Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000hPa).
Miltefosin, ein Phospholipid aus der Familie der Alkyphosphocholine mit dem Stoffnamen Hexadecylphosphocholin, ist ein Arzneistoff gegen die Protozoen der Leishmanien, die Erreger der Leishmaniose (Kala-Azar, Dum-Dum-Fieber, Aleppobeule bzw. Orientbeule). Es hat sich in Studien beim Menschen und auch beim Tier als wirksam gegen Leishmania donovani und Leishmania infantum gezeigt. Der Wirkstoff wird auch experimentell zur Behandlung von Infektionen mit der Amöbe Naegleria fowleri benutzt. Miltefosin ist strukturell mit Edelfosin und Perifosin verwandt.
Nebenwirkungen
Oral verabreichtes Miltefosin kann zu leichten bis mittelschweren gastrointestinalen Beschwerden führen. Es kann zu einem reversiblen Anstieg der Transaminasen und des Kreatinins kommen. Es kommt zu relativ häufigen Durchfällen und Erbrechen, Hautreizungen sind nicht ungewöhnlich.
Zu Miltefosin alternative medikamentöse Therapien (N-Methylglucamin-Antimonat und Amphotericin B) sind jedoch ebenfalls für ihre erheblichen Nebenwirkungen bekannt.
Entwicklungsgeschichte
Miltefosin wurde in den 1990er Jahren am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie von Hansjörg Eibl und Clemens Unger entwickelt und in ersten klinischen Studien als Therapeutikum eingesetzt. Seit 2004 ist Miltefosin zur Behandlung der Leishmaniose zugelassen. Für Tiere wurde der Wirkstoff in Spanien, Italien, Griechenland und der Schweiz zugelassen. Aufgrund des seit dem 28. Januar 2022 geltenden europäischen Tierarzneimittelrechts ist dieses Tierarzneimittel nun auch in Deutschland vorrangig vor Miltefosin-haltigen humanmedizinischen Kapseln anzuwenden.
H. Sindermann, K. R. Engel u.a.: Oral miltefosine for leishmaniasis in immunocompromised patients: compassionate use in 39 patients with HIV infection. In: Clinical Infectious Diseases. Band 39, Nummer 10, November 2004, S.1520–1523, doi:10.1086/425359. PMID 15546090.
Sonja Klarhof: Oleyl-Phosphocholin, ein neuer Wirkstoff zur Behandlung der kaninen viszeralen Leishmaniose, Inaugural-Dissertation DNB974396486/34
T.K. Jha, Shyam Sundar, C.P. Thakur, Peter Bachmann, Juntra Karbwang, Christina Fischer, Andreas Voss, Jonathan Berman: Miltefosine, an Oral Agent, for the Treatment of Indian Visceral Leishmaniasis. In: New England Journal of Medicine. 341, 1999, S.1795–1800, doi:10.1056/NEJM199912093412403 (freier Volltext).
↑A. Kuhlencord, T. Maniera, H. Eibl, C. Unger: Hexadecylphosphocholine: oral treatment of visceral leishmaniasis in mice. In: Antimicrobial agents and chemotherapy. Band 36, Nummer 8, August 1992, S.1630–1634, PMID 1329624. PMC192021(freier Volltext).
↑Ilka Emmerich, Jürgen Sommerhäuser:Das neue Tierarzneimittelrecht: Erläuterung zur geänderten Rechtssystematik, Umwidmungskaskade und Festlegung der Mindestwartezeit. In: Deutsches Tierärzteblatt. Band70, Nr.1, 2022, S.14–20 (bundestieraerztekammer.de[PDF; abgerufen am 20.September 2025]).
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