Metatron

Metatron oder Mattatron (hebr. מטטרון; aus dem lateinischen mētātor, „Vermesser“) ist ein hochrangiger Engel in der jüdischen und islamischen Mythologie. Heutzutage wird er besonders in der jüdisch-christlichen Esoterik verehrt. Metatrons Funktionen in den verschiedenen Religionen sind nicht einheitlich und daher auch nicht eindeutig zu bestimmen.

Jüdische Überlieferung

Meṭaṭron wird im babylonischen Talmud in drei Traktaten der Mischna erwähnt.

Der Sohar bezeichnet Metatron als jenen Engel, der das Volk Israel während des Exodus aus Ägypten durch die Wildnis führte. Er übermittelt den Willen des Schöpfers an Propheten und andere Engel, darunter den Erzengel Gabriel und Samael, sowie Dämonen.

Bestimmte religiöse Schulen betrachten ihn als den von Gott in den Status eines Seraphen erhobenen Henoch. Er wurde zum höchstrangigen Mitglied in der himmlischen Hierarchie nach dem Schöpfer, zum „Statthalter des Himmels“ und „König der Engel“. Er gilt als Engel des Anfangs und des Endes.

Islamische Darstellung

Bildliche Darstellung des islami­schen Engels Metatron in Daqa’iq al-Haqa’iq (دقائق الحقایق „Fakten in Kürze“) von Nasir ad-Din Rammal, 14. Jh.

Die früheste Darstellung des Engels Metatron in islamischen Schriften findet sich womöglich im Koran selbst. Demnach wäre der in Sure 9:30-31 genannte Uzair, den Juden vermeintlich als einen „Sohn Gottes“ verehren würden, eigentlich ein anderer Name für den Propheten Henoch, der wiederum mit Metatron in den Merkaba-Traditionen identifiziert wurde. Islamische Häresiologen beschuldigten Juden wiederholt, einen Engel als stellvertretenden Gott oder als Inkarnation Gottes zu verehren, besonders an Rosch ha-Schana. Auch der Name selbst kann bereits bei Al-Kindi und Al-Masudi bezeugt werden. In einem drusischen Text wird Metatron unter den anderen vier kanonischen Erzengeln, Gabriel, Michael, Raphael und Azrael eingeordnet. Al-Suyuti beschreibt ihn als den Engel des himmlischen Schleiers und als den einzigen, der weiß, was hinter diesem liegt. Metatron taucht ebenfalls häufig in magischen Werken auf. Ahmad al-Buni beschreibt Metatron mit einer Krone und einer Lanze, wobei die Lanze wahrscheinlich den Stab des Moses ersetzt. Aber auch in anderen magischen Praktiken wird Metatron genannt, um böse Dschinn, Satane und Zauber von Magiern abzuwehren.

Populäre Rezeptionen

Literatur

Commons: Metatron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ „GEMAṬRIA: Meṭaṭron“. Jewish Encyclopedia
  2. ↑ perseus.tufts.edu
  3. ↑ marquette.edu
  4. ↑ Chagiga 15a; Sanhedrin 38b; Avoda sara 3b. Vgl. Gershom Scholem: Metatron. In: Encyclopaedia Judaica. 2. Auflage. Band 14, S. 132–134, hier 132.
  5. Steven M. Wasserstrom: Between Muslim and Jew: The Problem of Symbiosis under Early Islam. Princeton University Press, Princeton, NJ 2014, ISBN 978-1-4008-6413-3 (englisch).
    1. ↑ 184
    2. 1 2 192
    3. ↑ 193
    4. ↑ 198
    5. ↑ 199
  6. ↑ Hava Lazarus-Yafeh: Intertwined Worlds: Medieval Islam and Bible Criticism. Princeton University Press, 2004, ISBN 1-4008-6273-6, S. 32. (englisch)
  7. ↑ Michael Muhammad Knight: Magic In Islam. Penguin, 2016, ISBN 978-1-101-98349-2, S. 120.
  8. ↑ Stephen Burge: Angels in Islam: Jalal al-Din al-Suyuti's al-Haba'ik fi akhbar al-mala'ik. Routledge, 2015, ISBN 978-1-136-50473-0, S. 302. (englisch)
  9. ↑ metatrons.net
  10. ↑ Bibliographische Details siehe: https://d-nb.info/994009364
  11. ↑ Die Engel-Liste von Eco ist einsehbar unter: https://sites.google.com/site/sobottamagdeburg/startseite/themen/namen-von-engeln
  12. 1 2 Hans Malicky und Pongsak Laudee: Fünf neue Köcherfliegen (Trichoptera) aus Laos und Myanmar. In: Linzer biologische Beiträge. Band 49/2, 2017, S. 1447-1452. (PDF).