Meister Pfriem ist ein Märchen (ATU 801, 1248, 1180). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 5. Auflage von 1843 an Stelle 178 (KHM 178), erschien zuerst 1842 in Hermann Kletkes Berliner Taschenbuch und basiert auf Meister Pfriem. Ostermährlein in Die schönsten Kindermährchen von 1837.

Der unansehnliche und hektische Schustermeister Pfriem ist ein Besserwisser und tadelt alle: Ein Mädchen, dem er den Wassereimer aus der Hand stößt, seine Gesellen, Frau und Mägde, wenn sie Feuer machen oder sich beim Waschen unterhalten. Als ein Haus gebaut wird, will er dem Zimmermann sein Handwerk erklären, aber wirft die Axt weg, um einem Bauern zu sagen, dass er keine jungen Pferde vor einem schweren Wagen spannen soll. Zurück in der Werkstatt schreit er den Lehrjungen wegen eines schlechten Schuhs an und übersieht, dass er ihn selbst gemacht hat.
Er träumt nachts, er wäre gestorben und dürfe im Himmel nichts tadeln. Er beherrscht sich auch, als zwei einen Balken quer tragen, andere Wasser in ein löchriges Fass schütten. Doch dann spannen Engel Pferde vor und hinter einen Wagen, der in einem Loch steckt. Er schimpft und sieht vor dem Erwachen, dass die Pferde mit dem Wagen fliegen. Er findet es aber Verschwendung, Pferden noch Flügel zu geben. Er ist froh, noch zu leben, um im Haus nach dem Rechten zu sehen.

Grimms Anmerkung nennt die Quelle Meister Pfriem. Ostermährlein in Die schönsten Kindermährchen, Neueste Kinder-Bibliothek Bd. 2, Hildburghausen 1827 (wohl von Joseph Meyer) und vergleicht Märchenwald von L. Wiese, Barmen 1841 (beide gehen zurück auf Hans Pfriem, Nr. 13 in Ludwig Aurbachers Volksbüchlein, 1827). Grimm erzählt ausführlich ein Lustspiel aus dem 16. Jahrhundert von Martin Hayneccius nach, das als Hans Pfriem oder Meister Kecks erschien. Es ist in dem Punkt ausführlicher, dass Pfriem sich vor dem Rauswurf aus dem Himmel schützt, indem er alle Heiligen ihrer eigenen Sünden zeiht. Er ist hier Fuhrmann (vgl. Redensart: ‚Fluchen wie ein Karrenfahrer‘). „Pfriem“ passe zum Schusterhandwerk, es heißt Ahle. Vgl. KHM 35 Der Schneider im Himmel, KHM 81 Bruder Lustig, KHM 82 De Spielhansl, die sich eher durch Witz im Himmel halten, zum kleinlichen Schuster KHM 107 Die beiden Wanderer. KHM 167 Das Bürle im Himmel beschreibt die Ankunft eines Frommen. Die Figur des Pfriem ähnelt auch dem Cluricaun in Grimms Irische Elfenmärchen Nr. 12, 13, 14, 15, 16.
Die anschaulichen Beschreibungen der ersten Texthälfte stammen von Wilhelm Grimm. Auch den Traum schmückt er mit Pfriems Monologen aus, erklärt den Balken als „den einer im Auge gehabt hatte, während er nach dem Splitter in den Augen anderer suchte“ (Mt 7,3 EU, Lk 6,41 EU: Vom Splitter und vom Balken), das Fassschöpfen als Regenmachen und den Wagen als Fuhre frommer Wünsche. In der Vorlage steht eingangs nur beispielhaft seine Kritik an Zimmerern, Wäscherinnen und Kutschern, nach dem Erwachen nur die Moral: „Und nun, was glaubt ihr, liebe Zuhörer, was zu lernen sey aus der Geschichte von Hans Pfriem?“ „Ich will dir schon zeigen, wie man die Haut weichschlägt“ und „auf den rechten Weg kommen“ heißt es erst ab Übernahme des Texts in Grimms Märchen, noch nicht bei der Vorveröffentlichung im Berliner Taschenbuch, doch passt letztere Redensart dazu, dass der Protagonist noch in Aurbachers Volksbüchlein ein Fuhrmann ist.
Die älteste Fassung der geschilderten Himmelsvision steht in der Vita des Heiligen Arsenius, die um 800 aufgeschrieben wurde: Er sieht einen Neger, der eine untragbare Holzlast aufheben will und immer noch zulegt, einen Mann, der Wasser in ein durchlöchertes Gefäß schöpft, zwei Reiter, die einen Balken quer durch ein Tor tragen wollen. Arsenius deutet die drei Bilder als unbußfertige Sünde, wieder Sünde des Bekehrten und Hoffart. Der Stoff wurde im Mittelalter vielfältig als Schwank rezipiert. Die Holzbürde erinnert auch an Sisyphos, das Wasserschöpfen an die Danaiden aus der griechischen Mythologie.
Der Schwank karikiert eine Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (s. a. KHM 185 Der arme Junge im Grab). Eugen Drewermann deutet diese als Kompensationsversuch eines von klein auf körperlich Stigmatisierten. Er sucht Erlösung durch Leistung, daher die versteckte Sympathie für das Arbeitstier Pferd, bis er die freiere Sphäre der Flügelpferde fände.
Schustermeister Pfriem kommt 1904 in Wilhelm Buschs Gedicht Querkopf vor:
Später kam er zu Meister Pfriem.
Der zeigte ihm redlich und sagte ihm,
Jedoch umsonst, was seine Pflicht:
Er sollte schustern und wollte nicht.