Metin Arditi

Metin Arditi (2011)

Metin Arditi (* 2. Februar 1945 in Ankara) ist ein französischsprachiger Schriftsteller, Mäzen und Unternehmer und lebt seit seiner Kindheit in Genf. Er gründete die niederschwellig im israelisch-palästinensischen Konflikt vermittelnde Stiftung Fondation les Instruments de la Paix. Um nicht bei der Musik zu verbleiben, soll die Fondation Arditi pour le dialogue interculturelle auch das Gespräch fördern.

Leben

Metin Arditi stammt aus einer assimilierten Familie ladinosprachiger Juden. Nach seiner Geburt zog die Familie nach Istanbul. Seine Mutter Rachel Arditi, geborene Albukrek, wurde für ihre ausgezeichneten Türkischkenntnisse gelobt, was unter den Juden in der Türkei selten war. Atatürk soll an einem Ball mit ihr getanzt haben. Die Familie seines Vaters war aus Russe im heutigen Bulgarien nach Ankara gekommen.

Zunächst hatte er ein katholisches Kindermädchen, eine Madamika, von der er mit der Zustimmung seines Vaters unter anderem das Vaterunser lernte. Ab Februar 1952 besuchte ein Internat in der Westschweiz (vermutlich Le Rosey), in dieser Zeit kehrte er nur während einem Aufenthalt von acht Tagen in die Türkei zurück. Eine improvisierte Unterweisung für seine Bar Mitzwa mit 13 Jahren erhielt er von einer protestantischen Lehrerin der Schule. So war seine Kindheit von der Erfahrung langer Trennung von seinen Eltern und den sommerlichen Aufenthalten mit der Mutter in verschiedenen Grand Hotels in Frankreich, Italien und der Schweiz geprägt. Sein Vermögen stammt aus dem Exportgeschäft seines Vaters, dieser handelte unter anderem mit Schweizer Präzisionsprodukten, wie Präzisionswaagen, für die er in der Türkei eine Distribution aufbaute.

Er studierte Physik und Wirtschaftswissenschaften an der École polytechnique fédérale de Lausanne. Mit 20 Jahren heiratete er zum Entsetzen beider Familien eine griechisch-orthodoxe Griechin, was er als „zweifache Mischehe“ bezeichnet hat. 1990 begegnete er Jeanne Hersch, mit der ihn danach eine Freundschaft verband. Nach dem Tod seines Vaters beschäftigte er sich zum ersten Mal intensiver mit dem jüdischen Erbe, ohne sich für eine eigene Lebenspraxis zu entscheiden. Mit dem Israel der säkularen Gründergeneration identifizierte er sich punktuell und insbesondere im Jahr 1967.

Im Oktober 2009 besuchte er erstmals seit 30 Jahren Jerusalem, um in Ramallah und Bethlehem Musikschulen einen Besuch zu machen. Am israelischen Kontrollposten Kalandia beobachtete er eine Behandlung von Palästinensern, die er als entwürdigend empfand. Arditi schreibt, dass zu sehen und ansatzweise zu verstehen, was die israelische Besatzung des Westjordanlandes bedeutet, ihn zu einem Juden gemacht hat, was andere prägende Erlebnisse in seinem Leben nicht vermocht haben. Er wehrt sich gegen die Vereinnahmung der jüdischen Diaspora durch Israels Regierung. Die Aussage, wonach Antizionismus mit Antisemitismus gleichzusetzen sei, weist er zurück. Arditi verurteilt Benjamin Netanjahu mit harten Worten.

Seinen persönlichen Beitrag sieht Arditi in der Musikförderung in Palästina und zugunsten Benachteiligter in Israel. Dabei half ihm ein Freund, der palästinensische Diplomat und Schriftsteller Elias Sanbar. Weit davon entfernt, das Rad neu erfinden zu wollen, suchte und fand er die Zusammenarbeit mit den sieben Musikschulen des West-Eastern Divan Orchestra. Die Stiftung finanziert Musikinstrumente, bezahlt die Lehrer und die Mieten, zudem finanziert sie Austauschbesuche mit dem Genfer Konservatorium. Sie finanziert Musiktourneen und eine von Bundesrat Didier Burkhalter eingeweihte Fabrikations- und Reparaturstätte für Saiteninstrumente in Palästina. Auch zwei Schulen für Chorgesang in Hebron und Bethlehem werden finanziert.

Ende 2013 wurde der Entschluss gefasst, wesentlich mehr für den Frieden zu tun. Da, wie Artiti darlegt, Musik Konflikte besänftigen und Dialog fördern kann, aber nicht allein die Überwindung von zugrundeliegenden Ursachen herbeiführen kann. Gemeinsame fiktionale Schreibwerkstätten von jungen Israelis und Palästinensern bzw. Palästinensern und Israelis sollen eine Grundlage schaffen. Das Projekt erhielt den Namen „In den Schuhen des Anderen“, wobei sich die Schreibenden vorstellen sollen, sie wären Palästinenser, oder sich vorstellen sollen, sie wären Israelis. Dieses Projekt hatte, anders als die Musik, mit mehr Ablehnung umzugehen. Mit BDS verbundene palästinensische Kulturinstitutionen lehnten „In den Schuhen des Anderen“ ab. Arditi nahm durch Vermittlung des Leiters der Musikschulen an einem Abendessen mit Omar Barghouti in Ramalla teil. Dieser lehnte es ab, ein Projekt zu unterstützen, dass Normalität im israelisch-palästinensischen Verhältnis vorzutäuschen scheint. Der Versuch, das Projekt über Social Media aufzubauen erwies sich als unergiebig. Auf das Misstrauen der israelischen Verwaltung reagiert Metin Arditi in einem seiner Bücher mit einem waadtländischen Witz, und zeigt, dass er bei aller Selbstverständlichkeit, mit der er in Israel als Jude auftritt, doch die Distanz des Schweizers besitzt.

Anfang Juli 2014 gelang es Arditi den Schauspieler Shlomi Elkabetz zu überzeugen. Neu sollte das Projekt zwischen jüdischen und palästinensischen Israelis stattfinden, helfen wollten auch Amos Elad, Ronit Matalon, Avner Holtzmann, Ariel Hirschfeld, Ranan Rein und andere Akademiker. Metin Arditi erwies sich als guter Netzwerker. In der Schweiz überzeugte er die Altbundesräte Micheline Calmy-Rey (SP) und Pascal Couchepin (FDP) in den Stiftungsrat seiner Friedensinitiative einzutreten. Ende Oktober 2014 fand der erste jährliche Schreibwettbewerb statt. 550 Kurzgeschichten wurden eingereicht. Einige Texte wurden für jüdisch-arabische Theatergruppen vor vollen Rängen an der Universität Tel Aviv als Bühnenstücke aufgeführt.

Zitate

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Metin Arditi: Comment je suis devenu juif en dix leçons (avant de virer parano) (= Le Temps et Heidi.news [Hrsg.]: Kraft : La collection des idées. Nr. 7). Georg Éditeur, 2024, ISBN 978-2-8257-1358-7, ISSN 2813-7701, S. Monografie.
  2. ↑ Lettre International. Winter 2005, S. 116–119.
Personendaten
NAME Arditi, Metin
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Schriftsteller, Immobilienmakler und Mäzen
GEBURTSDATUM 2. Februar 1945
GEBURTSORT Ankara, Türkei