Max Heider

Max-Hermann Heider (* 31. Januar 1922 in Ichenhausen, Bayern; † 10. Januar 1975 in Graz) war ein deutscher Dirigent.

Leben und musikalischer Werdegang

Max Heider stammt aus einer musikbegeisterten Kaufmannsfamilie, zu deren Bekanntenkreis unter anderem auch der Komponist Hans Pfitzner gehörte. Pfitzner förderte früh die musikalische Entwicklung von Heider und vermittelte ihn nach Graz zu Hermann von Schmeidel ans dortige Landeskonservatorium (heute Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz). Heider studierte auch Dirigieren bei Oswald Kabasta, Hans Pfitzner und Hans Knappertsbusch. Sein Kapellmeister-Diplom erwarb er 1942 an der Musikhochschule Berlin (heute Universität der Künste Berlin).

Biografische Informationen für die Jahre vor 1945 finden sich auch in einer Diplomarbeit an der Kunstuniversität Graz. Danach war Heider im Herbst 1943 als Soldat im von deutschen Truppen besetzten Rom an einem Istituto dell’arte musicale musikalisch tätig. Laut der Autorin, Enkelin des Komponisten, existiert auch die Abschrift eines Zeugnisses, unterzeichnet von einem „G. Vidussoni“. Um welches Institut in Rom es sich gehandelt hat, wird in der Arbeit, die stark auf mündlicher Überlieferung in der Familie basiert, nicht aufgelöst. Möglicherweise handelte es sich um die Accademia di Musica, eine Abteilung der Accademia della G.I.L. (Gioventù Italiana del Littorio), der faschistischen Jugendorganisation Italiens, sowie um den Parteisekretär und Mussolini-Vertrauten Aldo Vidussoni, der Kontakte zu dem NS-Politiker und Reichsjugendführer Baldur von Schirach in Wien pflegte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Korrepetitor und Kapellmeister. Ab 1953 leitete Heider die Musikschule Kapfenberg (bis 1970) und war musikalischer Leiter der Kapfenberger Kulturtage. Zwischen 1958 und 1962 war er in den Sommermonaten Assistent des Dirigenten Hans Rosbaud. Ab 1962 unterrichtete er Dirigieren am Landeskonservatorium Graz (heute Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz). Nach dessen Erhebung zur Akademie für Musik und darstellenden Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Graz) leitete er dort die Dirigierklasse. Zu seinen Schülern zählen u. a. Hans Graf und Dieter Glawischnig. An der Musikakademie gründete er auch das Collegium musicum instrumentale, ein auf neue Musik spezialisiertes Kammerorchester. Max Heider starb 1975 in Graz.

Leistung

Heider war ein Spezialist für neue Musik. Mit dem Collegium musicum instrumentale übernahm er in den 1960er Jahren zahlreiche Uraufführungen und Österreichische Erstaufführungen in der Konzertreihe Studio für Probleme zeitlich naher Musik. Auch im musikprotokoll im Rahmen des steirischen herbst dirigierte Heider regelmäßig neue Werke, etwa von György Ligeti, Luciano Berio, Darius Milhaud, Egon Wellesz oder John Cage. Ende der 1960er Jahre setzte sich Heider für die Einrichtung eines Lehrganges „Aufnahmeleiter und Toningenieure“ ein. Dieser Lehrgang ist im 1970/71 erstmals im Studienführer der Musikhochschule Graz zu finden, im Herbst 1973 wurde er als gemeinsamer Studiengang „Toningenieurstudium“ der Musikhochschule und der Technischen Hochschule Graz (heute Technische Universität Graz) weiterentwickelt.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Erich Hermann Mueller von Asow (Hrsg.): Kürschners Deutscher Musiker-Kalender. 1954.
  2. ↑ Erich Marckhl: Festrede für Max Heider anlässlich der Verleihung des Joseph-Marx-Preises 1973. 19 S. Typoskript, Archiv der Kunstuniversität Graz, Sig. UAKUG/TEM_093_02.
  3. ↑ Elisabeth Angermeier: Max Heider. Monographie. Graz 2011.
  4. ↑ Angermeier, S. 5.
  5. ↑ Alessio Ponzio: La palestra del Littorio. L’Accademia della Farnesina: un esperimento di pedagogia totalitaria nell’Italia fascista. Mailand 2009 (englisch Shaping the „New Man“. Youth Training Regimes in Fascist Italy and Nazi Germany. Wisconsin 2015).
  6. ↑ Marckhl: Festrede. S. 5. Siehe Fußnote 2.
  7. ↑ Rudolf Flotzinger: Heider, Max. In: Barbara Boisits (Hrsg.): Österreichisches Musiklexikon. doi:10.1553/0x0001d0e8 (musiklexikon.ac.at) Abgerufen am 2. Februar 2022.
  8. ↑ Programmhefte musikprotokoll der Jahre 1968 bis 1973.
  9. ↑ Gerhard Graber, Robert R. Höldrich: Der Toningenieur – Eine Grazer Besonderheit. Online-Publikation des Instituts für Elektronische Musik und Akustik (old.iem.at), abgerufen am 5. Februar 2022.
Personendaten
NAME Heider, Max
ALTERNATIVNAMEN Heider, Max-Hermann
KURZBESCHREIBUNG deutscher Dirigent
GEBURTSDATUM 31. Januar 1922
GEBURTSORT Ichenhausen, Bayern
STERBEDATUM 10. Januar 1975
STERBEORT Graz