Musa Muslihuddin

Musa Muslihuddin (arab. موسى مصلح الدين; DMG: Mūsā Muṣliḥuddīn b. Muṣṭafā b. Kılıç Bey; geb. um 1463/64 in Sarı Mahmudlu bei Denizli (Türkei); gest. 12. April 1552 in Istanbul), bekannt als (türk.) Merkez Efendi, war ein osmanischer Gelehrter, Sufi und Scheich des Halvetī-Sünbülī-Zweiges der Halvetīya.

Leben

Merkez Efendi Mausoleum – Eingangstor.

Merkez Efendi lebte während der Regierungszeiten der osmanischen Sultane Mehmed II. (1451–1481), Bayezid II. (1481–1512), Selim I. (1512–1520) und Süleyman I. (1520–1566) und wirkte damit in einer Epoche des politischen und kulturellen Aufstiegs des Osmanischen Reiches.

Nach seiner ersten Ausbildung in seiner Heimat ging Merkez Efendi 1478 nach Bursa. Dort studierte er etwa fünfzehn Jahre und erhielt die Lehrbefugnis (iǧāza). Etwa 1493 zog er nach Istanbul, wo er seine Studien bei Ahmed Pascha fortsetzte, dem Sohn des ersten Richters (ḳāḍī) Istanbuls, Hızır Bey.

Merkez Efendi heiratete nach seiner ersten Ehe Şah Sultan, eine Tochter des osmanischen Sultans Selim I. Nach der in den Quellen vorherrschenden Auffassung erfolgte die Heirat erst nach der Trennung Şah Sultans von Lütfi Pascha.

Hinwendung zum Tasawwuf

Während seiner Studienzeit wandte sich Merkez Efendi dem Sufismus zu. Er suchte den Halvetī-Scheich Ḥabīb Ḳaramānī auf und bat um Aufnahme als Schüler. Dieser lehnte jedoch ab, da seine mystische Ausbildung durch einen Anderen erfolgen werde. Zugleich verlieh er ihm den Beinamen Muṣliḥuddīn und empfahl ihm, als Prediger tätig zu werden.

In Istanbul hielt Merkez Efendi Predigten in der Hagia Sophia, unterrichtete Tafsīr und Hadith und besuchte die Zusammenkünfte verschiedener Sufi-Scheichs. Zunächst stand er Sünbül Sinan gegenüber zurückhaltend, schloss sich später jedoch dessen Orden an. Nach Abschluss seiner spirituellen Ausbildung erhielt er die Lehrbefugnis (ḫilāfa) und begann seine Tätigkeit zunächst in einer Halvetī-Tekke in Aksaray.

Später entsandte ihn Sünbül Sinan nach Manisa, wo er auf Wunsch von Hafsa Sultan (Mutter Sultan Süleymans I.) die Leitung der Külliye übernahm. Die hohe Wertschätzung, die Merkez Efendi durch seinen Lehrer Sünbül Sinan genoss, kommt auch in einer überlieferten Aussage zum Ausdruck. Demnach soll Sünbül Sinan geäußert haben: „Wer Ğunayd al-Baġdādī und Bāyazīd Bistāmī nicht gesehen hat, der soll unseren Merkez Efendi ansehen.“

Nach dem Tod Sünbül Efendis im September 1529 kehrte Merkez Efendi von Manisa nach Istanbul zurück. Da Sünbül Efendi keinen Nachfolger bestimmt hatte und lediglich zur Gefolgschaft gegenüber seinem Nachfolger aufgerufen haben soll, blieb die Nachfolge zunächst offen. Nachdem Merkez Efendi etwa zehn Tage nach dem Tod seines Lehrers im Ordenszentrum eingetroffen war, wurde er schließlich als dessen Nachfolger anerkannt und übernahm die Leitung des Ordens.

Ausbreitung

Zwischen Merkez Efendi und Sultan Süleyman I. bestand seit ihrer gemeinsamen Zeit in Manisa eine enge Beziehung, die auch nach dessen Thronbesteigung fortdauerte. Im Jahr 1537 ernannte der Sultan ihn zum Scheich des Feldheeres während des Korfu-Feldzugs. Zudem förderte er die Ausbreitung des Halvetī-Sünbülī-Ordens und unterstützte Merkez Efendi durch die Stiftung von Ordenshäusern, Moscheen und Stiftungen.

Grab von Merkez Efendi, Istanbul.

Zur Organisation und Ausbreitung des Ordens setzte Merkez Efendi an verschiedenen Orten eigene Stellvertreter und Nachfolger ein. Seine Schüler wirkten anschließend in Istanbul und weiteren Teilen des Osmanischen Reiches, darunter in Üsküdar, İstinye, Çatalca, Tire, Kütahya und Çorlu. Auf diese Weise entwickelte sich der Halvetī-Sünbülī-Orden unter seiner Leitung weit über sein ursprüngliches Zentrum hinaus.

Tod

Merkez Efendi starb 1552 in Istanbul und wurde neben dem von ihm gegründeten Orden außerhalb des Mevlevî-Tors beigesetzt. Über seinem Grab wurde später eine Mausoleum errichtet.

Nach Angaben von Yûsuf b. Yaʿkūb leitete Schaich al-Islam Ebüssuûd Efendi das Totengebet in der Fatih-Moschee. Ihm wird zudem die Aussage zugeschrieben, Merkez Efendi sei einer der aufrichtigsten Menschen seiner Zeit gewesen.

Arzt und Heilkunde

In den eher volkstümlichen Überlieferung gilt Merkez Efendi häufig als Arzt. In den zeitgenössischen und frühen Quellen finden sich jedoch keine eindeutigen Hinweise auf eine Tätigkeit als Mediziner. Auch die später verbreitete Auffassung, er habe als Arzt im Darüşşifā der Hafsa-Sultan-Külliye in Manisa gewirkt, wird von der neueren Forschung überwiegend abgelehnt. Da dieses erst nach seinem Weggang aus Manisa errichtet wurde, gilt eine dortige ärztliche Tätigkeit als unwahrscheinlich.

Einzelnachweise

  1. Murat D. Çekin: Zeytinburnu Kültür Vadisi. Band 1, Nr. 54. Zeytinburnu Belediyesi Kültür Yayınları, Istanbul/Zeytinburnu 2018, ISBN 978-975-2485-26-6.
    1. ↑ S. 305
    2. ↑ S. 296
    3. ↑ S. 302
    4. ↑ S. 297
    5. ↑ S. 316
  2. Reşat Öngören: Merkez Efendi. In: İslam Ansiklopedisi (Hrsg.): Türkiye Diyanet Vakfı. 1. Auflage. Band 29. TDV, İstanbul 2004, ISBN 978-975-389-415-9, S. 200–202.
    1. 1 2 S. 200
    2. 1 2 3 4 S. 201
    3. ↑ S. 200-201
    4. ↑ S. 203
    5. ↑ S. 307-308
  3. ↑ HIZIR BEY. Abgerufen am 21. Juli 2026 (türkisch).
Personendaten
NAME Muslihuddin, Musa
ALTERNATIVNAMEN Merkez Efendi
KURZBESCHREIBUNG islamischer Mystiker
GEBURTSDATUM um 1463
GEBURTSORT Denizli
STERBEDATUM 12. April 1552
STERBEORT Istanbul