Milicz

Milicz
Wappen von Milicz
Milicz (Polen)
Milicz (Polen)
Milicz
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Milicz
Fläche: 13,50 km²
Geographische Lage: 51° 32′ N, 17° 17′ OKoordinaten: 51° 32′ 0″ N, 17° 17′ 0″ O
Einwohner: 10.771
(1. Jan. 2024)
Postleitzahl: 56-300
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DMI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Krotoszyn–Breslau
Eisenbahn: Oleśnica–Chojnice
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 91 Ortschaften
52 Schulzenämter
Fläche: 435,61 km²
Einwohner: 23.058
(1. Jan. 2024)
Bevölkerungsdichte: 53 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0213033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jacek Supeł
Adresse: ul. Trzebnicka 2
56-300 Milicz
Webpräsenz: www.milicz.pl

Milicz [ˈmʲiliʧ] (deutsch: Militsch) ist eine Stadt an der Bartsch in der Stadt- und Landgemeinde Milicz im Powiat Milicki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt etwa 55 Kilometer nordöstlich von Breslau.

Ruine, des ehemaligen Piastenschlosses, 14. Jahrhundert
Schloss Militsch, 1591–1945 im Besitz der Grafen Maltzan
„Dorfstraße in Militsch“ 1883, Gemälde von Max Liebermann

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Burg „Miliche“ im Jahre 1136 in einer Bulle des Papstes Innozenz II. Sie gehörte den Breslauer Bischöfen und sollte den Übergang über die Bartsch sichern, der über Trebnitz nach Krotoschin und weiter über Gnesen und Thorn nach Danzig führte. Zugleich bildete sie den Mittelpunkt einer erstmals 1155 (Bulle von Breslau) genannten Kastellanei. Für das Jahr 1223 ist die dem hl. Adalbert von Prag geweihte Pfarrkirche belegt, und 1245 erfolgte die Erhebung zur Stadt. 1358 verkaufte der Breslauer Bischof Preczlaw von Pogarell die Stadt, die Burg mit dem Burgzoll und 24 Dörfern an Konrad I., Herzog von Oels, das seit 1329 ein Lehen der Krone Böhmen war.

Während der Hussitenkriege wurde die Burg Militsch 1432 zerstört.

Nach dem Tod des letzten Oelser Herzogs Konrad X. 1492 fiel Militsch als erledigtes Lehen an den böhmischen Landesherrn Vladislav II. Dieser verlieh die Herrschaft Militsch 1494 an seinen Kämmerer Sigismund III. von Kurzbach, der daraus eine umfangreiche Freie Standesherrschaft bildete. Dessen Söhne teilten das Gebiet in die Standesherrschaften Trachenberg und Militsch. Die Kurzbach betrieben energisch die deutsche Kolonisierung des bisher dünn besiedelten, vornehmlich polnischsprachigen Landes, indem sie viele Bauern aus Schwaben anwarben. Durch Heirat der letzten Erbin aus dem Hause Kurzbach gelangte die Standesherrschaft Militsch an Joachim von Maltzan. 1709–1714 wurde die evangelische Gnadenkirche errichtet.

Preußen (1742–1945)

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Militsch mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Die Standesherren von Militsch betätigten sich als Industriegründer, indem sie mehrere Tuchmanufakturen und andere Textilbetriebe gründeten und die Karpfenzucht förderten. Anfang des 19. Jahrhunderts legten sie die Arbeitersiedlung Karlstadt polnisch seit 1945 Karłów an. Ab 1816 war Militsch Sitz des Landkreises Militsch, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Das 19. Jahrhundert brachte eine weitere Entwicklung der Stadt. Durch die Preußischen Reformen verloren die Standesherren Maltzan ihre Feudalrechte, um 1850 wurde ein neues Rathaus errichtet sowie Kanalisation und Wasserleitungen installiert.

1875 erhielt die Stadt Eisenbahnverbindungen mit Oels, Breslau und Krotoschin, etwa 20 Jahre später auch eine Schmalspurbahn, die die Stadt u. a. mit Trebnitz, Trachenberg und Breslau verband.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
17871282Ende Mai, darunter zwanzig Juden und 96 Militärpersonen; Garnison: eine Eskadron des Husaren-Regiments Prinz Eugen von Württemberg
18031332
18101896
18162097davon 1600 Evangelische, 428 Katholiken und 69 Juden
18212110Kreisstadt an der Bartsch, mit 202 Privatwohnhäusern, Herstellung von berühmtem Töpfergeschirr
18252207darunter 453 Katholiken und 60 Juden; offene Stadt, mit drei Torausgängen, einer katholischen Pfarrkirche, einer evangelischen Mutterkirche und einem Schloss; Garnison: 3. Eskadron des 7. Husarenregiments
18402231darunter 1839 Evangelische, 297 Katholiken und 95 Juden; Garnison: Stab und 2. Eskadron des 1. Ulanenregiments
18522828am Jahresende
18643360am 1. Dezember, Gemeindebezirk (also ohne den in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Gutsbezirk Schloss Militsch)
18673348am 3. Dezember
18713312am 1. Dezember, davon 2633 Evangelische, 515 Katholiken und 164 Juden
18753385
18803486
18853802am 1. Dezember, davon 2915 Evangelische, 736 Katholiken und 151 Juden (547 aktive Militärpersonen)
18903822davon 2993 Evangelische, 690 Katholiken und 139 Juden
18953704am 2. Dezember, davon 2942 Evangelische, 648 Katholiken, acht andere Christen und 106 Juden.
19053692am 1. Dezember, mit der Garnison (vier Eskadronen des Ulanenregiments Nr. 1), davon 2959 Evangelische (darunter 2953 mit deutscher Muttersprache und drei mit polnischer Muttersprache), 657 Katholiken (darunter 533 mit deutscher Muttersprache und 119 mit polnischer Muttersprache) und 69 Juden; Kreisstadt und Hauptstadt der gleichnamigen Standesherrschaft, mit einer evangelischen Gnadenkirche von 1709, einer katholischen Kirche, einer altlutherischen Kirche, einer Synagoge, einem Amtsgericht, einer Molkerei, einem Holzsägewerk und einer Ziegelei
19103795am 1. Dezember, Stadt mit zwei evangelischen Pfarrkirchen, einer katholischen Pfarrkirche und einer Synagoge.
19334579
19395402

