
Die Metternich-Stele ist eine magisch-medizinische, sogenannte Horus-Stele, die sich heute in der ägyptischen Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York City (MMA 50.85) befindet. Sie wird in die Regierungszeit von Nektanebos II. (30. Dynastie, ca. 380–342 v. Chr.) datiert.
Die Stele gehört zu einer Gruppe von Stelen, die als „Horus Cippi“ oder Stelen des „Horus auf den Krokodilen“ bekannt sind, und ist eine der größten, vollständigsten und am besten erhaltenen ihrer Art. Wahrscheinlich wurde Wasser über ihre Oberfläche gegossen, um es mit der Schutzkraft der Inschriften und Bilder aufzuladen; dieses magische Wasser sollte gegen Vergiftungen und Angriffe gefährlicher Tiere wie Schlangen und Skorpione verwendet werden.
Nach den Angaben auf der Stele stammt sie vermutlich aus Heliopolis: Ein Priester namens Nesatum („Der zum Gott Atum Gehörige“) soll dort die Begräbnisstätte des Mnevisstiers besucht und einen Block mit der auf die Stele kopierten (wörtlich: erneuerten) Inschrift gefunden haben. Möglicherweise wurde sie unter den Ptolemäern anschließend nach Alexandria verbracht.
Die Stele wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in einem Franziskanerkloster in Alexandria gefunden.
Laut MMA wurde die Stele 1828 von Mohammed Ali dem österreichischen Fürsten Metternich überreicht, nach dem Ersten Weltkrieg von Jean Lombard (Genf) erworben und 1950 an das Museum verkauft.
Die Metternichstele besteht aus einem monolithischen Stein aus grünlicher Grauwacke, mit einem abgerundeten oberen Teil und einem Sockel. Sie ist bis auf kleinere Beschädigungen sehr gut erhalten. Die Inschriften und Reliefs sind hochwertig und fein ausgearbeitet.
Die Vorderseite wird von einem Hochrelief des kindlichen Horus dominiert, der auf Krokodilen steht und Schlangen, Skorpione sowie andere gefährliche Tiere bezwingt. Umgeben ist die zentrale Figur von mehreren Registern mit Gottheiten, Schutzsymbolen und magischen Szenen. Im oberen Register erscheint die Sonnenscheibe des Re mit vier Widderköpfen, flankiert von Thot und König Nektanebos II. Die kurzen Begleittexte preisen Re und beschreiben Thot als göttlichen Exorzisten gegen Gift und Unheil.
Alle Seiten der Stele einschließlich des Sockels sind beschriftet. Die Inschriften enthalten neben der Herkunftsgeschichte des Stelentexts (s. o.) magisch-medizinische Beschwörungen und die mythologische Schilderung, wie das Horuskind vergiftet und von Thot anschließend geheilt wird.