| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Miglustat | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C10H21NO4 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
hygroskopischer weißer Feststoff (Hydrochlorid) | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 219,28 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
169–172 °C | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
leicht löslich in Wasser (75 mM in Wasser und DMSO) | |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Miglustat ist ein Arzneistoff, der in der Therapie bestimmter selten vorkommender erblicher Stoffwechselerkrankungen verwendet wird. Zu ihnen gehören die lysosomalen Speicherkrankheiten Morbus Gaucher Typ 1 und der Niemann-Pick-Krankheit Typ C. Weiterhin ist Miglustat als Enzymstabilisator in der Langzeitbehandlung von Morbus Pompe mit Cipaglucosidase alfa angezeigt.
Chemisch betrachtet ist Miglustat ein Iminozucker und das n-Butyl-Derivat des Naturstoffes Moranolin, einer D-Glucopiperidinose. Als Glucose-Analogon ist es ein reversibler Inhibitor des Enzyms Glucosylceramidsynthase (GCS). GCS katalysiert den ersten Schritt der Biosynthese von Glucosylceramid. Miglustat, reduziert die Aktivität der Glucosylceramidsynthase, wodurch weniger Glucosylceramid in den Zellen produziert werden kann (Substratreduktionstherapie).
Der Arzneistoff ist seit 2003 in der Europäischen Union zur Behandlung des Morbus Gaucher Typ 1 zugelassen für Patienten, für die die Enzymersatztherapie keine Behandlungsoption ist und seit 2009 zudem zur Behandlung der Niemann-Pick-Krankheit Typ C.
Im Gegensatz zu den bei der Enzymersatztherapie verabreichten Proteinen zur Behandlung von Morbus Gaucher ist Miglustat oral bioverfügbar. Das bedeutet, dass der Wirkstoff als Tablette eingenommen werden kann und nicht auf parenteralem Weg, beispielsweise intravenös, verabreicht werden muss. Die orale Bioverfügbarkeit liegt bei 40 bis 60 %. Der Wirkstoff verteilt sich in einer Vielzahl von Organen und Geweben. Therapeutisch wichtig sind dabei das Zentralnervensystem, das Skelett und die Lunge. Miglustat kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird über die Nieren ausgeschieden. Bei letzterem erfolgt eine Kombination zwischen glomerulärer Filtration und aktiver Sekretion. Über die Leber werden nur geringe Mengen von Miglustat aus dem Organismus eliminiert.
Durch die Inhibierung von mehreren Disaccharidasen verursacht Miglustat bei den meisten Patienten Durchfall (in einer Studie 84 %), Gewichtsverlust (64 %), Blähungen (43 %) und Bauchschmerzen (40 %). Weitere häufige Nebenwirkungen betreffen das Nervensystem. Dazu gehören Tremor (29 %), Parästhesien (10 %) und Amnesien (6 %). Durch eine Störung der Spermatogenese wird die Fruchtbarkeit bei männlichen Patienten herabgesetzt. Männer sollen während der Einnahme und bis drei Monate nach dem Absetzen von Miglustat kein Kind zeugen.
Miglustat hat sich in Tierstudien toxisch für den Embryo und Fetus gezeigt. Der Wirkstoff passiert die Plazentaschranke und darf während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung, männliche Patienten während und für drei Monate nach Abschluss einer Behandlung, eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Die Behandlungskosten lagen im Jahr 2003 für einen Patienten mit 60 kg Körpergewicht bei etwa 125.000 Euro pro Jahr. Im Vergleich zur teureren Enzymersatztherapie mit Imiglucerase waren die Kosten damit um den Faktor 4,3 niedriger.
2023 wurde Miglustat in der EU weiterhin unter dem Namen Opfolda zugelassen für die Gabe bei Patienten mit einer spät einsetzenden Verlaufsform des Morbus Pompe, die langfristig mit Cipaglucosidase alfa als Enzymersatz behandelt werden. Miglustat bindet selektiv an die Cipaglucosidase alfa im Blut und mindert im Kreislauf den Verlust der Aktivität während der Infusion dieses Enzyms.
Zavesca (D, A, CH); Opfolda (EU)