
Melitta Mew (* 23. Januar 1929 in Nürnberg; † 30. Mai 2018 in London) war eine deutsch-britische Übersetzerin, Archivarin und langjährige Assistentin des Philosophen Karl Popper. Sie spielte eine zentrale Rolle bei der Sicherung von Poppers wissenschaftlichem Nachlass sowie beim Aufbau der Karl-Popper-Sammlung an der Universität Klagenfurt.
Melitta Mew wurde 1929 in Nürnberg als Tochter eines Zahnarztes geboren und wuchs im Stadtteil Glockenhof auf. Der Zweite Weltkrieg beendete ihre reguläre Schulbildung nach der sechsten Klasse des Gymnasiums. Während der Luftangriffe auf Nürnberg wurde ihre Schulklasse zeitweise nach Johannisbad im Riesengebirge evakuiert, ehe sie in die weitgehend zerstörte Stadt zurückkehrte. In der unmittelbaren Nachkriegszeit verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Übersetzungen für Nürnberger Bürger, die bei den amerikanischen Besatzungsbehörden Anträge stellen mussten.
1946 erhielt sie eine Anstellung als Übersetzerin beim Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg. Sie arbeitete bei den Kriegsverbrecherprozessen, unter anderem beim Verfahren gegen Hermann Göring, und war ab 1948 als „Court Correspondent“ bei den Nürnberger Nachfolgeprozessen für das American Public Relations Office tätig.
1950 zog Melitta Mew nach Düsseldorf. Dort lernte sie den britischen Staatsbürger Raymond Mew kennen, den sie später heiratete. Ab 1952 lebte sie dauerhaft in London und nahm die britische Staatsangehörigkeit an. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. In den folgenden Jahrzehnten widmete sie sich vor allem ihrer Familie, hielt jedoch regelmäßigen Kontakt zu ihrer Heimatstadt Nürnberg.
1981 nahm Melitta Mew wieder eine berufliche Tätigkeit auf. Zunächst arbeitete sie als Sekretärin am Royal Institute of International Affairs (Chatham House) in London. Ab 1982 war sie an der London School of Economics and Political Science als Sekretärin und Übersetzerin für Karl Popper tätig; 1985 wurde sie seine persönliche Assistentin.
Nach dem Tod von Poppers Ehefrau Hennie 1985 unterstützte sie ihn auch organisatorisch und privat. Nach einem gescheiterten Versuch Poppers, in Wien eine neue akademische Tätigkeit aufzunehmen, ließ er sich 1986 wieder im Raum London nieder, in räumlicher Nähe zur Familie Mew. Dies ermöglichte eine enge Zusammenarbeit bis zu seinem Tod 1994.
Melitta Mew organisierte Poppers Korrespondenz, Reisen und Termine, begleitete ihn zu internationalen Ehrungen und übersetzte Texte und Reden. Während dieser Zeit blieb Popper international aktiv und empfing zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft und Kultur. Mew unterstützte zudem die deutschsprachige Übersetzung einzelner Werke Poppers, darunter Vermutungen und Widerlegungen.
Nach dem Tod Karl Poppers im Jahr 1994 erbten Melitta und Raymond Mew dessen schriftlichen Nachlass. Bereits 1995 übergaben sie Manuskripte, die Privatbibliothek und eine Sammlung antiquarischer Bücher der Universität Klagenfurt. Dort wurde innerhalb der Universitätsbibliothek die Karl-Popper-Sammlung eingerichtet, die sich zu einem international bedeutenden Forschungszentrum entwickelte.
Zur langfristigen Sicherung des Archivs trat Melitta Mew 2008 auch die Urheberrechte an Karl Poppers gedruckten Werken an die Universität Klagenfurt ab. Sie ermöglichte zudem die vorzeitige Freigabe archivierter Texte, darunter die sogenannte Medawar-Vorlesung, die 2013 erstmals veröffentlicht wurde.
Darüber hinaus engagierte sie sich für die Herausgabe von Karl Popper. Gesammelte Werke in deutscher Sprache sowie für den Karl Popper Charitable Trust, der Forschungsprojekte zum Kritischen Rationalismus unterstützt.
Melitta Mew starb am 30. Mai 2018 im Alter von 89 Jahren in London.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mew, Melitta |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-britische Übersetzerin und Assistentin Karl Poppers |
| GEBURTSDATUM | 23. Januar 1929 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 30. Mai 2018 |
| STERBEORT | London |