Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten

Die Zwischenwahlen (englisch U.S. Midterm Elections kurz Midterms; von „Mitte der Amtszeit [des Präsidenten]“ oder auch Halbzeitwahlen) sind in den Vereinigten Staaten diejenigen allgemeinen Wahlen, die alle vier Jahre am bundesweiten Wahltag stattfinden und in die Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten fallen. Dabei werden alle Sitze des Repräsentantenhauses und ein turnusmäßiger Teil (33 oder 34 der 100 Sitze) des Senats neu gewählt. In vielen Bundesstaaten finden am selben Tag zusätzlich Gouverneurswahlen sowie weitere Wahlen zu den Staatsparlamenten und weiteren Ämtern statt. Halbzeitwahlen können die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern und gelten daher auch als politisch bedeutsamer Stimmungstest für die Bundesregierung in der zweiten Hälfte einer Präsidentschaft.

Das Kapitol in Washington, D.C., Sitz des Kongresses. Bei Halbzeitwahlen werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt.

Rolle im politischen System

Die Zwischenwahlen werden oft als Stimmungsbild zur Politik des amtierenden Präsidenten interpretiert: Beispielsweise besaßen die Republikaner im Repräsentantenhaus und die Demokraten im Senat nach den Wahlen im Jahr 2000 eine jeweils knappe Mehrheit. In das Amt des Präsidenten wurde der Republikaner George W. Bush gewählt. Bei den darauf folgenden Halbzeitwahlen 2002 wurde die Politik der Regierung bestätigt: Die Republikaner konnten in beiden Kammern deutliche Stimmengewinne erzielen und im Senat die Mehrheit zurückgewinnen.

Häufig zeigte sich, dass sich zwei Jahre nach einer Präsidentenwahl eine Mehrheit der Partei, die den Präsidenten stellt, schwer verteidigen lässt. So hatten die Republikaner mit dem Sieg von George W. Bush im November 2004 eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses errungen. Bei den Halbzeitwahlen 2006 jedoch konnten die Demokraten in beiden Kammern die Mehrheit übernehmen. Gewinnt eine Partei überdurchschnittlich viele Mandate hinzu, spricht man auch von einer Wave election. Diese kann aber auch parallel zur Präsidentschaftswahl auftreten, wenn sich das Kräfteverhältnis im Kongress wesentlich verändert.

34 der 50 Bundesstaaten wählen ihre Gouverneure alle vier Jahre gleichzeitig mit den Halbzeitwahlen; Vermont und New Hampshire wählen sie gleichzeitig mit den Präsidentschafts- und den Halbzeitwahlen alle zwei Jahre. Viele Staaten wählen auch mit den Halbzeitwahlen zusammen ihre staatlichen Legislativen und die Verwaltungen der Countys.

Übersicht der Zwischenwahlen

Die folgende Übersicht zeigt die politischen Mehrheitsverhältnisse nach den Zwischenwahlen. Die Parteizugehörigkeiten und Mehrheitsverhältnisse beruhen auf den historischen Übersichten des Repräsentantenhauses und des Senats.

Bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzartikels im Jahr 1913 wurden die Senatoren grundsätzlich von den Parlamenten der Bundesstaaten bestimmt. 1914 fanden erstmals sämtliche regulären Senatswahlen als Volkswahlen statt.

1790 bis 1910

Jahr Präsident Politische Zugehörigkeit Repräsentantenhaus Senat
1790 George Washington parteilos regierungsnahe Fraktion regierungsnahe Fraktion
1794 George Washington parteilos Demokratisch-Republikaner Föderalisten
1798 John Adams Föderalisten Föderalisten Föderalisten
1802 Thomas Jefferson Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner
1806 Thomas Jefferson Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner
1810 James Madison Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner
1814 James Madison Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner
1818 James Monroe Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner Demokratisch-Republikaner
1822 James Monroe Demokratisch-Republikaner keine eindeutige Mehrheit;
Adams-Clay-Republikaner stärkste Gruppe
Jackson-/Crawford-Republikaner
1826 John Quincy Adams Adams-Fraktion Jacksonianer Jacksonianer
1830 Andrew Jackson Demokraten Jacksonianer Jacksonianer
1834 Andrew Jackson Demokraten Jacksonianer Jacksonianer
1838 Martin Van Buren Demokraten Demokraten Demokraten
1842 John Tyler parteilos (zuvor Whig) Demokraten Whigs
1846 James K. Polk Demokraten Whigs Demokraten
1850 Millard Fillmore Whigs Demokraten Demokraten
1854 Franklin Pierce Demokraten keine eindeutige Mehrheit;
Opposition stärkste Gruppe
Demokraten
1858 James Buchanan Demokraten Republikaner Demokraten
1862 Abraham Lincoln Republikaner Republikaner Republikaner
1866 Andrew Johnson Demokraten Republikaner Republikaner
1870 Ulysses S. Grant Republikaner Republikaner Republikaner
1874 Ulysses S. Grant Republikaner Demokraten Republikaner
1878 Rutherford B. Hayes Republikaner Demokraten Demokraten
1882 Chester A. Arthur Republikaner Demokraten Republikaner
1886 Grover Cleveland Demokraten Demokraten Republikaner
1890 Benjamin Harrison Republikaner Demokraten Republikaner
1894 Grover Cleveland Demokraten Republikaner Republikaner
1898 William McKinley Republikaner Republikaner Republikaner
1902 Theodore Roosevelt Republikaner Republikaner Republikaner
1906 Theodore Roosevelt Republikaner Republikaner Republikaner
1910 William Howard Taft Republikaner Demokraten Republikaner

Seit 1914

Die Angaben zur Sitzveränderung bezeichnen die Differenz zwischen der Zahl der von der Partei des amtierenden Präsidenten gewonnenen Sitze und der Zahl der von ihr bei der jeweils vorangegangenen allgemeinen Wahl gewonnenen Sitze. Sie beziehen sich auf die unmittelbaren Wahlergebnisse. Die Angaben zur Kontrolle der beiden Kammern beziehen sich auf den jeweils folgenden Kongress.