Polen (seit 1945)

Marktplatz der Stadt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte im Januar 1945 die Rote Armee Militsch. Die Einwohner waren zuvor teilweise evakuiert worden. Die Kunstschätze im Schloss, Deutschlands größte Kollektion von Wanduhren, eine große Kupferstich-Sammlung, eine Gemäldegalerie und eine reichhaltige Bibliothek, wurden als Beutekunst in die Sowjetunion abtransportiert, soweit sie die Maltzans nicht 1944 nach Österreich oder Westdeutschland überführt hatten. In der Stadt waren noch monatelang sowjetische Soldaten stationiert. Nach dem Weltkrieg fiel Militsch an Polen. Nachfolgend wurde die Ortsbezeichnung Milicz eingeführt und bis 1947 zurückgekehrten Einwohner vertrieben. An ihre Stelle traten Polen, die zum Teil ihrerseits im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946 vertrieben worden waren.

Bis 1975 war Milicz Sitz des Powiat Milicki, dann bis 1999 eine Stadt- und Landgemeinde in der Woiwodschaft Breslau. Seit 2000 ist die Stadt wieder eine Kreisstadt.

Sehenswürdigkeiten

Evangelische Gnadenkirche, um 1750
Pfarrkirche zum Heiligen Andreas Bobola
St.-Anna-Kirche

Verkehr

Der Bahnhof Milicz liegt an der Bahnstrecke Oleśnica–Chojnice. Vor 1945 bestand auch eine Kreisbahn.

Partnerstädte

Gmina Milicz

Milicz ist flächenmäßig eine der größten Gemeinden (Gmina) in ganz Polen. Sie hat eine Flächenausdehnung von 435,6 km². 41 % des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt, 43 % sind mit Wald bedeckt.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten mit Verbindung zur Stadt

Literatur

neuere und tatsächlich benutzte zuerst
Commons: Milicz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Area and population in the territorial profile in 2024. Abgerufen am 7. September 2025.
  2. ↑ Wurde bei Kriegsende 1945 beim Einmarsch der Roten Armee zerstört.
  3. ↑ Friedrich Albert Zimmermann: Beiträge zur Beschreibung von Schlesien, Band 7, bei Johann Ernst Tramp, Brieg 1787, S. 373–381 (Google Books).
  4. 1 2 3 4 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 336–343, Ziffer 441 (Google Books).
  5. ↑ Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 969 (Google Books).
  6. ↑ Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 872–873 (Google Books).
  7. ↑ Uebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussisches Staates, und Alphabetisches Verzeichniss der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusse des Jahres 1852. Decker, Berlin 1854, S. 159(Google Books).
  8. ↑ Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Breslau, Berlin 1868, 8. Kreis Militsch-Trachenberg, S. 18–25, Ziffer 143 (Google Books)
  9. 1 2 Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 38–39, Ziffer 1 (Google Books).
  10. 1 2 3 4 5 Michael Rademacher: Militsch. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  11. ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung am 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, Band VI: Provinz Schlesien, Berlin 1887, S. 44–45, Ziffer 1 (Google Books).
  12. ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen, Heft VI: Provinz Schlesien, S. 44–45, Ziffer 1 (Google Books).
  13. ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung am 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Heft VI: Provinz Schlesien, Berlin 1908, S. 190–191, Ziffer 1 (Google Books).
  14. ↑ Lexikoneintrag zu Militsch, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 13, Leipzig/Wien 1908, S. 836 (Zeno.org)
  15. ↑ Militsch, Kreisstadt, links der Bartsch, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Schlesien, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Militsch (meyersgaz.org).
  16. ↑ Dagegen erzählt Maria Gräfin von Maltzan in ihren Erinnerungen Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, dass nichts gerettet werden konnte.
  17. ↑ Roswitha Oschmann: Eine Tragödie auf beiden Seiten. In: General-Anzeiger. vom 14. Januar 2011 (ga.de).
  18. ↑ Dz.U. z 1975 r. nr. 17 poz. 92. 30. Mai 1975, S. 179, § 47 (polnisch).
  19. ↑ Eintrag über die Partnerstädte auf der Homepage der Stadt Springe Abgerufen am 23. April 2019, 21:49
  20. ↑ regioste.pl (pl/en)