Michael Bohnet

Michael Bohnet (* 10. Juni 1937 in Berlin; † 1. März 2026) war ein deutscher Ökonom, Hochschullehrer und Ministerialdirektor (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ).

Leben

Michael Bohnet wurde 1937 in Berlin geboren und 1943 nach Tumlingen evakuiert. Dort legte er 1956 am Kepler-Gymnasium in Freudenstadt (Schwarzwald) sein Abitur ab. Von 1956 bis 1959 studierte er Technische Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Karlsruhe (Technische Hauptprüfung im Fach Maschinenbau 1959), danach Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin (Diplom-Volkswirt 1962). Von 1962 bis 1966 war Bohnet wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie bei Andreas Paulsen an der Freien Universität Berlin. Er promovierte an der FU Berlin 1966 mit dem Thema External Economies unter besonderer Berücksichtigung ihrer Bedeutung für Entwicklungsländer zum Dr. rer. pol. Es folgte eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Referent beim Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München.

1973 trat Bohnet in das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein und arbeitete in der dortigen Planungsgruppe. 1974 kehrte er nach München zurück und übernahm die Leitung der Afrika-Studienstelle und der Abteilung Entwicklungsländer des Ifo-Instituts. Er erstellte im Auftrag des BMZ die ersten Länderhilfeprogramme für Marokko, Tansania und Kenia. 1978 wechselte er wiederum ins BMZ und übernahm dort die Leitung des Planungs- und Forschungsreferats. Er war Mitglied der deutschen Delegation bei den Weltwirtschaftsgipfeln in Tokio 1979, Venedig 1980, Versailles 1982 sowie beim Nord-Südgipfel in Cancún 1981.

Ab 1982 leitete er das UN-Referat des BMZ und war deutscher Delegierter im Verwaltungsrat von UNDP in New York. Von 1985 bis 1990 leitete er das Evaluierungs- und Inspektionsreferat des BMZ. Unter seiner Federführung erschien 1988 die Schrift Aus Fehlern lernen.

1990 habilitierte sich Bohnet im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Duisburg. Seine Habilitationsschrift behandelte das Thema Umschuldungen öffentlicher und privater Forderungen an Entwicklungsländer.

1990 wurde Bohnet von Bundesminister Warnke zum Unterabteilungsleiter (Ministerialdirigent) im BMZ berufen. Er übernahm die Leitung der Unterabteilung „Sektorale und übersektorale Entwicklungspolitik“. Er arbeitete u. a. an der Fragestellung mit, wie die alten DDR-Entwicklungsprojekte in Projekte des wiedervereinigten Deutschlands überführt werden konnten.

1994 wurde Bohnet zum außerplanmäßigen Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Duisburg ernannt, wo er bis zum Jahre 2004 lehrte.

Von 1992 bis 1998 war Bohnet zentraler Verhandler bei den acht großen Weltkonferenzen: Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio (1992), Weltbevölkerungskonferenz in Kairo (1994), Kleine Inselstaaten in Barbados (1994), UN-Weltfrauenkonferenz in Peking (1995), Weltgipfel für soziale Entwicklung in Kopenhagen (1995), Weltsiedlungsgipfel in Istanbul (1996), Welternährungsgipfel in Rom (1996) und Sondergeneralversammlung Drogen in New York (1998). Die Times hat ihn mehrmals zu den weltweit wichtigsten Personen im Bereich „Umwelt und Entwicklung“ gewählt.

1992 wurde Bohnet in den Ausschuss der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Kirchliche Mittel für Entwicklungsländer“ berufen, dem er bis 2002 angehörte.

1998 wurde Bohnet von Bundesminister Spranger zum Ministerialdirektor ernannt und übernahm im BMZ die Leitung der Abteilung „Multilaterale Zusammenarbeit, Entwicklungspolitik der Europäischen Union, Sektorale und Übersektorale Entwicklungspolitik“, im Jahre 1999 die Leitung der Abteilung „Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit, Integration aller entwicklungspolitischen Maßnahmen“ und gleichzeitig die Aufgabe des stellvertretenden Staatssekretärs.

Überdies war er von Ende 2001 bis Ende 2002 Sonderbeauftragter des BMZ für den Wiederaufbau Afghanistans.