Jahr Präsident Partei Veränderung der Präsidentenpartei
zur letzten allgemeinen Wahl
Kontrolle im folgenden Kongress
Repräsentantenhaus Senat Repräsentantenhaus Senat
1914 Woodrow Wilson Demokraten −61 +5 Demokraten Demokraten
1918 Woodrow Wilson Demokraten −22 −6 Republikaner Republikaner
1922 Warren G. Harding Republikaner −77 −6 Republikaner Republikaner
1926 Calvin Coolidge Republikaner −9 −6 Republikaner Republikaner
1930 Herbert Hoover Republikaner −52 −8 Demokraten Republikaner
1934 Franklin D. Roosevelt Demokraten +9 +10 Demokraten Demokraten
1938 Franklin D. Roosevelt Demokraten −72 −7 Demokraten Demokraten
1942 Franklin D. Roosevelt Demokraten −44 −9 Demokraten Demokraten
1946 Harry S. Truman Demokraten −55 −12 Republikaner Republikaner
1950 Harry S. Truman Demokraten −28 −5 Demokraten Demokraten
1954 Dwight D. Eisenhower Republikaner −18 −1 Demokraten Demokraten
1958 Dwight D. Eisenhower Republikaner −48 −12 Demokraten Demokraten
1962 John F. Kennedy Demokraten −4 +2 Demokraten Demokraten
1966 Lyndon B. Johnson Demokraten −48 −4 Demokraten Demokraten
1970 Richard Nixon Republikaner −12 +1 Demokraten Demokraten
1974 Gerald Ford Republikaner −48 −4 Demokraten Demokraten
1978 Jimmy Carter Demokraten −15 −3 Demokraten Demokraten
1982 Ronald Reagan Republikaner −26 +1 Demokraten Republikaner
1986 Ronald Reagan Republikaner −5 −8 Demokraten Demokraten
1990 George H. W. Bush Republikaner −8 −1 Demokraten Demokraten
1994 Bill Clinton Demokraten −54 −8 Republikaner Republikaner
1998 Bill Clinton Demokraten +4 ±0 Republikaner Republikaner
2002 George W. Bush Republikaner +8 +1 Republikaner Republikaner
2006 George W. Bush Republikaner −30 −6 Demokraten Demokraten
2010 Barack Obama Demokraten −64 −6 Republikaner Demokraten
2014 Barack Obama Demokraten −13 −9 Republikaner Republikaner
2018 Donald Trump Republikaner −42 +1 Demokraten Republikaner
2022 Joe Biden Demokraten −9 +1 Republikaner Demokraten
2026 Donald Trump Republikaner ausstehend ausstehend

Einzelnachweise

  1. 1 2 What Is a Midterm Election in the United States? In: Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 28. Januar 2026.
  2. ↑ Midterm Elections – Zwischenwahlen in den USA. In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Abgerufen am 28. Januar 2026.
  3. ↑ 2 U.S. Code § 7 – Time of election. In: Cornell Law School – Legal Information Institute. Abgerufen am 28. Januar 2026.
  4. ↑ Halbzeitwahlen in den USA. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 3. November 2014, abgerufen am 28. Januar 2026.
  5. ↑ Midterm Elections: Die Zwischenwahlen in den USA. 8. November 2022, abgerufen am 29. September 2024.
  6. ↑ U. S. Mission Germany: Über die Bedeutung der US-Zwischenwahlen. 17. Oktober 2022, abgerufen am 29. September 2024 (deutsch).
  7. ↑ History, Art & Archives, U.S. House of Representatives: Party Divisions of the House of Representatives, 1789 to Present.
  8. ↑ United States Senate Historical Office: Party Division.
  9. ↑ History, Art & Archives, U.S. House of Representatives: Presidents, Vice Presidents, & Coinciding Sessions of Congress.
  10. ↑ United States Senate Historical Office: Landmark Legislation: Seventeenth Amendment.
  11. ↑ Molly E. Reynolds, Abby Ward: Vital Statistics on Congress. Chapter 2: Congressional Elections, Brookings Institution, 2026, Tabelle 2–4: Losses by the President's Party in Midterm Elections, 1862–2022.
  12. ↑ History, Art & Archives, U.S. House of Representatives: Party Government Since 1857.
  13. ↑ Die Wahlen von 1930 ergaben zunächst eine knappe republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus. Zwischen der Wahl und der Konstituierung des 72. Kongresses starben jedoch mehrere gewählte Abgeordnete. Nach Nachwahlen konnten die Demokraten mit Unterstützung weiterer Abgeordneter die Kammer organisieren. Vgl. History, Art & Archives, U.S. House of Representatives: Party Government Since 1857.