
Michael Kegler (* 1967 in Gießen) ist ein deutscher Literaturübersetzer aus dem Portugiesischen, Herausgeber und Literaturkritiker.
Kegler lebte vom vierten bis zum zehnten Lebensjahr auf einer Eisenerzmine in Minas Gerais, dem größten Bergbauzentrum Brasiliens, wo sein Vater als Geologe arbeitete. Er besuchte gemeinsam mit den Kindern der Minenarbeiter die Grundschule auf dem Werksgelände im Stadtgebiet von Congonhas do Campo. Ende 1976 zog die Familie wieder nach Deutschland. Nach dem Abitur an der Herderschule in Gießen und einem abgebrochenen Studium der Agrarwissenschaften leistete Kegler seinen Zivildienst in der psychiatrischen Abteilung am Universitätsklinikum Gießen. Er studierte anschließend an der Frankfurter Goethe-Universität Romanistik, Anglistik und Germanistik und arbeitete neben dem Studium in dem portugiesischen Buchladen „Centro do Livro“ von Teo Ferrer de Mesquita bei der Konstablerwache (inzwischen in Bockenheim). Er besuchte Übersetzerseminare bei der Philologin Ray-Güde Mertin, die vielen deutschen Portugiesischübersetzern als Vorbild diente.
Seit 1992 übersetzt Kegler aus dem Portugiesischen. Von Anfang der 1990er-Jahre bis 2018 schrieb er mehr oder weniger regelmäßig für das Feuilleton der Tageszeitung "Neues Deutschland" (heute nd). Seit 2001 betreibt er die Rezensionswebsite Nova Cultura für Literatur und Musik aus den portugiesischsprachigen Ländern Angola, Brasilien, Kapverde, Guinea-Bissau, Mosambik, Portugal, São Tomé e Príncipe sowie Timor Lorosae, die sich als Fortführung des von 1982 bis 2000 im Verlag Teo Ferrer de Mesquita (TFM) veröffentlichten „boletim“ Nova Cultura versteht und war von 2009 bis zur Auflösung des Vereins 2024 Mitglied im Vorstand der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika (später: Litprom).
Seit 2003 moderiert Kegler regelmäßig auf dem Literaturfestival Correntes d'Escritas im portugiesischen Póvoa de Varzim, seit 2024 kuratiert er dort die Podiumsgespräche zu Literaturübersetzung. Er war Moderator der von 2011 bis etwa 2017 veranstalteten Lesereihe „BrasiLesen“ mit namhaften brasilianischen Autorinnen und Autoren in Frankfurt am Main und wirkte mit im Literaturprogramm Brasiliens als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013.
2014 erhielt Kegler gemeinsam mit Marianne Gareis für seine Übersetzungen aus dem brasilianischen Portugiesisch den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW.
2016 wurde er gemeinsam mit dem brasilianischen Schriftsteller Luiz Ruffato, dessen Werk er übersetzt, mit dem Internationalen Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet.
2021 war er World Literature Fellow for Translation am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien.
2024 hatte Michael Kegler eine Gastdozentur des Deutschen Übersetzerfonds am Institut für Übersetzen und Dolmetschen in Heidelberg inne. Derzeit ist er mit einem Lehrauftrag an der Goethe-Universität Frankfurt am Main tätig.
Er lebt in Diedenbergen bei Hofheim am Taunus.
Fernando Molica
Manuel Tiago (i.e.: Álvaro Cunhal)
Weitere
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kegler, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Übersetzer und Literaturkritiker |
| GEBURTSDATUM | 1967 |
| GEBURTSORT | Gießen |