2002 wurde Bohnet von Bundespräsident Rau das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Von 2002 bis 2007 war Bohnet Mitglied des chinesischen Umweltbeirats.

Von 2003 bis 2007 war Bohnet Beauftragter des BMZ für die neuen EU-Länder und beriet die dortigen Regierungen bei ihrem Übergang vom Nehmer zum Geber und der Erarbeitung ihrer eigenen entwicklungspolitischen Konzeptionen.

2019 veröffentlichte Bohnet das Werk Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik; Strategien, Innenansichten, Erfolge, Misserfolge, Zeitzeugen, Herausforderungen.

Michael Bohnet war Mitherausgeber der wissenschaftlichen Schriftenreihen des IFO-Instituts Afrika-Studien, Afrika-Forschungsberichte, Studien zur Entwicklungsforschung und der Forschungsberichte das BMZ und verfasste mehr als 70 Fachartikel.

Privates

Michael Bohnet war seit 1970 verheiratet mit der Lektorin Adelheid Bohnet-von der Thüsen, promoviert und hatte zwei Söhne.

Publikationen

Funktionen und Mitgliedschaften

Ehrungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Traueranzeige in der FAZ vom 7. März 2026, abgerufen am 7. März 2026
  2. ↑ Duisburger Universitäts-Report, 2/1999, S. 19
  3. ↑ Entwicklung und Zusammenarbeit 35/1994, S. 8
  4. 1 2 The Earth Times: The Establishment. April 2001, S. 22.
  5. ↑ Evangelischer Entwicklungsdienst, Arbeitsbericht, 1999/2000, S. 20
  6. ↑ BMZ-Pressemitteilung vom 12. Juli 1999, 114/99
  7. ↑ BMZ-Pressemitteilung vom 17. Dezember 2002, S. 1
  8. 1 2 Generalanzeiger 14./15. Dezember 2002, S. 10
  9. ↑ FAZ, 13. Dezember 2002, S. 18
  10. ↑ Süddeutsche Zeitung, 16. Januar 2006, S. 2
  11. ↑ Denkanstösse 91, Piper Verlag, 1990, S. 2
  12. ↑ Berufung in den Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit durch Minister Egon Bahr (Brief von Egon Bahr an das IFO-Institut München vom 30. September 1975)
  13. ↑ EADI (European Association of Develpment Research and Training Institutes), Bulletin Nr. 1, 1976
  14. ↑ Fortbildungszentrum für Wirtschafts- und Sozialstatistker, Carl Duisberg-Gesellschaft, Sondernummer 10/11, April 1983, S11
  15. ↑ Institut für Afrikakunde, Protokoll der Kuratoriumssitzung vom 26. Juni 1998
  16. ↑ Verein für Socialpolitik, Ausschuss Entwicklungsländer, Mitgliederverzeichnis Juli 1990
  17. ↑ GFTZ (Gesellschaft zur Förderung der Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der internationalen , technischen und wirtschaftlichen Zusammenart), Protokoll der Kuratoriumssitzung vom 2. Februar 1998.
  18. ↑ Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, Freiburg, Protokoll der 15. Sitzung des Kuratoriums am 29. Juni 1995
  19. ↑ Evangelischer Entwicklungsdienst. ; Arbeitsbericht 1999 2000, S. 20
  20. ↑ INEF, Schreiben des Dekans des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften vom 17. November 2006
  21. ↑ FAZ, 13. Dezember 2002, S. 18
  22. ↑ ZEF News, ZEF 25 Years, Nr. 49, September 2024, S. 8/9
  23. ↑ Stiftung Entwicklungszusammenarbeit des Landes Baden Württemberg (SEZ), Sitzung des Vergabeauschusses am 16. Januar 2004
  24. ↑ http://www.dreyerstiftung.de
  25. ↑ IEE News No.9, January 2009, S. 15
  26. ↑ Colloquium Humanum, Mitgliederverzeichnis Januar 2021, S. 7
  27. ↑ https://buergerverein-heiderhof.de, Vorstand, S. 4
Personendaten
NAME Bohnet, Michael
KURZBESCHREIBUNG deutscher Volkswirtschaftsprofessor und Ministerialdirektor
GEBURTSDATUM 10. Juni 1937
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 1. März 2026