Mickalene Thomas

Mickalene Thomas (2017)

Mickalene Thomas (* 1971 in Camden, New Jersey) ist eine US-amerikanische Künstlerin, die mit Malerei, Collage, Fotografie, Video, Druckgrafik, Skulptur und Installation arbeitet. Sie wurde durch großformatige, oft mit Strasssteinen besetzte Darstellungen schwarzer Frauen bekannt, die Sichtbarkeit, Begehren und Selbstbestimmung thematisieren.

Leben

Thomas wuchs in New Jersey auf und zog als Jugendliche nach Portland in Oregon, wo ein Werk von Carrie Mae Weems im Portland Art Museum sie zur eigenen künstlerischen Arbeit anregte. Sie erwarb 2000 am Pratt Institute den Bachelor of Fine Arts und 2002 an der Yale School of Art den Master of Fine Arts; 2003 folgte eine Residency am Studio Museum in Harlem. In Yale wechselte sie von der Abstraktion zur figurativen Kunst und begann auf Anregung eines Dozenten, ihre Mutter Sandra Bush zu fotografieren. Bush, die in den 1970er-Jahren als Model gearbeitet hatte, wurde Thomas’ erste Muse und Gegenstand des Kurzfilms Happy Birthday to a Beautiful Woman, der 2012 kurz vor ihrem Tod uraufgeführt wurde.

Wirken

Thomas entwickelt ihre Gemälde oftmals aus inszenierten Fotografien von Verwandten, Freundinnen und Partnerinnen, die sie zunächst zu Collagen verarbeitet. Acryl, Emaille, Öl, Glitzer und Strasssteine sowie dicht gemusterte Interieurs der 1970er-Jahre prägen ihre Bildsprache. Die selbstbewusst zurückblickenden Modelle unterlaufen tradierte Darstellungen schwarzer Frauen als randständige oder passive Figuren. Thomas greift Kompositionen von Jean-Auguste-Dominique Ingres, Édouard Manet, Henri Matisse, Gustave Courbet und Romare Bearden auf und überführt sie in eine schwarze, weibliche und queere Perspektive. Beispiele sind Le déjeuner sur l’herbe: Les Trois Femmes Noires, ihre monumentale Variation über Manets Gemälde, und ein Selbstporträt nach Courbets L’Origine du monde. Für die Serie Jet Blue bearbeitete sie Pin-up-Fotografien aus Kalendern des Magazins Jet von 1971 bis 1977 und deutete die objektivierenden Vorlagen als Bilder schwarzer weiblicher Handlungsmacht um. In Videoarbeiten wie Angelitos Negros und Me as Muse setzte sie Stimme und Erscheinung der Sängerin Eartha Kitt ein. Die Schau Mickalene Thomas: Origin of the Universe im Brooklyn Museum festigte 2012 ihre internationale Anerkennung. Mit Avec Monet im Musée de l’Orangerie erhielt sie 2022 ihre erste museale Einzelausstellung in Europa und setzte sich mit Claude Monets Seerosenbildern sowie der Verdrängung schwarzer Modelle aus der Kunstgeschichte auseinander. Die 2024 im Broad Museum eröffnete Ausstellung Mickalene Thomas: All About Love vereinte mehr als 80 Arbeiten aus zwei Jahrzehnten und wurde anschließend in Philadelphia und London gezeigt.

Commons: Mickalene Thomas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Mickalene Thomas Takes Los Angeles. In: The New York Times. 26. April 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 Queer Black women shine at timely museum shows by Mickalene Thomas and Simone Leigh. In: Los Angeles Times. 1. Juni 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  3. ↑ In Four New Exhibitions This Fall, Mickalene Thomas Explores the Beauty of the Female Form. In: Vogue. 24. August 2021, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  4. 1 2 Mother, Muse, Mirror. In: The New Yorker. 16. Januar 2016, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Mickalene Thomas’ Dazzling Collages Reclaim Black Women’s Bodies. In: Smithsonian Magazine. 7. September 2021, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  6. 1 2 The Fierce Pride and Passion of Rhinestone Fashion. In: Smithsonian Magazine. 9. August 2019, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  7. 1 2 Mickalene Thomas, up close and very personal. In: Los Angeles Times. 20. April 2012, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  8. 1 2 Mickalene Thomas and Linder review – impossibly exuberant women electrify a body-slam of a show. In: The Guardian. 14. Februar 2025, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  9. ↑ „Es ist gut, die weißen Männer der Kunstgeschichte zu hinterfragen“. In: Monopol. 27. Oktober 2022, abgerufen am 17. Juni 2026.
Personendaten
NAME Thomas, Mickalene
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Künstlerin
GEBURTSDATUM 1971
GEBURTSORT Camden, New Jersey