Über Michael Hebenstreits Leben ist so gut wie nichts überliefert, lediglich einige wenige Partituren von Schauspielmusiken sind erhalten geblieben. Ab 1842 wurde er in den Personallisten des Leopoldstädter Theaters als zweiter Kapellmeister und Komponist neben Adolf Müller senior geführt. 1847 wurde er Müllers Nachfolger als erster Kapellmeister des Theaters, das nach dem Abriss und Neubau unter Direktor Carl Carl seit Dezember 1847 Carltheater genannt wurde, und wo Hebenstreit bis mindestens 1850 tätig war.
Zwischen 1843 und 1850 komponierte er die Schauspielmusiken für elf Theaterstücke von Johann Nestroy.
1853 ist Hebenstreit in Kaschau (Košice) als Theaterkapellmeister nachgewiesen. Hebenstreit war dort der Entdecker und Förderer der späteren Opernsängerin Etelka Gerster (1855–1920), der er als Kind Gesangsunterricht erteilte, worauf sie als Achtjährige Soli in Schulaufführungen sang. Offenbar verbrachte Hebenstreit seine letzten Lebensjahre in Košice, wo er 1873 starb.
Rezeption
Ein zeitgenössische Rezeption von Hebenstreits Komposition fand augenscheinlich nur in Zusammenhang mit den Aufführungen der jeweiligen Theaterstücke statt. Hebenstreits Musik wird dabei häufig freundlich besprochen. Der Telegraph urteilte über die Premiere von Johann Fenzls Pierot als Witwer, oder Der verwandelte Elepahnt (1836): „Die Musik des Hrn. Hebenstreit verdient alles Lob und ist dem Genre verständig und glücklich angepasst.“ In einer Rezension zu Martha oder Die Mischmonder Markt-Mägde-Miethung (1848) wurde ausführlich über Hebenstreits (heute verschollene) Musik berichtet:
„Herr Hebenstreit benützte das Bischen Terrain, das ihm hier geboten ward, mit möglichstem Geschick. Als die gelungensten Piecen lassen sich folgende bezeichnen: Die Ouvertüre; ein Entreakt mit einem schön vorgetragenen Trompeten- und einem unschön geblasenen Horn-Solo, das Spinnquartett, bei welchem eine bekannte Volksmelodie mit glücklichem Humor angebracht ist und ein von Herrn de Marchion mit kecker Laune gesungenes Weinlied.“
Weniger schmeichelhaft fiel nach der Premiere von Höllenangst die Kritik des Österreichischen Courier aus, der Hebenstreits Musik zu diesem Stück eher abfällig als „– gelinde bezeichnet – mittelmäßig“ wertete.
Urs Helmensdorfer, der Herausgeber einer modernen Edition von Nestroy-Vertonungen, bescheinigt einer Nummer aus Die schlimmen Buben in der Schule (1847), Hebenstreit gelinge „eine Chorballade, die schon beim ersten Hören einschlägt“.
François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. 2. Auflage. Band 4: Gibbons – Kazynsky. Firmin Didot, Paris 1862, S. 274 (Digitalisatin der Google-Buchsuche).
Johann Nestroy:Der Gesang ist ein Proteus. Theaterlieder beim Clavier zu singen. Mit Reproduktionen von Entwürfen, Partituren und Drucken und einer CD „Wie klingt ein Nestroy-Lied?“ Hrsg.: Urs Helmensdorfer (=Wien – Musik und Theater. Band1). LIT Verlag Münster, 2010, ISBN 978-3-8258-0742-9, S.100 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Die meisten Nachschlagewerke (Riemann, Grove, ÖML) und Normdatensätze geben die Lebensdaten „[um] 1812 – [nach] 1850“ an. Diese Angaben sind komplett spekulativ.
Einzelnachweise
12Mária Potemrová: Hudobný život v Košiciach v rokoch 1848–1918: tematická bibliografia. Band 1. Státna vedecká knižnica v Košiciach, Košice 1981, S. 481 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
12Johann Nestroy:Der Gesang ist ein Proteus. Theaterlieder beim Clavier zu singen. Mit Reproduktionen von Entwürfen, Partituren und Drucken und einer CD „Wie klingt ein Nestroy-Lied?“ Hrsg.: Urs Helmensdorfer (=Wien – Musik und Theater. Band1). LIT Verlag Münster, 2010, ISBN 978-3-8258-0742-9, S.100 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
12Herbert Jacob, Marianne Jacob, Thomas Lindenberg, Evelyn Binder:Deutsches Schriftsteller-Lexikon, 1830–1880: Goedekes Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung, Fortführung. Band V.3: N–O. Akademie-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-005194-9, S.92–95 (Werkverzeichnis im Artikel zu Johann Nestroy).
↑A. Heinrich: Almanach für Freunde der Schauspielkunst. Band 17, Berlin 1853, S. 172 u. 404 (Digitalisatin der Google-Buchsuche).
↑Freiheit in Krähwinkel. Posse mit Gesang in zwei Abtheilungen und 3 Akten. 1. Abtheilung: Die Revolution. 2. Abtheilung: Die Reaktion. Mit drei allegorischen illuminirten Bildern. Wallishausser, Wien 1849, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00055517-2.
↑Franz Stieger: Opernlexikon. Teil II: Komponisten, Band 2: G–M. Hans Schneider, Tutzing 1977, ISBN 3-7952-0228-0, S. 482–484.
↑Gesänge aus: Nur eine löst den Zauberspruch, oder Wer ist glücklich? Zauberposse mit Gesang in drei Akten. Berlin 1838, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00057832-2; Nur eine löst den Zauberspruch, oder: Wer ist glücklich? Zauberposse mit Gesang in drei Abtheilungen; aufgeführt im k. k. priv. Theater in der Leopoldstadt. Wallishausser, Wien 1841, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00057968-2.
↑Dienstbothenwirthschaft, oder: Chatoulle und Uhr. Komisches Lokal-Charakterbild mit Gesang in zwei Aufzügen. Zum ersten Male aufgeführt im k. k. priv. Theater in der Leopoldstadt, am 1. März 1840. Mit einem Titel-Bilde. Wallishausser, Wien 1852, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00055511-0.
↑Mönch und Soldat. Charakterbild mit Gesang in drei Akten. Zum ersten Male aufgeführt im k. k. priv. Karl-Theater in der Leopoldstadt, am 6. Oktober 1849. Mit einem Titel-Bilde. Wallishausser, Wien 1850, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00055650-1
↑Eine Posse als Medizin. Original-Posse mit Gesang in drei Akten. Zum ersten Male aufgeführt im k. k. priv. Karl-Theater in der Leopoldstadt, am 2. Dezember 1849. Mit einem allegorischen Bilde. Wallishausser, Wien 1850, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00055658-4.
↑Doctor Faust’s Hauskäppchen, oder: Die Herberge im Walde. Posse mit Gesang in drei Aufzügen. Wallishausser, Wien 1843, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00062184-2; Doktor Faust's Hauskäppchen oder die Herberge im Walde. Posse mit Gesang in drei Acten. Eichele, Stuttgart [1850], urn:nbn:de:bvb:12-bsb00062185-8.
↑Der Pelzpalatin und der Kachelofen, oder: Der Jahrmarkt zu Rautenbrunn. Posse mit Gesang in drei Aufzügen. Wallishausser, Wien 1853, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00059759-8.