
Michail Sergejewitsch Swintschuk (russisch Михаил Сергеевич Звинчук; * 19. Juli 1991 in Wladiwostok, RSFSR) ist ein russischer Milblogger und ehemaliger Angehöriger des GRU Speznas, der mittels seines Telegram-Kanals Rybar (russisch Рыбарь, übersetzt: Fischer) durch seine kritische aber unterstützende Begleitung der Russischen Kriegsführung im Krieg gegen die Ukraine in der russischen Militär- und Internetszene bekannt und populär wurde. Mitunter rekurrieren Militäranalysten und Nachrichtenseiten der Westlichen Welt auf Berichte und Reaktionen von Rybar.
Ab dem Alter von 14 Jahren besuchte Swintschuk die Suworow-Militärschule in Moskau. Er absolvierte ein Dolmetscher-Studium in Arabisch und Englisch an einer russischen Militäruniversität.
Anschließend diente er bei der GRU Speznas als Kommandeur einer Einheit für Nachrichtengewinnung und Aufklärung.
Während des von 2013 bis 2024 geführten Russischen Militäreinsatzes in Syrien war er im Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums tätig; aufgrund dieser Tätigkeit wurde er im Jahr 2018 in die ukrainische „Myrotworez“-Liste der „Feinde der Ukraine“ aufgenommen – wegen „Informations- und Propagandakampagnen sowie Manipulationen des russischen Verteidigungsministeriums zur Rechtfertigung der russischen Aggression gegen die Ukraine und von Massakern an Zivilisten in Syrien“. Im Jahr 2019 schied Swintschuk aus dem Militärdienst aus.
Im Dezember 2022 wurde er auf Anordnung des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin in eine Arbeitsgruppe zur Mobilmachung in Russland aufgenommen. Im Januar 2023 wurde er von der Ukraine mit Sanktionen belegt. Im Juni 2023 wurde er von der russischen Verwaltung der annektierten Krim mit dem Orden für Pflichterfüllung für einen „bedeutenden persönlichen Beitrag zur Entwicklung des Journalismus in der Republik Krim, für bei der Erfüllung der Bürgerpflicht gezeigte Initiative und Hingabe sowie anlässlich des Tages Russlands“ ausgezeichnet. Im selben Monat belegte ihn die Europäische Union wegen Handlungen, „die die territoriale Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben und gefährden“ mit Sanktionen. Im November desselben Jahres wurde er mit dem Verdienstorden für das Vaterland II. Klasse ausgezeichnet.
Der Rybar-Kanal auf Telegram wurde von Swintschuk und Denis Shchukin, einem in Moskau ansässigen Programmierer, erstellt. Der Kanal soll laut The Bell (einem russischsprachigen Investigativmedium) zunächst unabhängig gewesen sein, ehe Swintschuk mit einer Agentur für Internet-Forschung von Jewgeni Prigoschin zusammenzuarbeiten begann. Im Zuge der Zusammenarbeit stellte Prigoschin Geldmittel für den Telegram-Kanal bereit, und von Juni 2020 bis August 2021 wurden Posts von Rybar auf der Website der Agentur veröffentlicht. Die Zusammenarbeit mit der Agentur endete 2021 oder 2022.
In einem Interview mit RTVi im Jahr 2022 erklärte Swintschuk, dass etwa 40 festangestellte Mitarbeiter für den Telegram-Kanal tätig seien und das monatliche Budget vier Millionen Rubel betrage. Laut Swintschuk finanziert sich der Kanal durch Spenden. Im Verlauf des Russischer Überfall auf die Ukraine seit 2022 begann Swintschuk mittels Rybar, das im Jahr 2022 bereits 1,1 Millionen Abonnenten verzeichnete, Kritik am strategisch-taktisch und operativen Vorgehen des Russischen Militärs zu üben. Im Oktober 2022 wurde berichtet, dass Waleri Gerassimow, der Chef des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor aufgefordert hatte, den Kanal auf Fake News bzw. Desinformation sowie auf Diskreditierung der russischen Streitkräfte zu überprüfen. Gleichzeitig hatte der Kanal – wie „The Bell“ berichtete – drei Tage vor der Ankündigung der Überprüfung mehrere Beiträge veröffentlicht, in denen für die anstehende Mobilmachung in Russland 2022 geworben wurde.
Im Jahr 2024 berichtete Swintschuk über die Rebellenoffensive in Syrien 2024 und über die damit verbundene Räumung der russischen Marinebasis Tartus.
Im September 2026 berichteten das tschechische Nachrichtenportal Seznam Zprávy sowie das russische Recherchenetzwerk iStories, dass zwei Mitarbeiter des Rybar-Kanals seit Jahren in Berlin wohnen.
Im Oktober 2026 wurden Swintschuk, seine Ehefrau und drei weitere russische Staatsbürger während eines Aufenthaltes in Montenegro von den dortigen Behörden in Risan verhaftet. Konkrete Vorwürfe gegen die Festgenommenen wurden zunächst nicht veröffentlicht, es war lediglich von „Versuchen hybrider Einflussnahme und Destabilisierung“ die Rede. Die Festgenommenen wurden kurz darauf aus Montenegro ausgewiesen; die Behörden ordneten ihre Ausweisung aus Gründen der „nationalen und inneren Sicherheit“ an.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Swintschuk, Michail Sergejewitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Swintschuk, Michail |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Militärblogger |
| GEBURTSDATUM | 19. Juli 1991 |
| GEBURTSORT | Wladiwostok |