| Film | |
| Titel | Meanwhile in Namibia |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland, Namibia |
| Originalsprache | Englisch, Deutsch, Otjiherero, Khoekhoegowab, Oshivambo, Afrikaans |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Länge | 114 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Jonas Spriestersbach |
| Drehbuch | Jonas Spriestersbach |
| Produktion | Jonas Spriestersbach |
| Musik | Joel Toromba |
| Kamera | Jonas Spriestersbach |
| Schnitt | Jonas Spriestersbach |
Meanwhile in Namibia ist ein deutsch-namibischer Dokumentarfilm von Jonas Spriestersbach aus dem Jahr 2026.
Der Film beleuchtet die postkolonialen Strukturen in Namibia, einer ehemaligen deutschen Kolonie. Obwohl das Deutsche Reich zwischen 1904 und 1908 einen Völkermord an den Herero und Nama verübte, weigert sich die deutsche Bundesregierung, diesen auch im juristischen Sinne anzuerkennen und Reparationen zu zahlen. Stattdessen setzt sie auf Entwicklungshilfeprojekte. Im Zentrum des Dokumentarfilms stehen dafür exemplarisch die sogenannten Living Museums. In einem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit initiierten Schaudorf wird die Herero-sprachige Bevölkerung dazu angehalten, für Touristen die durch den Genozid weitestgehend erloschene Kultur und Lebensweise ihrer Vorfahren nachzustellen. In dem Herausstellen einer vermeintlichen Andersartigkeit der Darstellenden erinnert das Projekt an die historischen Völkerschauen. Ohne einordnenden Kommentar dokumentiert der Film alltäglichen Rassismus, soziale Ungleichheit und neokolonialen Paternalismus in Begegnungen zwischen weißen Touristen, deutschen Entwicklungshelfern und der namibischen Bevölkerung.
Den Auslöser für den Film bildete die Haltung der deutschen Bundesregierung zum Völkermord an den Herero und Nama. Spriestersbach kritisierte insbesondere eine Rede des damaligen Außenministers Heiko Maas aus dem Jahr 2021, in der die Geschehnisse zwar als Völkermord benannt, eine rechtliche Verbindlichkeit jedoch abgelehnt wurde. Der Film feierte im April 2026 im internationalen Wettbewerb des Schweizer Festivals Visions du Réel Premiere und wurde im Mai beim DOK.fest München gezeigt. Dort gewann er den deutschen Wettbewerb.
Die Schweizer Zeitung Le Courrier befand: „Abgesehen von einigen informativen Texttafeln kommt dieser fassungslos machende Film ganz ohne Kommentar aus, denn die Bilder und der Schnitt sprechen für sich. [...] Neokolonialismus in seiner ganzen Pracht.“ Der Filmkritiker Michael Sennhauser resümierte, er wolle „diese unglaublich dichte zweistündige Lektion zum kolonialen Erbe und seiner giftigen Fracht nicht missen.“ Nora Moschüring lobte für das Filmmagazin Artechock die Form des Films: „In den wohlkomponierten Bildern von Spriestersbach fächern sich Vergangenheit und Gegenwart auf. [...] Das ist so absurd wie schrecklich – es bleibt einem die Luft weg.“ Die Jury des DOK.fest München bezeichnete das Werk als intensiven und visuell atemberaubenden Film, der noch lange nachwirke. Die Jury des Fünf Seen Filmfestivals resümierte, dass der Film ein verstörendes Bild von neokolonialen Machtverhältnissen zeige und eine schmerzhafte Leerstelle der deutschen Selbstwahrnehmung offenlege.
Demgegenüber formulierte Lida Bach für Moviebreak eine negative Kritik: „Das pseudo-kritische Panoptikum neokolonialistischen Narzissmus verrät den gleichen Mangel an Selbstreflexion, den es vorführt, überzeugt von der eigenen humanistischen Hegemonie.“