gary. In: Berliner Architekturwelt. Nr. 9, Dezember 1903, S. 311 (zlb.de – Fotos).
  9. ↑ Eintrag 09066158 in der Berliner Landesdenkmalliste
  10. ↑ Amtliche Mitteilungen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 103, 1905, S. 637 (zlb.de).
  11. ↑ Amtliche Mitteilungen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 95, 1908, S. 629 (zlb.de).
  12. ↑ Amtliche Mitteilungen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 93, 1910, S. 605 (zlb.de).
  13. ↑ Amtliche Mitteilungen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 3, 1911, S. 9 (zlb.de).
  14. ↑ Amtliche Mitteilungen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 33, 1912, S. 205 (zlb.de).
  15. ↑ Vermischtes. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 95, 1917, S. 575 (zlb.de).
  16. ↑ Mitteilungen aus dem Materialprüfungsamt in Berlin-Dahlem. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 59, 1922, S. 347 (zlb.de).
  17. ↑ Garystraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  18. ↑ Literatur. In: Die Zeit, 3. Mai 1907, S. 14 (online bei ANNO).
Personendaten
NAME Gary, Max
ALTERNATIVNAMEN Gary, Louis Wilhelm Richard Max (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Baustoffkundler
GEBURTSDATUM 15. August 1859
GEBURTSORT Erfurt
STERBEDATUM 9. April 1923
STERBEORT Berlin