
Mickalene Thomas (* 1971 in Camden, New Jersey) ist eine US-amerikanische Künstlerin, die mit Malerei, Collage, Fotografie, Video, Druckgrafik, Skulptur und Installation arbeitet. Sie wurde durch großformatige, oft mit Strasssteinen besetzte Darstellungen schwarzer Frauen bekannt, die Sichtbarkeit, Begehren und Selbstbestimmung thematisieren.
Thomas wuchs in New Jersey auf und zog als Jugendliche nach Portland in Oregon, wo ein Werk von Carrie Mae Weems im Portland Art Museum sie zur eigenen künstlerischen Arbeit anregte. Sie erwarb 2000 am Pratt Institute den Bachelor of Fine Arts und 2002 an der Yale School of Art den Master of Fine Arts; 2003 folgte eine Residency am Studio Museum in Harlem. In Yale wechselte sie von der Abstraktion zur figurativen Kunst und begann auf Anregung eines Dozenten, ihre Mutter Sandra Bush zu fotografieren. Bush, die in den 1970er-Jahren als Model gearbeitet hatte, wurde Thomas’ erste Muse und Gegenstand des Kurzfilms Happy Birthday to a Beautiful Woman, der 2012 kurz vor ihrem Tod uraufgeführt wurde.
Thomas entwickelt ihre Gemälde oftmals aus inszenierten Fotografien von Verwandten, Freundinnen und Partnerinnen, die sie zunächst zu Collagen verarbeitet. Acryl, Emaille, Öl, Glitzer und Strasssteine sowie dicht gemusterte Interieurs der 1970er-Jahre prägen ihre Bildsprache. Die selbstbewusst zurückblickenden Modelle unterlaufen tradierte Darstellungen schwarzer Frauen als randständige oder passive Figuren. Thomas greift Kompositionen von Jean-Auguste-Dominique Ingres, Édouard Manet, Henri Matisse, Gustave Courbet und Romare Bearden auf und überführt sie in eine schwarze, weibliche und queere Perspektive. Beispiele sind Le déjeuner sur l’herbe: Les Trois Femmes Noires, ihre monumentale Variation über Manets Gemälde, und ein Selbstporträt nach Courbets L’Origine du monde. Für die Serie Jet Blue bearbeitete sie Pin-up-Fotografien aus Kalendern des Magazins Jet von 1971 bis 1977 und deutete die objektivierenden Vorlagen als Bilder schwarzer weiblicher Handlungsmacht um. In Videoarbeiten wie Angelitos Negros und Me as Muse setzte sie Stimme und Erscheinung der Sängerin Eartha Kitt ein. Die Schau Mickalene Thomas: Origin of the Universe im Brooklyn Museum festigte 2012 ihre internationale Anerkennung. Mit Avec Monet im Musée de l’Orangerie erhielt sie 2022 ihre erste museale Einzelausstellung in Europa und setzte sich mit Claude Monets Seerosenbildern sowie der Verdrängung schwarzer Modelle aus der Kunstgeschichte auseinander. Die 2024 im Broad Museum eröffnete Ausstellung Mickalene Thomas: All About Love vereinte mehr als 80 Arbeiten aus zwei Jahrzehnten und wurde anschließend in Philadelphia und London gezeigt.
| Personendaten | |
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| NAME | Thomas, Mickalene |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1971 |
| GEBURTSORT | Camden, New Jersey |