
Menaf Osman (bürgerlich Abdelmonaf Othman; * 1965 in Hasaka, Syrien) ist ein kurdischer Schriftsteller und Übersetzer, der den größten Teil seines Erwachsenenlebens in der Türkei inhaftiert war und seit Mitte der 2020er-Jahre im deutschen Exil lebt. Er veröffentlichte zahlreiche literarische Arbeiten und übertrug Werke der Weltliteratur – darunter Alexandre Dumas’ Der Graf von Monte Christo – ins Kurdische. Seit 2025 ist er Stipendiat im PEN-Programm Writers in Exile und lebt in München.
Osman wurde 1965 in Hasaka (Syrien) geboren. Während eines Geologiestudiums in Damaskus geriet er wegen politischen Engagements ins Visier syrischer Sicherheitsbehörden und wurde in den 1980er-Jahren mehrfach festgenommen und misshandelt. Anfang der 1990er-Jahre floh er in die Türkei, wo Verwandte lebten. Am 13. März 1993 wurde er in Batman erstmals in der Türkei festgenommen; die Behörden warfen ihm Separatismus, staatsgefährdende Agitation und PKK-Mitgliedschaft vor, was er stets bestritt. Im Jahr 2002 verurteilte ein Gericht in Diyarbakır ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. In verschiedenen Haftanstalten – darunter Batman, Diyarbakır, Gaziantep, Adıyaman, Kocaeli, Balıkesir und Manisa – schilderte er wiederholte Folter und Überbelegung. 2023 wurde er aus der Strafhaft entlassen, jedoch in das Abschiebe- und Rückführungszentrum Edirne verbracht und dort verwaltungsrechtlich festgehalten. Am 10. August 2024 wurde Osman aus der Türkei nach Malaysia abgeschoben, wo er zunächst ohne gesicherten Aufenthaltsstatus lebte. Anfang 2025 nahm ihn das PEN-Zentrum Deutschland im Rahmen von Writers in Exile auf; seitdem lebt er in München und baut sich im Exil eine neue Existenz auf.
Osman begann bereits in Haft mit dem Schreiben und mit Übersetzungen; er berichtet, Texte auf Taschentücher geschrieben, in Jackenfutter versteckt und aus Gefängnissen geschmuggelt zu haben. Insgesamt entstanden nach seinen Angaben knapp 30 eigene Werke und über 30 Übersetzungen; das Schreiben bezeichnete er als seinen „Überlebensanker“ in der Haft. Zu seinen veröffentlichten Büchern zählen der Erzählungsband Şînok sowie die Romane Ehrenbrief (2012) und Der Schuh (2021). In kurdischer Sprache erschienen Girê Şêran, Şînok, Namûsname, Piling, Şoreşname 1, Silava Bajariyan, Sînor, Lênûska Leyla, Sêbareya Zindanê – 1: Cuhû und Sol. Als Übersetzer übertrug er Werke der Weltliteratur ins Kurdische, darunter Der Graf von Monte Christo und Teile aus Tausendundeine Nacht. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 18. Juli 2023 (Osman und Altay / Türkei) stellte im Zusammenhang mit in Haft zurückgehaltenen Zeitschriften einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit nach Art. 10 EMRK fest, wobei Osman Mitbeschwerdeführer war. Neben der Literatur widmet er sich auch der Malerei; in seiner Münchner Wohnung zeigen Aquarelle seine Hoffnungen und Erfahrungen im Exil.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Osman, Menaf |
| ALTERNATIVNAMEN | Othman, Abdelmonaf (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | kurdischer Schriftsteller und Übersetzer |
| GEBURTSDATUM | 1965 |
| GEBURTSORT | Hasaka, Syrien |