
Michel Gsell (* 1979) ist ein Schweizer Musiker, Arrangeur, Komponist und Musikproduzent. Im Pop- und Rockbereich tritt er oft unter dem Künstlernamen Guy Vincent oder Mitch auf.
Michel Gsell wuchs in Luzern auf, wo er seine musikalische Laufbahn in jungen Jahren als E-Bassist der regionalen Jugendband NTSC begann, die seine stilistische Entwicklung früh prägte. Er absolvierte anschliessend eine klassische Ausbildung an der Violine, die er 2003 bei Daniel Dodds an der Musikhochschule Luzern abschloss. Direkt anschliessend führte er seine Studien an der Jazzschule Luzern weiter und absolvierte dort ein Studium in den Fächern Jazz-Komposition und Arrangement bei Rainer Tempel und Dieter Ammann sowie E-Bass bei Herbie Kopf.
Gleichzeitig gründete er Anfang der 2000er-Jahre die fünfköpfige Luzerner Pop-/Rockband Guy Vincent, bei der er als Sänger und Mastermind fungierte und mit der er 2003 das gleichnamige Debütalbum veröffentlichte. Im Jahr 2013 folgte mit der Band das Album Expectations. In den späteren Jahren gingen die Namen Guy Vincent und Mitch als persönliche Pseudonyme in Gsells Arbeit als freischaffender Produzent über.
Gemeinsam mit der Tontechnikerin und Musikerin Anna Murphy betreibt er das Tonstudio Studio_A (ehemals Soundfarm) in Obernau/Luzern. Hier produziert und arrangiert er seit Ende 2022 gemeinsam mit dem Songwriter Peter Steger die Musik der Indie-Band HVCK FYNN (darunter das Album View On The Ocean). Als Co-Produzent ist er zudem gemeinsam mit Murphy für das Synth-Pop-Album Mellowrages (2023) der Zürcher Künstlerin Second Daughter (Miriam Heinzer) verantwortlich. Zudem kooperiert Gsell mit dem Dark-Folk-Projekt MAER (Anna Murphy und Marjana Semkina), für welches er im Studio als Co-Arrangeur wirkte sowie die Violine und Viola (Bratsche) einspielte. Neben seiner Arbeit im Studio_A arbeitet Gsell regelmässig mit nationalen Pop- und Rock-Grössen; so schrieb und produzierte er unter anderem Songs für Eliane, spielte die Streicher für Marc Sways Single Don't You (2024) ein und verfasste die Streicherarrangements für das Album Sunshine & Snow (2012) des Americana-Musikers Reto Burrell. Für das Love (2019) der international bekannten Band Cellar Darling war er ebenfalls für die Streicherarrangements verantwortlich. Darüber hinaus steuerte er Geigeneinspielungen für mehrere Alben der Luzerner Psychedelic-Indie-Band Hanreti bei.
Als gefragter Studiomusiker steuerte er zudem die Geigeneinspielungen für bedeutende Schweizer Alben bei, wie für das Album Endosaurusrex (2017) des berner Mundartartisten Stiller Has sowie für das mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnete Studioalbum I fucking love my life (2019) des Zürcher Songwriters Faber, aber auch auf mehreren Alben der Luzerner Musikerin Heidi Happy.
Als Live- und Sessionmusiker begleitete Gsell über mehrere Jahre die estnische Musikerin Ingrid Lukas auf Europa-Tourneen und wirkte auf ihren Alben Silver Secret (2011) und Demimonde (2015) mit. Zudem spielte er zahlreiche Konzerte in der Live-Besetzung von Heidi Happy (u. a. am Gurtenfestival, Heitere Open Air, Eurosonic Noorderslag und Reeperbahn Festival) und ist festes Bandmitglied sowie musikalischer Leiter der Tour-Konzerte der Popsängerin Eliane. In den frühen 2000er-Jahren gehörte er als Bassist zur festen Hausband der wöchentlichen OpenMic-Reihe im Kaufleuten in Zürich, aber auch bei Soulass, eine Jamsession Band, welche im Bereich des Chaos-Funk agierte. Im Bereich des Mundart-Chansons spielte er in Edith Knüsels Projekt Maigold. Im Herbst 2023 begleitete er die Progressive-Folk-Metal-Band Cellar Darling als Live-Bassist auf deren Europa-Tournee, wobei er zeitgleich im selben Vorprogramm als Live-Geiger für das Duo MAER auftrat.
Zudem gehörte er ab der Entstehung des 21st Century Orchestra die ersten zehn Jahre als Geiger dem Ensemble an. Als Arrangeur schreibt er Partituren und Bearbeitungen für verschiedene Schweizer Klangkörper und Projekte. So verfasste er Orchester-Arrangements für das 21st Century Orchestra mit Lo&Leduc (2018), das Zürcher Kammerorchester (ZKO) mit Gotthard (2015), das Musikfestival The Bash in Andermatt mit Marc Sway (2026) sowie für die Zusammenarbeit des Jazzgeigers Tobias Preisig mit dem Kammerorchester Camerata Golm (2024). Von 2012 bis ca. 2020 war Gsell zudem als Konzertmeister des Christoph Walter Orchestra tätig und spielte in dieser Funktion unter anderem beim Basel Tattoo.
Gsell ist als Komponist für Theaterproduktionen tätig. In der Vergangenheit verfasste er unter anderem die Bühnenmusiken für Inszenierungen des Jugendtheaters Sempach (JUTHE), darunter für die Produktionen Die rote Zora, Don Quichote und Nelli Goodbye. Zu seinen neueren Arbeiten im Theaterbereich gehören Kompositionen für die Märli Biini Stans (Peterchens Mondfahrt 2026) und das Märlitheater Obwalden (Der Salzprinz, 2025, Die Prinzessin auf der Erbse, 2024) in Sarnen. Für das Kirchenzentrum und die Kapelle Höfli in Ebikon komponierte er zudem das «Franziskuslied», welches dreimal täglich über das dortige Glockenspiel erklingt.
Im Hauptberuf arbeitet Gsell in der Administration und Schulleitung der Musikschule Rontal in Ebikon als Bereichsleiter für die Sparten Streich- und Zupfinstrumente, Gesang und Stimmbildung sowie Grundschule. Zudem dirigiert er das dortige Jugend-Projektorchester Arcolegno Orchestra und unterrichtet Violine.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gsell, Michel |
| ALTERNATIVNAMEN | Guy Vincent (Pseudonym); Mitch (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Musiker, Arrangeur, Komponist und Musikproduzent |
| GEBURTSDATUM | 1979 |