
Das Mehrgān-Fest (persisch مهرگان) gehört neben dem Frühlingsfest Nouruz (Frühlingsbeginn bzw. Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche), Tirgan (Sommersonnenwende), und dem Yaldā-Fest (Wintersonnenwende) zu den traditionellen altiranischen Festen in Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Aserbaidschan. Es fällt in die Zeit nach der herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche, dem Eintritt der Sonne ins Tierkreiszeichen Waage (arabisch-persisch ميزان, DMG Mīzān), was dem persischen Sonnenkalender zufolge dem Beginn des Monats Mehr entspricht.
Es ist das Fest, das mit der Herbsternte verbunden ist, in dem Gemeinschaften ihren Dank für ihr Vieh und ihre Ernte zum Ausdruck bringen. Die bei der Zeremonie vollzogenen Rituale und die dargebotenen Lebensmittel variieren je nach Region und den Glaubensvorstellungen der Teilnehmenden. So feiern zoroastrische Gemeinschaften, indem sie Passagen aus ihrem heiligen Buch Avesta rezitieren, während Muslime besondere Gebete sprechen. Gemeinschaften pflegen das Ritual, in dem sie einen Tisch mit Früchten wie Granatäpfeln, Wassermelonen, Birnen, Zitronen und Limetten, Weintrauben, Äpfeln, Reis und Weizen decken. Sie bereiten vielfältige Speisen zu und servieren Nüsse, Süßigkeiten sowie besondere Getränke. Zudem wird musiziert, gesungen und getanzt. Die Feierlichkeiten, an denen Menschen unabhängig von Alter und Geschlecht teilnehmen, umfassen Musik, Gesang, Tanz, Theaterdarbietungen und lokale sportliche Wettkämpfe (wie etwa Ringen). Während der Zeremonie organisieren die Gemeinschaften Blumenausstellungen und verkaufen oder präsentieren Kunsthandwerk und Erzeugnisse. Die Tradition wird informell weitergegeben – durch Erzählungen sowie durch die Mitwirkung an der Organisation und Durchführung des Festes. Auch Schulen und Hochschuleinrichtungen tragen zu ihrer Weitergabe bei. Neben der Würdigung der Natur fördert Mehregan den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem es Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, ethnischer Zugehörigkeit, Religion und Herkunft zusammenbringt.
Seit 2024 ist das Mehrgān-Fest in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO eingetragen.
Der Begriff Mehrgān besteht aus den zwei Wörtern, mehr und gān. Der Begriff Mehr/Mithras kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Zum einen ist er der Name einer der größten Gottheiten des Zoroastrismus, der z. B. für Versprechen steht. Zum anderen bedeutet Mehr auch Liebe und Zuneigung. Zum dritten ist Mehr auch die Bezeichnung für den siebten Monat im Jahr und zugleich der Name für den sechzehnten Tag eines jeden Monats (siehe auch Zoroastrischer Kalender). Mehr taucht auch in der heiligen Schrift des antiken Indiens (Veda) auf und hat eine vergleichbare Stellung und Funktion. Gān steht für Zugehörigkeit. Damit kann man Mehrgān als „das der Gottheit Mehr zugehörige Fest“ oder aber als „Fest der Liebe“ bezeichnen.
Der iranische Nationaldichter Ferdosi hat die Einsetzung dieses Fest als Fests zur Erinnerung an die Krönung König Fereyduns nach dem erfolgreichen Befreiungskampf gegen Zahak im iranischen Nationalepos Schāhnāme wie folgt beschrieben:
„Am Glückstag, dem ersten vom Monat Mihr
Setzt’ er aufs Haupt sich der Krone Zier.
Die Zeit ward ohne Sorge vor Leid,
Sie wandten sich all zu Gottseligkeit.
Sie leerten das Herz von Kriegesbraus,
Und machten ein neues Fest mit Schmaus.
…
Die Mihrganfei’r hat er eingesetzt,
wo man ruht und mit Wein sich letzt.
Das blieb uns von ihm zum Angedenken,
Da laß nicht Sorg’ und Müh’ dich kränken.“