Melisma

Beispiel einer Komposition mit einer Koloraturpassage mit einem sequenzierten melismatischen Motiv (Takt 5 bis 7) und neumatisch gestalteten Achtelnoten (Takt 1 und 3).

Als Melisma (von altgriechisch μέλος melos, deutsch ‚Lied, Weise, Gesang‘) wird in der Vokalmusik eine Abfolge mehrerer Töne auf einer einzelnen Silbe bezeichnet. Die Ausgestaltung von Silben durch Melismen wird Melismatik genannt. Im Gegensatz dazu ist bei der Syllabik jeder Silbe nur ein Ton zugeordnet. Die Ausführung von lediglich zwei oder drei Tönen auf einer Silbe wird als neumatisch (von lateinisch neuma) oder oligotonisch (von altgriechisch ὀλίγος oligos, deutsch ‚wenig‘) bezeichnet.

Im Gregorianischen Choral werden melismatische Teile durch Gruppen- oder in Mehrgruppenneumen dargestellt, während in den syllabischen Teilen Einzeltonneumen vorherrschen. Im modernen Notensatz werden die durch Melismen in ihrer Dauer verlängerten Vokale mit einem Unterstrich (im Notenbeispiel rot markiert) versehen.

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Melisma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Andreas Haug: Melisma. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 6 (Meißen – Musique concrete). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1997, ISBN 3-7618-1107-1 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich).