Michael Bálint (* 3. Dezember 1896 in Budapest, Österreich-Ungarn als Mihály Maurice Bergsmann; † 31. Dezember 1970 in London) war ein ungarisch-britischer Psychoanalytiker und der bedeutendste Schüler Sándor Ferenczis.

Bálint wurde 1896 als Sohn eines praktischen Arztes in Budapest geboren. Seine Eltern waren ungarische Juden. Später konvertierte er zum Unitarismus und magyarisierte seinen Namen von Bergsmann nach Bálint. Von 1914 bis 1920 studierte Bálint in Budapest Medizin. Er war in dieser Zeit auch Soldat im Ersten Weltkrieg. 1921 heiratete er Alice Székely-Kovács, eine Tochter der angehenden Psychoanalytikerin Vilma Kovács, und ging mit ihr nach Berlin, wo beide bei Hanns Sachs eine Lehranalyse erhielten und eine psychoanalytische Ausbildung am Psychoanalytischen Institut begannen. 1924 wurde er in Berlin in Physik und Chemie mit einer Arbeit über eine jodometrische Mikrobestimmung des Natriums promoviert. Im selben Jahr kehrte er nach Budapest zurück, wo er die psychoanalytische Ausbildung bei Sándor Ferenczi fortsetzte und abschloss. Später agierte er auch als Herausgeber von dessen Schriften. Seit 1926 war er als Lehranalytiker am Psychoanalytischen Institut in Budapest zugelassen. 1929 publizierte er eine Arbeit über Psychoanalyse und klinische Medizin, die ihn zu einem der Pioniere der psychosomatischen Medizin machte. 1935 wurde er als Nachfolger Ferenczis Direktor des Budapester Psychoanalytischen Instituts. Sein erstes Buch publizierte er 1938 als Herausgeber der Werke Ferenczis. Er schrieb in ungarischer, deutscher und englischer Sprache.
Der Antisemitismus im Horthy-Regime veranlasste ihn, 1939 mit Frau und Kind nach England zu emigrieren, er ging zunächst nach Manchester und später nach London. Seine Frau Alice verstarb 1940 an einer Gehirnblutung. 1945 erfuhr Balint, dass seine ín Ungarn verbliebenen sich angesichts der drohenden Verhaftlung durch die Nationalsozialisten suizidiert hatten. 1947 nahm er seine Arbeit an der Londoner Tavistock Clinic auf, wo er, zusammen mit seiner zweiten Frau Enid Bálint, seine Forschungen am Family Discussion Bureau begann. 1948 erlangte er einen "Master of Science" im Fach Psychologie mit einer Arbeit über individuelle Verhaltensunterschiede im frühen Säuglingsalter. Er entwickelte in den 1950er Jahren in Großbritannien eine Reflexions-Gruppe für Ärzte („Bálint-Gruppe“), bei der in Form der Supervision die Beziehung der Ärzte zu ihren Patienten psychoanalytisch thematisiert wurde. 1968 wurde er zum Präsidenten der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft gewählt.
Bálints vorrangiges Interesse galt der Wirkung der frühkindlichen Erfahrung, der frühen Mutter-Kind-Beziehung und der Entwicklung neuer therapeutischer Techniken (z. B. der Fokaltherapie).
Er setzte sich intensiv mit dem Einfluss unbewusster Phantasien des Arztes gegenüber dem Patienten auseinander. Dabei zeigte er auf, dass psychologische Komplexe vom Arzt unreflektiert auf den Patienten übertragen werden können und so sowohl die Haltung dem Patienten gegenüber als auch therapeutische Entscheidungen wesentlich mitbestimmen.
In der 1959 erstmals erschienenen Schrift Angstlust und Regression stellte Bálint die Dynamik des Autonomie-Abhängigkeitskonflikts vertieft dar. Durch Einführung des Begriffspaares Oknophilie und Philobatismus bereicherte er das Verständnis des Psychologischen Grundkonflikts der innerseelischen Dynamik nachhaltig.
Im Jahre 1950 fand das erste Seminar für Allgemeinmediziner statt, eine Fallbesprechungsgruppe, in der es um die Auseinandersetzung mit den in der allgemeinärztlichen Praxis auftretenden psychologischen Dynamiken ging. Als sogenannte Bálintgruppen haben diese Seminare inzwischen weltweit Verbreitung gefunden.
Diese Seminare boten Hausärzten Gelegenheit, miteinander und mit Balint Aspekte ihrer Arbeit mit Patienten zu diskutieren. Seit seinem Tod ist die Fortsetzung dieser Arbeit durch die Gründung der Balint Society gesichert. In Deutschland gehört die Pflegewissenschaftlerin Hilde Schädle-Deininger zu den Befürworterinnen von Bálintgruppen in der psychiatrischen Pflege.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Balint, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | Bergsmann, Mihály Maurice |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarisch-britischer Psychoanalytiker |
| GEBURTSDATUM | 3. Dezember 1896 |
| GEBURTSORT | Budapest |
| STERBEDATUM | 31. Dezember 1970 |
| STERBEORT | London |