Melody Amber

Das Amber Turnier (offiziell: Amber Blindfold and Rapid tournament, zuvor: Melody Amber) war ein Schachturnier, in dem die Teilnehmer, die gewöhnlich zur Weltspitze gehörten, ausschließlich durch Einladung bestimmt wurden. Das Turnier wurde 1992 begründet und bis 2011 jährlich von dem niederländischen zweimaligen Fernschachweltmeister, Unternehmer und Karambolage- und Schachmäzen Joop van Oosterom gesponsert. Es ist nach seiner ersten Tochter benannt, seiner zweiten Tochter widmete er das Crystal Kelly Turnier, ein ebenso hoch dotiertes wie angesehenes Karambolageturnier in der Disziplin Dreiband. Es fand von 1994 bis 2011 statt.

Die Kontrahenten beim Melody Amber traten dabei in zwei Disziplinen gegeneinander an: bei der ersten Austragung im Schnellschach und im Blitzschach, ab der zweiten Auflage 1993 war die zweite Disziplin eine Schnellvariante des Blindschachs.

Von 1992, dem Geburtsjahr der namensgebenden Tochter, bis 2007 fand es jährlich in einem Luxushotel in Monte Carlo und meist in der zweiten Hälfte des März statt. 2008 bis 2010 fand das Turnier im Hotel Palais de la Mediterranee in Nizza statt. Die 20. und letzte Auflage des Turniers wurde wieder in Monaco im Monte-Carlo Bay Hotel & Resort ausgetragen. Gesamtsieger des Turniers war der Spieler mit den meisten Punkten aus beiden Disziplinen; daneben gab es auch für die Sieger der einzelnen Disziplinen Preisgeldhonorare.

Pro Tag wurden jeweils eine Schnellschach- und eine Blindschachpartie gespielt, und zwar gegen denselben Gegner mit vertauschten Farben. Nicht nur die Schnellschach-, auch die Blindpartien wurden im Schnellschachmodus absolviert; jedem Spieler standen pro Partie 25 Minuten plus für jeden gemachten Zug 10 Sekunden Zeitgutschrift beim Schnellschach bzw. 20 Sekunden Zeitgutschrift beim Blindschach zur Verfügung.

Während 1993 und 1994 zuerst die Schnellschach- und anschließend die Blindpartie ausgetragen wurde, wurde – wegen der mit einer hohen Fehlerquote beim Blindschach einhergehenden Ermüdung – seit 1995 in der umgekehrten Reihenfolge gespielt.

Als ein Schnell- und Blindschachturnier wurde es von der FIDE nicht für die Elo-Zahl der Weltrangliste ausgewertet.

Der erfolgreichste Spieler beim Amber Turnier war Wladimir Kramnik, der das Turnier sechsmal gewinnen konnte.

Turniersieger

#JahrGesamtsiegerSchnellschachsiegerBlindschachsieger
11992Wassyl Iwantschuk(ohne Blindschach)
21993Ljubomir LjubojevićLjubomir Ljubojević Viswanathan Anand, Anatoli Karpow
31994Viswanathan AnandViswanathan Anand, Wladimir KramnikViswanathan Anand
41995Anatoli KarpowWladimir KramnikAnatoli Karpow
51996Wladimir KramnikViswanathan Anand, Wassyl IwantschukWladimir Kramnik
61997Viswanathan Anand
71998Alexei Schirow, Wladimir Kramnik
81999Wladimir KramnikViswanathan AnandAlexei Schirow, Wesselin Topalow, Vladimir Kramnik
92000Alexei Schirow
102001Wesselin Topalow, Wladimir KramnikBoris Gelfand, Vladimir KramnikWesselin Topalow
112002Alexander Morosewitsch
122003Viswanathan AnandJewgeni BarejewWladimir Kramnik
132004Alexander Morosewitsch, Wladimir Kramnik
142005Viswanathan Anand
152006Viswanathan Anand, Alexander Morosewitsch Viswanathan AnandAlexander Morosewitsch
162007Wladimir KramnikViswanathan AnandWladimir Kramnik
172008Lewon AronjanLewon AronjanWladimir Kramnik, Lewon Aronjan, Alexander Morosewitsch, Wesselin Topalow
182009Lewon AronjanViswanathan Anand, Gata Kamsky, Lewon AronjanWladimir Kramnik, Magnus Carlsen, Lewon Aronjan
192010Magnus Carlsen, Wassyl IwantschukMagnus Carlsen, Wassyl IwantschukAlexander Grischtschuk
202011Lewon AronjanMagnus Carlsen Lewon Aronjan

Teilnehmerlisten

9. Amber 2000

ausgetragen vom 16. bis 28. März 2000

10. Amber 2001

ausgetragen vom 17. bis 29. März 2001

11. Amber 2002

ausgetragen vom 16. bis 28. März 2002

12. Amber 2003

ausgetragen vom 15. bis 27. März 2003

13. Amber 2004

ausgetragen vom 20. März bis 1. April 2004 Preisfonds: € 193.250

14. Amber 2005

ausgetragen vom 19. März bis 31. März Preisfonds: € 193.250

15. Amber 2006

(damalige Weltranglistenposition in Klammern)

16. Amber 2007

(damalige Weltranglistenposition in Klammern)

17. Amber 2008

ausgetragen vom 15. bis 27. März 2008

(damalige Weltranglistenposition in Klammern)

18. Amber 2009

ausgetragen vom 14. bis 26. März 2009

(damalige Weltranglistenposition in Klammern)

19. Amber 2010

ausgetragen vom 13. bis 25. März 2010

(Weltranglistenposition in Klammern)

Ursprünglich war Alexander Morosewitsch als Teilnehmer vorgesehen, er wurde nach einer kurzfristigen Absage durch Alexander Grischtschuk ersetzt. Der Preisfonds des Turniers betrug 216.000 Euro.

20. Amber 2011

ausgetragen vom 11. bis 24. März 2011

(Weltranglistenposition in Klammern)

Der Preisfonds des Turniers betrug 227.000 Euro.

Einzelnachweise

  1. ↑ Beim ebenfalls von Joop van Oosterom von 2007 bis 2010 jährlich durchgeführten NH Chess Tournament wurde der Spezialpreis ausgelobt, dass der beste Spieler des sogenannten Rising Stars Team, sofern er mehr als 50 Prozent der Punkte erspielt, sich für das jeweils nächste Amber Melody 'qualifiziert'. Dies gelang 2007 Serhij Karjakin, 2008 Wang Yue, 2009 Jan Smeets und 2010 Hikaru Nakamura.
  2. ↑ Die Premiere 1992 war im Vista Palace, in dem – wegen Renovierungsarbeiten im Metropole Palace, das von 1993 bis 2002 als Austragungsort fungierte – auch die 12. Auflage 2003 veranstaltet wurde (siehe Tischbierek 2003, S. 17). Von 2004 bis 2006 fand das Turnier im Monte Carlo Grand Hôtel statt, während die 16. Auflage 2007 im Fairmont Monte Carlo Hotel abgehalten wurde.
  3. ↑ Amber Chess - General Info, abgerufen am 2. Juli 2015.
  4. ↑ Nicht alle Teilnehmer begrüßten diese Änderung; Wladimir Kramnik, Alexei Schirow und Ljubomir Ljubojević befürworteten die alte Regelung (siehe van der Wiel 2005, S. 27).

Turnierbücher

Literatur

Partien vom Amber Turnier