
Die Mikrochemie oder Mikroanalyse beschreibt Verfahren zur quantitativen oder qualitativen Bestimmung (Analyse) von chemischen Verbindungen oder Elementen in kleinen Mengen, auch genannt „Tracer“ (Spuren), von Probenmaterialien.
Je nach der notwendigen Substanzmenge unterscheidet man in der Mikroanalyse zwischen
Die Nachweisgrenzen vieler Stoffe konnten dabei vor allem durch die Anwendung moderner physikochemischer Messmethoden wie der Chromatographie, Absorptionsmessungen, dem Einsatz radioaktiver Isotope oder auch durch hochempfindliche Farbreaktionen deutlich verringert werden.
Die Mikrochemie und ihre Vorgänger entwickelten sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Die Entwicklung spezieller Instrumente, Techniken und Verfahren durch Fritz Pregl ermöglichte zum Beispiel erstmals die Untersuchung von kleinen Gewebeproben für die medizinische Diagnostik. Vor ihrer Einführung wurde in mehr oder weniger großen Kolben und Bechern gearbeitet, die eine Untersuchung von kleinsten Probenmengen nicht erlaubte. Dies war in der medizinischen Forschung und Forensik aber notwendig. Pregls Arbeiten entstanden zum Großteil in Graz, wo das chemisch-analytische Institut der Technischen Universität bis 1967 den Titel „Institut für Mikrochemie“ trug. Fritz Feigl war über die „Tüpfelanalyse“ Wegbereiter der Chromatographie. In den USA verbreitete Pregls Schüler Anton Benedetti-Pichler und Paul L. Kirk die Methoden der Mikrochemie bzw. Ultramikrochemie, respektiv.
Die Methoden der Mikrochemie und ihre anwendungsspezifischen Erweiterungen waren von Beginn an ein wichtiger Bestandteil der Erforschung der Radioaktivität als Teilgebiet der Radiochemie sowie der Entwicklung der Isotopentechnik. Mithilfe der Mikrochemie konnten Transurane, wie beispielsweise Plutonium, das nur in Mikromengen vorlag, entdeckt werden. Heutzutage existiert eine Vielzahl von Labortechniken die (radio-)chemische Mikromengen analysieren können, z. B. die Gammaspektroskopie, Scanning transmission X-ray microscopy (STXM) uvm.